Deitsche Kurrentschrift
| Der Artikl is im Dialekt Kärntnarisch gschriem worn. |


ch, ck, th, sch (ſch), ß (ſz) und st (ſt))

De deitsche Kurrentschrift (von lateinisch currere „laufn”) is a Årt von Schreibschrift de wo vom Ånfång von da Neizeit bis in de Mittn vom 20. Joahundat (in da Schweiz da Ånfång vom 20. Joahundat) de ållgemeine Vakehrsschrift im deitschn Språchraum woa. Se werd aa deitsche Schreibschrift oda deitsche Schrift gnånnt. Mit „deitsche Schrift“ kånn ma åba aa bestimmte gebrochene Såtzschriftn manen.
Paläographisch gseachn is de deitsche Kurrentschrift a Årt von an gebrochenen Schriftn (Kanzleibastarda). Wås sie bsundas måcht seind de spitzn Winkl („Spitzschrift“), de de runde lateinischn Schriftn nit håmp. De Kurrentschrift is åba aa oft rund. Ma håt sie aa mit klaanen Vaändarungen in Skandinavien bnutzt (in Norwegn und Dänemoak „Gotisk skrift“ gnånnt).
De Kurrentschrift håt ma åm Ånfång mit anem Fedakiel und spata mit ana Båndzuegfeda gschriem, wås dåzue gfiat håt, dåss de Strichstärkn je nåch Richtung åndas woa. Seit am 19. Joahundat håt ma sie aa mit ana Spitzfeda gschriem, wås ån- und åbschwellende Linien gmåcht håt.
Im 20. Joahundat is de Sütterlinschrift erfundn worn. Dege Variante von da Kurrentschrift is åls Ausgångsschrift fia an Schueluntaricht entwicklt und eingfiaht worn. Ma håt se mit ana Gleichzuegfeda gschriem, de a gleichmäßige Strichstärkn håt.
Seit da Mittn vom 20. Joahundat, vor ållem nåchdem se im Joa 1941 durch an Normalschriftealåss in an Schuelen åbgschåfft worn is, is de Kurrent- und Sütterlinschrift ålleweil weniga bnutzt worn. Historika, genealogisch Interessierte und åndare Wissnschåftla miaßn sie lernen, um in da Kurrentschrift gschriemene Texte lesn ze kenan.
Gschicht
[Werkeln | Am Gwëntext werkeln]Entwicklung (16.–19. Joahundat)
[Werkeln | Am Gwëntext werkeln]De deitsche Kurrentschrift håt si im friahn 16. Joahundat aus da Kanzleibastarda entwicklt.[1]
Einflussreich fia ihre Entwicklung im 17. und 18. Joahundat woan de Nürnbeaga und de sächsische Schreibschuel.[2] In Preißn is 1714 zen erstn Mål durch anen Erlåss ån an Schueln a Normschrift eingfiaht worn, de da berlina Lehra Hilmar Curas (Joachimsthalisches Gymnasium) erfundn håm soll. De spitzn, nåch rechts geneigtn Formn, de Rundungn vamiedn håmp, håmp si aa in åndan deitschn Ortn eingebiagat. Deshålb woa de schulische Ausgångsschrift aa weit von Preißn wichtig fia de Entwicklung von da Kurrentschrift.[3]
De Schrift is im 19. Joahundat durch de metallische Spitzfeda beeinflusst worn.

Bsundaheitn
[Werkeln | Am Gwëntext werkeln]De deitsche Kurrentschrift is rechtsschräg und håt Schleifn ån an Obalängn. De Schäfte von an Buechståbn f und ſ, wia bei an ältaren Kanzleibastardn, nåch untn valängat. Vüle Buechståbn wend in anem Fedazueg gschriem. Dås „z“ und es „h“ håmp durchgezogene Schleifn ån an Untabögn. Dås e håt a Form, de es in kana åndaren Schrift håt, de a bissl so ausschaugt wia dås n.[4] Aus dem e seind de Umlautpunkte im deitschn Alphabet entståndn.[5][6]
Weil de Buechståbn n und u sunst gleich ausschaugn, werd iba dås u a Bogn getån. A gråda Strich üba am n oda m is a Reduplikationsstrich der bedeitet, dåß da Mitlaut (Konsonant) vadopplt werd.
- b B
- f F
- ſ s S
- h H
- z Z
- e E
- n N
- u U
Beispüle
[Werkeln | Am Gwëntext werkeln]- Johann Christoph Egedacher: Kostenvoranschlag fia a Orgel fia Maria Kirchental, 1716,[7] mit Fremdwertan in lateinischer Schrift
- Urkundn von 1917
- Blått aus anem Grenzprotokoll, spates 19. Jahrhundert, nit weit von Buchholz (Nordheide)
- Schlußsatz von anem Vergleich aus am Joa 1750; is in Kurrent- und aa Lateinschrift (doppelte Datumsångåbn nåch am julianischem und gregorianischem Kalender)
- Schriftbeispül aus anem Schuelheft, 1910
- Städtisches Kinderheim in Esslingen am Neckar (Aufnahme 2005)
- Buchtitel von eppa 1920: Huckleberry Finns Fahrten und Abenteuer von Mark Twain
Literatua
[Werkeln | Am Gwëntext werkeln]- Friedrich Beck: Die „deutsche Schrift“ – Medium in fünf Jahrhunderten deutscher Geschichte. In: Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 37 (1991), S. 453–479.
- Hellmut Gutzwiller: Die Entwicklung der Schrift in der Neuzeit. In: AfD 38 (1992), S. 381–488.
- Leo Santifaller: Bozener Schreibschriften der Neuzeit. Gustav Fischer, Jena 1930.
- Heribert Sturm: Einführung in die Schriftkunde. München-Pasing 1955.
- Tamara N. Tacenko: Zur Geschichte der deutschen Kursive im 16. Jahrhundert. Bemerkungen zur Entwicklung dieser Schrift anhand von Dokumenten einer Sammlung aus St. Petersburg. In: AfD 38, Köln u. a. 1992, S. 357–380.
Selba lernen
[Werkeln | Am Gwëntext werkeln]- Manfred Braun: Deutsche Schreibschrift. Kurrent und Sütterlin lesen lernen. Handschriftliche Briefe, Urkunden, Rezepte mühelos entziffern. München 2015, ISBN 978-3-426-64688-5.
- Helmut Delbanco: Schreibschule der deutschen Schrift. Eine Anleitung zum selbständigen Erlernen der deutschen Schreibschrift. Verlag Bund für deutsche Schrift und Sprache, 2005, ISBN 3-930540-23-1 (Lern- und Anleitungsheft für die deutsche Schreibschrift, auch bekannt unter dem Namen Sütterlinschrift).
- Berthold zu Dohna: Warum nicht mal deutsch? Übungsbuch für die deutsche Schreibschrift. 4. Auflage. Christians, Hamburg 2001, ISBN 3-7672-1241-2 (168 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen).
- Kurt Dülfer, H. E. Korn: Schrifttafeln zur deutschen Paläographie des 16.–20. Jahrhunderts. 2 Teile, 6. Aufl., hrsg. von Günter Hollenberg. Marburg 1987 (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg 2).
- Karl Gladt: Deutsche Schriftfibel. Anleitung zur Lektüre der Kurrentschrift des 17.–20. Jahrhunderts. Graz 1976.
- Paul Arnold Grun: Leseschlüssel zu unserer alten Schrift. Limburg 2002, ISBN 3-7980-0358-0 (Reprint der Originalauflage von 1935; Dokumentation der Schriftentwicklung vom 14. bis 19. Jahrhundert, mit zahlreichen Schriftproben).
- Manfred Kobuch, Ernst Müller: Der deutsche Bauernkrieg in Dokumenten. Weimar 1977 (lei fia dås 16. Jahrhundert).
- Lehrbrief Paläographie. Fachschule für Archivwesen, Potsdam o. J.
- Johannes Seidl: Schriftbeispiele des 17. bis 20. Jahrhunderts zur Erlernung der Kurrentschrift. Übungstexte aus Perchtoldsdorfer Archivalien (Memento vom 19. März 2013 im Internet Archive) (PDF-Datei; 1,4 MB), 1996.
- Harald Süß: Deutsche Schreibschrift. Lesen und Schreiben lernen. Droemer Knaur, 2002, ISBN 3-426-66753-3 (Lehrbuch für Deutsche Kurrent, Sütterlinschrift und Offenbacher Schrift).
Im Netz
[Werkeln | Am Gwëntext werkeln]- Geschichte der deutschen Schreibschrift
- Erste Schritte im Kurrent-Lesen (Memento vom 22. Nóvémber 2021 im Internet Archive) (PDF; 581 KB). Geschichte Online, Universität Wien
- Erste Schritte in Kurrent. Universität Wien
- Freunde der deutschen Kurrentschrift
- Bund für deutsche Schrift und Sprache
- Kurrentschrift zen Selberlernen
- Margarete Mücke: Kurrentschrift Schreiblehrgang
- Kurrent lesen lernen mit Übungen, eduLehre(at)com; Inhaber der Website: abiLehre – Verein zur Förderung von Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistent/innen, Wien.
Belege
[Werkeln | Am Gwëntext werkeln]- ↑ Karin Schneider: Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten: Eine Einführung. 3. Auflage. Walter de Gruyter & Co KG, 2014, ISBN 978-3-11-037308-0, S. 84 (books.google.de).
- ↑ Sonja Steiner-Welz: Von der Schrift und den Schriftarten. Reinhard Welz Vermittler Verlag e. K., 2003, ISBN 3-937636-47-1, S. 111 (books.google.de).
- ↑ Sonja Steiner-Welz: Von der Schrift und den Schriftarten. Reinhard Welz Vermittler Verlag e. K., 2003, ISBN 3-937636-47-1, S. 113 (books.google.de).
- ↑ Karin Schneider: Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten: Eine Einführung. 3. Auflage. Walter de Gruyter & Co KG, 2014, ISBN 978-3-11-037308-0, S. 84 (books.google.de).
- ↑ Albert Derolez: The Palaeography of Gothic Manuscript Books: From the Twelfth to the Early Sixteenth Century. Cambridge University Press, 2003, ISBN 0-521-80315-2, S. 188 (books.google.de).
- ↑ Bernhard Bischoff: Latin Palaeography: Antiquity and the Middle Ages. Cambridge University Press, 1990, ISBN 0-521-36726-3, S. 135 (books.google.de).
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