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Die góldne Schål (Märchen)

Aus Wikipedia

„Die góldne Schål“ isch a tirkisches Gschichtl; dés geaht só:

Drei Purschn håm sich a pissl a Gelt derspårt unt geahn in der Welt ausi. Zwoa fintn pålt an Årbet, åber der dritte nét; unt déswegn sperrn sie’n van Haus ausi.

Er fintet an Ånstéllung pan an Péck unt geaht amål fischn, ziacht an schean Fisch auser. Er will’n in sein Moaschter schénkn, der sell schickt’n nóamål zrugg zun Påch, in Fisch putzn. Wia er in Fisch auschneit, kimmp a góldne Schål firer. Er schwénzt sie mit an Wåsser, unt as Wåsser, wås in der Schål isch, wert aa zu Gólt. Jå wås tasch iaz? Amål zun Péck hoam geahn, nix sågn unt viel Gólt måchn. Dernåch sich aufmåchn in der Stådt zun Padischah. Sell tuat er. Nåch seiner Åproas fintet der Péck nó an Tschuppm Gólt in Zimmer van Pursch.

In der Stådt låsst er an schean Ånsitz paun. Åmål geaht er mit seine Kollegn in Gårtn van Padischah eini unt sigg die Prinzéssin, dé in Pegleitung van a påår Deanerinnen isch. Die Prinéssin fångg glei ån zu góschn. Er nimmp die Schål, fillt in Prunnen Wåsser ein unt wirft’s iber der Gitsch. Die sel sigg as Gólt af ihrn Gwånt unt schickt ihr Personal wék, er schickt seine Kollegn wék. Sie will wissen, va wó er dé Schål her håt unt will sie håm. Er verschénkt sie lei unter der Pedingung, dass sie sich ihm hingip. Sel tuat sie.

An galing kimmp ihr Våter drau, dass sie in der Hóffnung isch unt will sie umpréngen låssn. Er peauftrågg oan, mit ihr afn Meerstrånt zu geahn unt sie åzumurxn. Derweil der Peauftrågge afn Strånt nó petet, nimmp sie mit der Schål Meerwåsser unt zoag ihmwia man zu Gólt kimmp. Sie schlågg ihm vór, a Schiltkrót åzuschlågn unt ihre Plusn mitn sem Pluat ånzuschmiarn, damit ihr Våter an Peweis håt, dass sie toat isch. Der Månn isch einverståntn.

Wia sie då hålb nåcket afn Strånt auf unt å geaht, reitet der Arnavut Aga zuwég. Sie derzéhlt ihm die Gschicht unt er verspricht ihr, sie mitzunéhmen. Sie verlångg åber, dass er erschter a Stunt lång sich in Meer åwascht. Sie nutzt die Gelégnheit, påckt seine Gwanter unt haut mit sein Róss å.

In galing kimmp sie zun a Stådt, wó der Arnavut gschätzt isch und pleip in a Herperg. Sie låsst a Pild va sich måln unt héngg’s vór der Tir auf. Sie peauftrågg an Deaner, dass er åcht gipp, wer auffällig reagiart, pål er as Pilt sigg. Sie suacht sich nåcher a Hébamm, weil’s schón pål sóweit isch.

In Padischah ruit’s, dass er sei Tóchter umpréngen håt glåssn, er légg sich épes Gscheids ån unt geaht af der Wånderschåft. Er kimmp in dén Gåschthaus vorpei, sigg as Pild unt es kémmen ihm die Zachern. Als néggschts kimmp der Pursch, wås sie gschwéngert håt unt zuléscht der Arnavut; ålle sein vórn Pild gståntn.

Als erschter muaß ihr Våter in ihrn Zimmer eini; er derkénnt sie nét. Er sågg, er håt greart, weil dé Gitsch afn Pild ausschaugg wia sei Tóchter. Er derzéhlt ihr, wås er mit seiner Tóchter mitgmåcht håt. Sie zoagg ihm afn sem aui die Schål (er woaß nix va der Schål). Er sigg dés Gólt unt pettlt sie um der Schål. Sie sågg, sie gip sie ihm lei, wénn er sich ihr hingip. Jåja dénkt er sich, in der Stådt då kénnt mi eh koaner; kånnsch es wóhl rischggiarn unt sågg zua. Sie håltet’n ein unt sågg ihm, wer sie isch. „Siggsch“, sågg sie, „i hån mi aa fir der Schål hingébm.“ Der Våter kimmp zu a péssrer Einsicht unt verzeicht ihr.

Sie låsst nåcher in zweitn in ihrn Zimmer eini unt sågg ihm, dass er der Våter van Kint isch. In Arnavut Aga gip sie an Haufn Gelt. In der Stådt van Padischah wert viarzig Tåg lång Hoazet gfeiert.

Die tirkische Gschicht heart so auf: I kimm gråd va zem unt sóll scheane Griaß ausrichtn.

Dés Gschichtl zoagg, dass der, wås selber schuldig isch, åndre (går die oagne Tóchter) schwar pestråft, dé in gleichn Fahler måchn wia er selber. Der Spruch van Goethe håt Kópf unt Fuaß: „Ein jeder kehre vor seiner Tür ...“. In dén Zsåmmenhång fållt oan die Pegébmheit in Nuin Testamént (Jo 8,4) ein, wó a påår „Saubermåcher“ a Frau ånschuldign unt sie gern stoanign tatn.

As Gschichtl zoagg weiters, wia as Gelt in die Lait in Kópf verdrahnen kånn. Afn Palkan unt in Órient sein verschiedne Versiónen van Gschichtl umandånder.

Türkische Märchen; Hrsg. Otto Spies; Weltbild-Verlag GmbH; Augsburg 1998

Ibersétzungen

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  • firerkémmen: zum Vorschein kommen
  • an Tschuppm: eine (gewisse) Menge
  • góschn: schimpfen
  • Gitsch: Mädchen
  • in galing: nach einiger Zeit
  • ånlégn: anziehen, kleiden
  • Zachern: Tränen, Zähren
  • greart: geweint
  • afn sem aui: daraufhin