Kindskopf – Eine Heimsuchung

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Kindskopf – Eine Heimsuchung is a Novijn vo Ulrich Karger, der as Buach Jona ausm Oijdn Testament oijs a Geschicht in da Gengwoat variiat.[1] Oa Dialog dodrin is seitnweis in Obaboarisch ghoijtn.[2]

Inhoijt[VE | Weakln]

A Kindawunsch wead zua lemnsbedrohlichn Grundsotzfrong. Da Jonas Brandeiser fliaht unn wuij liaba steamn, oijs se auf as Osinnan vo seina Ehefrau Gisela eizulossn. Sei Flucht endt jedo net mit seim Tod, obwoij Jonas oijs drosetzt, ins koijde Wossa von am „unagrindlichan See“ gsteißn zu wean. Oba donn siagt a si uvahofft untam Disch unn zua Ausanondasetzung mit de Beweggrind vo seim Naa zum Kindawunsch vo da Gisela zwunga. Wia Tennisbejj fliang eam chronologisch de Erinnarungen aus da Kindheit bis zum Eawochsanenoijta zua, de as Grundgrüst vo seina Obwear geng as Famuijanlemn im Oijgmoanan unn am eiganan Kindawunsch im Bsundanan buijdn – unn des voaeascht aa bleimn. Dea vo eam onzweifeijte, oba oijweij ogsprochane Gott losst eam de Zeit, grod dera Erinnarung nimma ausweichan zkenna, de eam schliaßli hoijbheazig nochgemn losst. In dera siagt a sein dodn Voda losglöst vo seina Vodaroijn oijs seijm traumatisiats, „hingeworfenes Kind“. Noch da Gebuat vo seim eiganan Kind is Jonas oba no koafoijs mit se im Reinan, sondan siagt de meistn vo seine Bfiachtunga bstätigt. Om End steijt se eam oba immahin de Frog, de eam iaba si seijba aussaweisn losst unn zu neian Schlussfoijgarunga fian kunnt:

„Und Du meinst also, es gibt Unschuld, die trotz aller Plagen einfach nur leben will – jedes Kind ein mögliches Wunder? Ist Irren göttlich? Und darin soll ich Dein Ebenbild sein? Wie hältst Du es nur mit Dir aus …“

Gattungszuaoadnunga[VE | Weakln]

A Noveijn[VE | Weakln]

Im Buach seijbst wead weda aufm Umschlog no auf de Vorseitn zum Text a Gattungsbzeichnung gnennt, sundan da meadeitig auf de Hondlung bzogane Untatitl Eine Heimsuchung. Oba da Schriftstella und Theologe Klaas Huizing gsteht scho am Text seijba as fia Noveijn typische Meakmoij zua, ea war „eine unerhörte Begebenheit“, unn losst se auf da Rückseitn vom Buach aa no domit zitian, dass da Autor „in ‚Kindskopf‘ der Novelle ganz neue Einsichten“ obgwinna dat.[3] Oijs a Charakteristikum vo a Noveijn zejjt de im Mittlpunkt stengande „unerhörte Begebenheit“ von am zuagspitztn Konflikt: A Mo wuij si liaba umbringa, oijs mit seina Frau a Kind zu homn. Des Weidan varweist dodrauf aa de in si gschlossane Foam vo dem Text, de auf a jede epische Eaweitarung vazicht unn si auf as Wesantliche analog zua da biblischn Voalong bschränkt.

A Jona-Buach-Variation[VE | Weakln]

Scho da Voanom von dem Protagonistn sowia de Ozoij vo de Kapitl unn de zwoi Eischüb aus da Zürcher Bibel vaweisn auf as Buch Jona. Dodriaba hinaus wead dera Zsammahong aa in da Ofong vo de in de 1990a Joa glegtn Hondlung deitli, weijchane de Struktur und de Dynamik vo dem biblischn Jona-Buach aufnimmt, um se donn aus da Sicht vo dem Autor zu interpretian bzw. im Vagleich zum Original oijs weit umfangreichane Noveijn zu variian. So entsprechan z. B. da Kindawunsch vo da Gisela am Auftrag vo Gott on an biblischn Jonas wia sei umstondslose Flucht dera vom Jonas Brandeiser. (Sieg aa EU Jona 1,1–3)

Da sea enge, am Inhoijt noch oba a sea weit gfosste unn stoak interpretierende Oeignung vo am Jona-Buach hot laut Mendl u. a. die „realen und potenziellen Lebensgeschichten der heute zwischen Vierzig- bis Sechzigjährigen“ in da „Erzählung des biblischen Jona […] parallelisiert und kontrastiert“.[4]

Ausgstoijtung[VE | Weakln]

Aufbau[VE | Weakln]

Wia im oijdtestamentlichn Jona-Buach mit sein nua wenige Seitn umfossendn vier Kapitln is de Noveijn vom Karger aa nua in vier Kapitl untateijt. Aussadem san nochm easchtn Kapitl de Jona-Kapitl 1 und 2 sowia nochm drittn Kapitl de Jona-Kapitl 3 unn 4 oijs doppeijspoijtig gsetzte Zitat aus da Zürcher Bibel eigschomn woan.[5]

Eazejjperspektivn unn Sprochreglung[VE | Weakln]

Währnd im Kindskopf de Kapitl 1 unn 3 in auktoriala Erzejjperspektivn gstoijtet san, nutzn as 2. unn 4. Kapitl de Ich-Perspektivn, wobei as Kapitl 2 mit seina Rückschau auf de Kindheitserinnarunga von am Jonas Brandeiser aa des on Seitn umfangreichste is.

As 1. Kapitl wiadarum, worin da Protagonist noch Bayern fliaht, hebt se auf mehrane Seitn zu seim End hi vo de ondan Kapitl duach oan in Boarisch ghoijtanen Dialog ob. Donk seina „gmäßigtn“ Lautierung kennan den Dialog vamuatli oba aa Leit aussahoib vo Bayern nochvoijziang, ea liagt aussadem aa auf da Autorn-Homepageseitn zum Buach in a houdeitschn „Iabasetzung“ voa.[2]

Meinunga dozua[VE | Weakln]

Da „sehr spezielle Charakter“[6] vo dem Text hod aufgrund vo da literarischn Form vo oana oijttestamentlichn Neiinterpretation bislong insbsundane bei am bibelkundigm Publikum unn in theologisch ausgrichtete Fochkreisn Interesse gfundn. As Buach is vo dohea aa voa oijm in Publikums- unn Fochzeitschriftn mit dementsprechanda Ausrichtung bsprocha woan.

As Berlin-Brandenburgische Sonntagsblatt hod de Erzejjhoijtung von am Autor oijs „ein wenig melancholisch, sehr sprachfreudig und hörbar menschenfreundlich“ gweatet unn vaweist mit „Das Eigene muss so gut gelernt sein wie das Fremde“ auf an duachschimmandn autobiographischn Kontext.[7]

De Evangelische Welt attestiert am Protagonistn Jonas Brandeiser: „Wie sein biblischer Namensvetter setzt sich der zeitgenössische Jonas intensiv mit Gott auseinander, lehnt sich gegen ihn auf“, und moant schließli: „Die Frage ‚Wozu?‘ zieht sich wie ein roter Faden durch die Reise in seine bayerische Kindheit und Jugend“, de da Autor „mit viel Sinn für die Skurrilitäten des Alltags erzählt.“[8]

As Meiste hot da Hans Mendl oijs Lehrstuijinhoba fia Religionspädagogik unn Didaktik on da Universität Passau in de Katechetischen Blätter dodozua gsogt unn in seim Aufsatz aa ogmeakt, oa Zitat ausm Buach zuam Bstondteij vo a Klausur gmocht zu homn: „Bücher können wie Spiegel sein – man blickt hinein und entdeckt sich selber: Was aus einem geworden ist oder was aus einem hätte werden können. Ein solches ganz unprätentiöses Buch ist (die) Novelle ‚Kindskopf‘“, die dem Leser allerdings „viel Selbstironie“ abverlangt, dann aber „ein empfehlenswertes Buch für alle (ist), die auf unterhaltsame Weise neue Zugänge zu einer vertrauten Geschichte erhalten möchten und für die beides – biblischer Text und Kargers ‚Kindskopf‘ – zum Resonanzraum für eigene lebensgeschichtliche Erfahrungen werden kann.“[4]

Religion heute bscheinigt am Kindskopf „eine deutsch-bayerische Vergangenheitsanmutung, (die) nie so tut, als wäre da etwas zu ‚bewältigen‘“, dodriaba hinaus steijt de Fochzeitschrift fia Religionspädagogn fest, dass da Autor „neben der kenntnisreich souveränen Aneignung der Vorlage hohen Einfallsreichtum und großes Sprachvermögen“ beweist unn dass ea „damit ein heftig gegen den Strich gebürstetes Stück Literatur entwickelt (hat), das weit über die Zugehörigkeit irgendeiner Glaubensgemeinschaft hinauszuweisen vermag. Und das ist schon wirklich außergewöhnlich.“[9]

Woijwollnd spricht aa as ned-kiachliche Luxemburger Tageblatt dodabei vo a „Novelle in einem besonderen Stil“ in dem „die Gespräche respektive Auseinandersetzungen mit Gott, ohne religiöse Prätentionen“ am Text oan „sehr speziellen Charakter“ gemn.[6]

Ausgomn[VE | Weakln]

Weidane Beoabatunga[VE | Weakln]

  • Vom Autorn am 23. November 2007 im Literarischen Colloquium Berlin eiglesane unn unta Literaturport obruafbare Hörpromn.[10]
  • A weng vaändata Auszuag mim Titl Das Kind im toten Mann in Horst Bosetzky, VS Berlin (Hrsg.): Ran an’n Sarg und mitjeweent. Acht-Minuten-Geschichten. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-359-02276-3

Beleg[VE | Weakln]

  1. literaturport.de In da Vita vo Ulrich Karger unta literaturport.de wead Kindskopf – Eine Heimsuchung oijs as „persönlichste Werk“ vo eam eigstuft.
  2. 2,0 2,1 Textpromn auf boarisch sieg de Homepage-Seitn zu Kindskopf - Eine Heimsuchung - in dera Noveijn gibts gonze Dialog-Obsätz in boarisch, weil ses dodrin um oan draht, dea ons End vo da Weijt in Bayern foan muaß, domit ea endli sei Ruah hot voa dem Kindawunsch vo seina Frau.
  3. Zitate vo Klaas Huizing aufm Schutzumschlog bzw. da Rückseitn vo Kindskopf – Eine Heimsuchung, März 2002
  4. 4,0 4,1 Zitat ausm Aufsatz Auslese vo Hans Mendl in Katechetische Blätter 4/2005 (Juli 2005), S. 311. Internet-Nochweis auf S. 5 unta koesel.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.koesel.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven) (pdf-Datei) sowia unta opus-bayern.de
  5. Hiweis auf Zürcher Bibel-Zitate siag a de Beleg im Buach auf de Seite 25 unn 97. Da easchte Eischub mit de vier Jona-Buch-Kapitel 1 unn 2 findt se auf de Seitn 25 bis 27 unn de Jona-Buch-Kapitel 3 unn 4 auf de Seitn 97 bis 99.
  6. 6,0 6,1 literatour.lu (PDF-Datei; S. 39 von 40) Zitat aus da Rezension vo Marion Rockenbrod in Literatour Nr. 12 (Beilong von am Luxemburger Tageblatt) 23. April 2003
  7. Zitat aus da Rezension vo Helmut Ruppel in Berlin-Brandenburgisches Sonntagsblatt Nr. 30, 21. Juli 2002
  8. Zitat aus da Rezension vo Dr. Claudia Puschmann in Evangelische Welt – Diese Woche Nr. 23, 2. Juni 2002
  9. Zitat aus da Rezension vo Gerd Perlhuhn in Religion heute Nr. 50, Juni 2002
  10. literaturport.de Vo Ulrich Karger am 23. November 2007 im Literarischen Colloquium Berlin eiglesane Hörpromn aus Kindskopf – Eine Heimsuchung; Ofang vom 2. Kapitel S. 29 – 35 (Ogomn dodazua auf da Homepage vom Autorn)

Im Netz[VE | Weakln]