Konjunktiv

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Da Konjunktiv oda de Meglichkeitsfoam (dt. Bairischer Konjunktiv) is im Boarischn a Modus (Aussogeweis) vom Verb (Zeidwoat). De zwoa andan Modi, de wo s no gibt, san da Indikativ (Wiaklichkeitsfoam) und da Imperativ (Befejsfoam). Midm Konjunktiv wead a Meglichkeit ausdruckt.

Theoretisch gabads vaschiedane Zeidfoama vom Konjunktiv (de Tempora beziagn se af de Morphologie vo da Konjunktivbuidung). Im modeana Boarisch spuit oba nua no oane davo a grässane Roin.

Konjunktiv I[edit | edit source]

Da Konjunktiv I kimt im Boarischn nua no in a boar Redewendunga fia:[1] Ea wead vo da Gegnwoartsfoam buidt und druckt an Wunsch aus.

  • Vagejdsgod oda Gejdsgod (dt. Vergelte es Gott)
  • Gsengsgod (dt. Segne es Gott, de Antwoat af "Vagejdsgod")
  • Godseidang (dt. Gott sei Dank)
  • Griasdegod (dt. Gott grüße dich)
  • Pfiadegod (dt. Gott behüte dich)
  • Hejfgod (dt. Helfe Gott)

Sunstan stähd im Boarischn da Indikativ.

  • Mei Schwesta schreibt, es gähd ia guad.

Konjunktiv II[edit | edit source]

Da Konjunktiv II is im Boarischn am lebendigstn.

Wiar a buidt wead[edit | edit source]

Vom Konjunktiv II gibts Gegnwoart und Vagangaheit:

Bei da Gegnwoartsfoam gibts drei Meglichkeitn, wia da Konjunktiv buidt wean ko: Mid ana stoarkn Verbfoam, mid ana schwochn Verbfoam und da Endung -ad, mid ana Umschreibung mid dad. De stoarkn und de schwochn Verbfoama keman vo da Foam vom Praeteritum. Se wean imma wenga.[1] De Vagangaheitsfoam wead mid Huifsverben buidt (häd/waar - hätte/wäre):

Wos a ausdruckt[edit | edit source]

De Owendung umfosst a broads Spektrum an Meglichkeitn.

Heflichkeit[edit | edit source]

Spuit im Boarischn a bsundas wichtige Roin.[2]

  • Deaffad I was frogn?
  • I waar(ad) etz do! („Da bin ich, wenn es Ihnen/Dir recht wäre. Wenn nicht, könnte ich auch ruhig wieder gehen …“)[3]
  • I waar(ad) soweit! (Kannt moana: „Ich bin längst abreisefertig, und Du, mein Schatz, Du stehst schon seit zweieinhalb Stunden vor dem Spiegel und wirst nicht fertig. Wir müssen aber schleunigst weg, denn sonst ist das Theater vorbei, ehe wir überhaupt dort angekommen sind. Im Übrigen verliere ich schön langsam meine Nerven, wenn Du nicht endlich aus dem Bad kommst.“[3])
  • As Essn warad fiate! (Beispuisweis a gneavte Muada, de wo draf woadt, dass de Famij zum Essn odanzt.)
  • Des kannt ma scho mocha! (A hefliche Obsog, wen ma wos ned mocha wui.)
  • Kannts es as Fenster aufmocha?

Affoadarung[edit | edit source]

  • Daan Se a wengal zammrugga?

Ungwissheit[edit | edit source]

  • I moanad scho.
  • Do miassad I liang.

Ealedigung[edit | edit source]

  • Des hädma.
  • Des waar(ad) gscheng.

Bedingung (Gegnwoart und Vagangaheit)[edit | edit source]

  • Wen I kunnt, dad I heit afd Wiesn geh.
  • Do ghearad I midm Biaschlegl kampet.
  • Wen I a Zeit ghobt häd, war I afd Wiesn ganga.
  • Do häd I midm Biaschlegl kampet gheard.

Wunsch (Gegnwoart und Vagangaheit)[edit | edit source]

  • Wen de 60a do etzad endle a Toa schiassadn!
  • Wen I blos reich waarad!
  • Wen de 60a do no a Toa gschossn häddn!
  • Wen I blos reich gwen waar!

Indirekte Redn (Gegnwoart und Vagangaheit)[edit | edit source]

  • Ea sogt, ea waarad krank und kannt net kemma.
  • Ea sogt, ea waarad krank gwen und häd net kemma kenna.

Literatua[edit | edit source]

  • Ludwig Merkle: Bairische Grammatik, Allitera Valog, Minga, 2005. ISBN 3-86520-078-8
  • Karl Weinhold: Bairische Grammatik, Berlin 1867

Im Netz[edit | edit source]

Beleg[edit | edit source]

  1. 1,0 1,1 Ludwig Merkle: Bairische Grammatik
  2. Bruno Jonas: So, i waar jetzt do! (DIE WELT)
  3. 3,0 3,1 Möglich wäre alles: Der Konjunktiv der Höflichkeit (focus.de)