Tirolarisch
Tirolarisch, aa Tirolerisch oda Tiroiarisch nennt ma de obadeitschn Dialekte, wo in Tirol gredd wean. An grossn Tei davo mochts Sidboarische aus. Es gibt owa a Gebiete vo Tirol, wo alemannisch gredd wead oda aa sid-middlboarische Iwagangsdialekte.
Es foit af, dass in Tirol koa germanisch-romanische Mischsproch gibt, so wiar mange slowenische Dialekte in Karntn. Ibaroi do wo deitsch gredd wead, is a reins Boarisch. Romanische Struktuan san ned z findn.[1]
S Etztolarische is vom Lautstand hea so oidadiamli, dass Ehndlichkeitn zun Alemanischn wornembor san. Zweng iara Bsundaheit is de Sproch vo da UNESCO ois Immaterejs Kuituaeabe in Esterreich auszeichnet worn.
In Nordtirol gibts an grossn Untaschied zwischa em Untaland und em Obaland. Tei vom Untaland, bsundas de Beziake Kufstoa und Kitzbiche und s Achnseegebiet, zoagn mit da Aussproch fest und du bist Ibagangsmeakmoi zan Middlboarischn, im Obaland gibts a poar alemannische Einfliss. A werd do s'"e" oft zum "a", zum Beispui, aus "Telfs" werd "Talfs" oder aus "merken" wert "marke". An eigntimlicha Dialekt is da Imschta. Do wern oft de Konsonanten wegga glossn, wia ba "Steere"(Sterne) oder "weere"(wern).
Dees Pustatoiarische, wo Sidtirol und Osttirol vabindd, hod a Charaktaristik, de wo ans Oidhochdeitsche eainnad und in koan andan sidboarischn Dialekt so z findn is.[1]
Inhoitsvazeichnis |
[drå werkln] Charakteristik
Charaktaristisch fir de Tirola Dialekte is de Aussproch fescht, du bisch(t). Gmoasame Meakmoi vom Sidboarischn, im Untaschied zum Middlboarischn san no:
- Untascheidung vo Schwoch- und Stoarklautn, wia in Doch neben Dog, oids k ist lautvaschobm zu kch, wia in kchlea (Klee);
- Fejande r- und l-Vokalisiarung, wia in Hols und i will;
- Eahoit vo da Vorsuibm ge-, wia in getrunkchn;
- Eahoit vom Sejbstlaut in Artikln.
- st wead zu scht (Bsp. Gestan → Geschtern, lustig → luschtig)
De Meakmoi tretn oba ned imma af und san zan Tei im Schwindn.
[drå werkln] Wortschotz
De foigande Tabejn zoagt a poar Beispui mit an grobm Ibablick iba de geografische Vateijung. De Wiaklichkeit is a.
| Nordtirol Untaland | Oschttirol | Puschtatoi | Nordtirol Zentrum | Eisocktoi, Sarntoi | Etschtoi (Reschn-Salurn) | Nordtirol Obaland | hochdeitsch |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| jetz; jezat, iatz (Zillrtoi) | hetz, hietz | iatz | iĕz (o), iaz (u), iazĕrt | etzt | jetzt | ||
| Püe, Pue, Püewe | Püe, Puĕ, Bü, Büa | Pui | Puĕ | Pua | Biable, Bua | Bub, Junge | |
| Tiandl, Tial | Gitsche (S), Diandle (N) | Gitsche | Maadl | Gitsche, Maadl | Maadl, Gitsch | Maadlĕ, Maadli, Maadl | Mädchen |
| Nagal, Nogal (Zill.) | Naggile, Nagile | Naagele | Naagala (u), Naagele (o) | Näglein, Nelke | |||
| dort; döcht (Zillrtål) | sem | sem | dert | selm, dert (SO), zelm (Sarntål) | zemm (Meran), zem, zebm, zelm, selm, dert | dert, då, dett (Pitztål) | (sie ist) dort (gewesen) |
| senn;henn, sain (Zillrtål) | sein | san | sain | sain | sain | sind | |
| Arschgitzl | Döräpfl, Naunitzn | Dornäpfl | Häglputzn | Hetschepetsch (u), Dornäpfl | Hejtschapejtsch (u), Hetschepetsch, Pfroslen (o) | Pfroslen | Hagebutten |
| nit; net (Zillertål) | et, it, ite | et, net, nix (Ahrntål) | nit, net | net, et | nejt, et, it (o), nit | it, nuicht | (das habe ich) nicht (gesagt) |
| öchn, ochn, öchi | öhin, öhen | ogn | obi | oidn | oi, oidn, ui | oa, öchn | hinunter |
| huni, hüni | hüni, huni | onne | hobi | honni | honi, houni (u), ouni, honni | honni, hobi | (Das) habe (ich gemeint.) |
| in da Fria; zmoagescht (Zillertal) | z'Morgischt, in da Frü, Früa | in do Friĕ | in dr Fria | in dr Fria (u), z’Morget (o) | in da Fria, z'Maatern (oaberes Gricht) | morgens |
Obkiazunga in da Tabejn:
- (o): Obalauf van Toi
- (u): Untalauf van Toi
- (N): Nordn, emso de andan Windgegendn (Himmlsrichtungen)
- (SO): Sidost
[drå werkln] Vaschiedne sprochliche Elemente
De Tabejn zoagt an grobm Ibablick iba de geografischn Untaschied van a poar Sprochelemente. In da letztn Spoitn is as untasuachte Element ogebm.
| Nordtirol Untaland | Osttirol | Puschtatoil | Nordtirol Zentrum | Eisocktoi, Sarntoi | Etschtoi (Reschn-Salurn) | Nordtirol Obaland | Element |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Foodn | Fodn, Foĕdĕ | Foodn; Foudn (Ahrntal) | Foodn | Foodn, Foudn (S) | Foodn, Fodn, Foudn | Foudĕ, Foodĕ, Foodn | a (Faden) |
| geã, , giã, gẽẽ | giian, gii, giin | giĕn, gian | giĕn, gian, geã | giĕn, gian | gean, geã, giã, gian, giĕn, giĕ (Ultental) | geen | e (gehen) |
| roat | rööt, röat | roat | roat | roat | o (rot) | ||
| guat, guad | güt, güat | guit | guat | guat, guĕt | güet (Ötztål) | u (gut) | |
| Raach | Raach | Raach | Raach | Rööch (Ötztål) | au (Rauch) | ||
| Stoã, Stuã; Stuan, Stuen, Stoan (Zillrtål) | Stoan, Stooan, Staan, Stoon | Staan, Stoan; Stoa (Ahrntal) | Stoan (u), Stoon (o) | Stuan (o), Stoan, Stoã, Stuã | Stuan, Stoan, Stoã, Stuã, Stuĕn | Stua/Stuan(o), Stoan(u) | ei (Stein) |
| spüün; spiiln | spiiln | spiiln | spiiln | spiiln | spiiln | l (spielen) | |
| schwochz | schworschz | schworschz, schwoschz | schworz | schworz | schworz | rz (schwarz) | |
| Paam, Paame | Pame | Paame, Paamĕ | Paame; Paama (Klausen, Kastelruth) | Paam | Paam | Paam (o), Pejm (Etztal-Talfs/Telfs), Boam(Imscht) | Éndung –e (Bäume) |
| schwimma | schwimmen, schwimm | schwimm | schwimmen | schwimmen | schwimmen, schwimen | schwimma | Éndung –en (schwimmen) |
| fest, fescht | feascht | fescht | fescht | fescht, fejscht | st (fest) | ||
| geweesn | giwejsn, giwäsn, gwéisn | giwäsn, giwädddn | gwejsn, gweesn | geweedn, giwejdn, gwejsn, gwésn | gweesn, gweest (o), gwedn, gwejsn | gewejse, gwest, gewesn (Ötztål), gwet | ge- (gewesen) |
| getun, tũ | gitoun, getun, getün | gitun | getuun | getuun, getũũn | toun, getoon, getoun, getaũ | toun, getoũ, getoo, getoon | ge- (getan) |
| Fögal, Fogal | Fögl | Feggile | Fégele | Fejgala, Fejgele, Fégele | Feigle | -lein (Vöglein) |
[drå werkln] Regionale Spezialitetn
[drå werkln] Obaland
Im Sidn und Ostn und im Zentrum vo Nordtirol hoassts olm/ojm (Oim, Bergwoad) oda wiesn (Wiese), im Westn dagegn olpe und wiese, wo af a Ibagangsgebiet zum Alemannischen hizoagt; weida im Westn vaschwindd aa as -e (alp, wīs). Weidare Kennzeichn vom Obaland san gsejt stott gsogt und it stott nit (ned).
A Beispui fir a typisch alemannische Rednsort im Obaland is: I gea iatz ga schwimma (I geh etz schwimma) im sunstign Tirol hoassts I gea iatz schwimmen. Im alemannischn Vorarlberg sogns: Etzt gang i ga schwimma.
Im Obainntoi gibts de Vakloanarungsforma auf -le, -ele und -eli, im sunstign Inntoi werd dagegn a -l oghengt. De Lautgruppm ums kurze el wern im Obaland zum al (Welt – Walt oda Geld – Galt).
[drå werkln] Tirola Zentrum
Ois Zentrum vo Tirol guit natiali des Gebiet in und um Innschbruck. Im Großraum Innschbruck werd a Ausgleichsdialekt gredt, dea wo olle typisch Tirolarischn Meakmoi hod. Dea Dialekt werd ois "Standardtirolarisch" ogsegn. Duach de Inschbrucka Stodflucht dehnt si dea Dialekt aa imma weida aus. Typisch fir de Region is as sehr hort ausgsprochane k.
[drå werkln] Untaland
Tei vom Untaland, bsundas de Beziak Kufstoa und Kitzbiche und s Achnseegebiet, zoagn Ibagangsmeakmoi zan Middlboarischn, beispuisweis de Aussproch vo fest und du bist.
Im Zillatoi gibt Bsundaheitn, wia z.B. stott "senn", wo "san" hoasst, "henn" zan sogn. Beispuisweis: "Oftan henn mia hoam gongen." hoasst "Nacha san mia hoam ganga." oda stott "nacha" weand "aft" oda "aftan" gsogt so wiar aa im Ötztoi.
S Untaland kennt a de doppete Vaneinung.
[drå werkln] Aussafern
Daduach dass a Tei vom Aussafern iba Joarhundate zan schwobschn Bistum Augschburg gheat hod, hom si do aaa schwobisch-alemannische Dialektvariantn dahoidn; vor oim um Vils, Reutte und im Tannheima Toi. Do valafft aa de schwobisch-boarische Sprochgrenz. Des zoagt si z.B. an Dag, Wasser stott Dog, Wossa und dät stott dat (dadat). Gonz eigen sein oa bstimmte Werter wia z.B. "Knottel" fir Bua.
As obare Lechtoi und s Lermoosa Beckn san steaka duach an Obainntola Dialekt beeinflusst. Im oban Lechtoi dagegn mocht si da alemannisch-vorarlbergarische Einfluss bemerkbor.
[drå werkln] Sidtirol
In Sidtirol hom ebba 70% Boarisch ois Muadasproch. A großa Tei davo nutzt haifi an boarischn Dialekt, oba nur säitn schriftle. Ausgnumma davo san Mundortdichta und junge Leit fias SMS schreibm. Da Sidtirola Dialekt is oba koa eigna Zweig vom Tirola Dialekt, sondan is a Kontinuum mit vui vaschiednan Variantn, de wo nohtlos noch Nord- und Osttirol iba genga.De Reibelaute f und s wern in Sidtirol schwächa ausgsprochn ois in Nordtirol, z. B. kafn bzw. kaffn und hoaßn bzw. hoassn (heißen). Laut J. Schatz kimmt da gg-Laut zwor in ganz Tirol vor, oba nur in Sidtirol aa ois Olaut; ea heat si o wia c im franzesischen „cognac“.
Im Sidtirolarischn gibts vui lokale Variantn. De ko ma gressan Dialektgruppm zuaordna, de wo oft nach Tälern und Obschnittn vo Tälern ghoaßt wern (z. B. Pustrerisch, Vinschgerisch, Sarnerisch, Unterlandlerisch …). A Einteilung in drei Dialektgruppm (Ostn, Zentrum, Westn) hod aa a gwisse Berechtigung, exakte Grenzn ko ma oba ned ziagn.
Im Sidtirola Untaland foit de Dehnung vo de Vokale bsundas auf; bei kejmen (kema) is de Läng vom Vokal gleich wia be nejmen (nema).
[drå werkln] Osttirol
Da Dialekt vom Pustatoi hod vui gmoasam mit Sidtirol, weida im Ostn bzw. im Einzugsgebiet vo da Isl is manges andas. Doa hoassts ned Pui (Bua) wia im Pustatoi, sondan Püe (langs ü) oda Pue; an Steje vo fogun und scham (vagunna und schama) sogt ma fogunen und schomen; Staan (Stoa) wead zu am nasaln Stoan. De Adverbien affe, eine und obe hoassn do aufn, aini, öhin, und nd augn, inne, ogn wia ba de Nochban im Westn. Im Untaschied za vuin andan Tirolan vokalisian vui Osttirola s „r“: Joa, wean, toia (Joar, wern, teia).
[drå werkln] Kloaraimige Untaschiede
Mange Kloaregiona zoagn de Buidung vo ö und ü Vokaln, wie ebba geköfet, höech, guet im Ötztoi oda Cöca Cöla im Zillatoi.
A Bsundaheit is a da Naudara Dialekt. Ea is mitm Dialekt vom oban Vinschgau eng vawandt, dea wo duach de Eindeitschung vo da Sproch vo de dort osessign Rätoromanen im 17. Joarhundat entstandn is. De Naudara Mundoart orieniat si am Innschbrucka Dialekt, hod oba an raetoromanischen Akzent bhoidn. So hoassts beispuisweis im Innschbrucka Dialekt I bin no nit hoam gongen, weil i die Schoof no nit gschehrt hob, im Obaland I bin nou it huam gonga, weil i 'd Schoof nou it gschoara hunn, in Naudas I bin no nuicht hoam gongen, weil i die Schouf nou nit gschourn hob (af Middlboarisch: „I bin no ned hoam ganga, wei i d Schof no ned gscheat hob“). Dazua gibts in Naudas und im oban Vinschgau koan Akkusativ: ma sogt z. B. stott I honn di gern (I hob di gean) in Nauders I hob dir gern (I hob dia gean).
[drå werkln] Grenznohe Regiona
De Tirola Dialekt hom a an Einfluss af grenznohe Regiona, wia zan Beispui:
- s schweizarische Samnaun, wo de ogstammte Rätoromanische Sproche zugunsten vom Tirolarischn vadrängt worn is
- s Werdenfelsa Land um Garmisch-Partakurch und s sidliche bayerische Inntoi
- de Karntna Gebiete, wo an Osttirol ogrenzn, vom Sidboarischn
[drå werkln] Schaug aa
- Sidboarisch
- Karntnarisch
- Etztolarisch
- Göttscheabarisch (Gottscheerisch, engl. Granish)
- Hutterisch
- Keapa vom Menschn in de Dialekte vo Tirol
- Sidtirola Wortschotz zun Weinpau
[drå werkln] Biacha
- Karl Kurt Klein, L. E. Schmitt (Hrsg.): Tirolischer Sprachatlas, bearb. vom Egon Kühebacher, Tyrolia Verlag, Innschbruck.
- Johann Baptist Schöpf, Anton J. Hofer: Tirolisches Idiotikon, Innschbruck: Wagner 1866, (Voistendige Osicht in da Google Buachsuach)
- Wörterbuch der Tiroler Mundarten; Josef Schatz; Schlern-Schriften Nr. 119-120; 1955 / 56
- Zillertaler Wörterbuch; Wolfgang Ingenhaeff, Martin Reiter; Berenkamp, Schwaz 1992
- Passeirer Wörterbuch; Harald Haller, Franz Lanthaler; verlag.Passeier, 2004
- Wortschatz und Lautgebung der Innsbrucker Stadtmundart im Wandel dreier Generationen; Josefine Benigni; Schlern-Schriften Nr. 261; 1971
- Heidemaria Abfalterer: Der Südtiroler Sonderwortschatz aus plurizentrischer Sicht, (Band 72 von Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft: Germanistische Reihe), Innsbruck University Press, 2007, ISBN 3-901064-35-4
- Arnulf Pichler-Stainern: Südbairisch. Valog Johannes Heyn, Klognfuat (2008) ISBN 978-37084-09292-5
[drå werkln] Im Netz
- Oschpele - das Südtiroler Dialekt-Wörterbuch
- Gedichtlen va Tirola Autorn (hauptsächli ausm sidmittlboarischn Raum um Kitzbiche)
[drå werkln] Beleg
- Schau aa: de.wikipedia.org Dialekte in Tirol