Frau Holle

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De germanische Geddin Frija am Spinnradl
De Frija und iare Deandln

Frau Holle is a Meachn vo de Briada Grimm und a Sogngstoit aus da germanischn und slawischn Mythologie. Bekannt is s im Boarischn aa ois Frau Percht, Perchta und Bertha bzw. Hertha. De Gstoit is aus da germanischen Geddin Frija fiara ganga, de wo unta andam de Beinama Holda/Hulda (de Huidvolle) und Perchta (de Glenzade) ghobt hod.[1]

De Frija is de wichtigste Geddin in da germanischn Mythologie und de Frau vom Wodan, de himmlische Muada. Duachs aufkemade Kristndum is da Hauptnam vo da Geddin vadrengt und zua Tarnung duach iare Beinama dasezzt woan. So is s zua Frau Holle worn. Da Nam "Holle" kimmt vo ohb. "hold" (zuagnoagt) und moant oiso "de Zuagnoagte", de wo huidvoi is und an guad gsinnt is. De Muadagodheit Frija muaß vo da Geddin Freya untaschiedn wean, de wo da remischn Venus entspricht. Es gibt owa an Haufa Iwaschneidunga.

Im Meachn gähts um zwoa haifige Grundmotive: guads/schlechts Deandl (Gschwistakonflikt) und echte Muada/Stiafmuada (Muadakonflikt). A weidas Motiv is: A Deandl wead zua Frau (Pubertätskonflikt). Es is a reins Weiwameachn, Manna keman iwahabts net fia.

As Meachn[VE | Weakln]

Da Inhoid[VE | Weakln]

A wundascheens, fleißigs Deandl wead vo da Stiafmuada und vo da schiachn, fain Stiafschwesta gmobbt. Zweng ana deppadn Spindl weads vo da Stiafmuada sogoa zwunga in an Brunn z hupfa.

So glangts Deandl af amoi in a andane Wejd, zwischn Eadn und Himme. Do muaß a boar Priafunga bsteh (Broud ausn Bochofn hoin, de reifn Epfe vo an Opfebaam schittln usf.) und wead nacha vo da Frau Holle aufgnumma. Bei dea Oidn gähts ia guad. Do muass s unta andam aa de Bettn ausschittln, so dass auf da Eadn schneibt. Owa iagendwann griagts Hoamwää. Aufn Hoamweg weads fleißige Deandl mit an Goidreng vo da Frau Holle belohnt und zua Goidmarie.

Aus reina Gia losst de Stiafmuada etz de schiache Stiafschwesta glei in n Brunn hupfa. In da andan Wejd muass de Giftnudl aa Priafunga mocha. De schiache Stiafschwesta foit owa imma duach, drum weads vo da Frau Holle aussegschmissn. Aufn Hoamweg weads mit an Peechreng obgstroft und zua lebnslanga Peechmarie.

Frau Holle in Briafmarkn[VE | Weakln]

Interpretationa[VE | Weakln]

De Morai vo dera Gschicht[VE | Weakln]

Wea aa olle Oidogsaufgom und Orwadn mit Liab und Hingob ausfiaht, kimmt zua Sejbstvawiaklichung, Glick und Ealeichtung. Stoarke Weiwaleid schoffa des aa ohne Manna (in Frau Holle wiakn koane Manna nit mit).[2]

Mythologisch[VE | Weakln]

Frau Holle is de Muadageddin Frija, de grouße Muada, de Geddakenigin. Se is de Geddin vom Winta, vom Wossa (Sää und Brunn), vom Spinna und Webn, vo da Gebuat und vom Doud. Se is de Woiknwossafrau, de Windsbraut, de wuide Jagarin, de weiße Frau, de Mondgeddin, de menschnfressade Hex, de Hiatarin vom Kindlbrunn, de Schicksoisgeddin. Se hod, wia olle Muadageddina, an Haufa guade und schreckliche Seitn.[3] Im Meachn is voa oim de guade Muada, de wo da Goidmarie in Weg zum Glick zoagt.

A jungs Deandl is moadsfleißig und dalebt trotzdem Ungrechtigkeit, Leid und Vazweiflung. So lang bis ins koide Wossa hupft und in ana neien, scheenan Wejd landet. A Brunn is mythologisch da Weg in de Untawejd bzw. in a andare Wejd und in an Doud. In iara Sejnroas mochts weatvolle Eafoarunga. Da Opfebaam stäht fias Paradies, fian Geddagartn, fian Wejd- und Lebnsbaam. Da Bochofn is da Muadaschoß, as Broudbocha de Gebuat. De Arwadn fia de Frau Holle stengan fia Magie bzw. Ausbuidung zua Zauwarin. Da Wedazauwa is dabei as Wichtigste. As Bettn schittln lossts schneibn, as Wäsch aufhenga lossts regna, as Suppn kochn mocht an Nebe. De Hoamkeah is de Wiedagebuat. As Goid is da Geddalohn fias neie Lebn. Fleiß wead auf lange Sicht belohnt, Faulheit bestroft. As Deandl is duach ia Roas duach de Andaswejd zua Frau im Glick worn.

Diafnpsychologisch[VE | Weakln]

De analytische Psychologie vom C. G. Jung nutzt de mythologische Symbolik fia de Therapie und Sejbstfindung. Diafnpsychologisch gseng, spuit si as ganze Meachn in am oanzign Menschen ob. De Roin wean vo innan Archtetypn in da Psyche gspuit. Goidmarie und Peechmarie symbolisian de guadn und schlechtn Seitn vo an Menschn. De Peechmarie is da oagne Schoddn, da innare Sauhund. De Frau Holle is da Archetyp vo da groußn, guadn Muada, de wo an hejfa wui. De Stiafmuada is de schreckliche Muada, de wo an vanichtn wui. Duach de Ausanandasetzung mit de Archetypen, de wo de vaschiedna Seitn vo an sejm san, ko ma si weidaentwicken und zum "ganzn" Mensch wean. Da Goidreng symbolisiat de Ealeichtung.

Psychoanalytisch[VE | Weakln]

Wia de Spindl in an Brunn foit, sticht se de Goidmarie in an Finga. Da bluadige Finga sybolisiat noch da Psychoanalyse vom Sigmund Freud de Menarche, de easchte Bluadung, da Ofang vo da Frauweadung. De Goidmarie hupft in an Brunn und voiziagt so de Trennung bzw. Emanzipation vo da bedrohlichn Muada und iwawindt so de Oralität und Depressivität.[4]

Wos in da Andaswejd gschiacht san nacha Pubertätsritn. De Epfen am Baam und as Mejcha vo da Kuah sybolisian Duttn, da Ofn de Vagina und as Broudbocha as Kinda griagn.[5] As Bettnschittln moant an Gschlechtsvakeah und da Goidreng an Orgasmus.

Literatua[VE | Weakln]

  •  Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-09817-2.
  •  Erika Timm: Frau Holle, Frau Percht und verwandte Gestalten. 160 Jahre nach Jacob Grimm aus germanistischer Sicht betrachtet. Hirzel, Stuttgart 2003, ISBN 3-7776-1230-8.
  • GardenStone: Göttin Holle. Auf der Suche nach einer germanischen Göttin; Frau Holle in Märchen, Sagen, Legenden, Gedichten, Gebräuchen und in der Mythologie; Books on Demand GmbH, Norderstedt 2006; ISBN 3-8334-4579-3. (Neiheidndum)

Deitung[VE | Weakln]

  • Hedwig von Beit: Symbolik des Märchens. Francke, Bern 1952. S. 664-678.
  • Eugen Drewermann: Lieb Schwesterlein, laß mich herein. Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet; Dtv, München 200211; ISBN 3-423-35050-4; S. 363–395.
  • Ingrid Riedel: Wie aus der ungeliebten Tochter eine starke Frau wird. Frau Holle. Kreuz-Verlag, 2005
  • Friedel Lenz: Bildsprache der Märchen; Verlag Freies Geistesleben und Urachhaus, Stuttgart 19978;; ISBN 3-87838-148-4; S. 184–190.
  • Ulla Wittmann: Ich Narr vergaß die Zauberdinge. Märchen als Lebenshilfe für Erwachsene; Ansata-Verlag, Interlaken 1985; ISBN 3-7157-0075-0; S. 203–213.

Im Netz[VE | Weakln]

 Commons: Perchta – Oibum mit Buidl, Videos und Audiodateien

Schau aa: Boarischa Text[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. Erika Timm: Frau Holle, Frau Percht und verwandte Gestalten
  2. Ingrid Riedel: Wie aus der ungeliebten Tochter eine starke Frau wird. Frau Holle.
  3. Bernhard Kummer: Über Frija im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens Bd. 3, Berlin 1927-1942.
  4. Berta Pixner: Märchen als Gestaltungselement in der therapeutischen Beziehung. in Imagination 1/2002
  5. Alan Dundes, Folklore matters. 1993
Des is a beriga Artike.
Dea Artike is ois berig in de Hall of Fame (Ruhmeshoin) aufgnumma worn.