Matthias Klostermayr

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Biografisches vo 1772
De Hiaslbande in Gfaungenschoft
Die Dillinger „Radbrechmaschine“ (Knochnbrecha-Maschien)

Da Matthias Klostermayr, vulgo da Boarische Hiasl (Bayerische Hiasl), laut Taufregista: Mattheus Klostermair, (* 3. Septemba 1736 z Kissing, † 6. Septemba 1771 z Dillingen an da Donau) wor a Wuidara und a Raibahaptmo und scho zu Lebzeidn a Legendn.[1]

Fia de ormen Deifi wor a a Voiksheld, a Freischitz, a boarischa Robin Hood. Fia de Obrigkeid wor a a Vabrecha.[2] Anno 1771 is a z Dillingen af greisliche Oart, duach Rädan und Viatein, higricht worn.

Zwoahundatfuchzg Joa is da Boarische Hiasl im Voik lebendi und es is koa End in Sicht, wia de Hiasl-Erlebniswelt (2006, moderns Museum, vo da EU mitfinanziat) z Kissing zoagt. Des muass an Grund hom. Manche Bayern megn hoid oan, dea aufmuggt gegn de Großkopfadn, gegn de Obrigkeit, dea stoarrkepfig is, dea a Schneid hod und - deas so richtig krocha losst.[3]

Lebn und Steabm[VE | Weakln]

Jugend[VE | Weakln]

Am 3. Septemba 1736 is da Matthäus Klostermayr, aa Brentanhiasl, z Kissing bei Augschburg im Haisl zum Brentan zur Wäid kemma. Brentano woa a italienischa Schnitza, der friacha in dem Haisl gwohnt hod. Da Hiasl wor s äiteste vo via Kindern. Sein Vadda woa Gmoa-Hiat und Huifsorwata. Mitn Jaga Wörsching woa a befreindet und is mid eam efta af de Jogd mitganga, er hod oba nia gwuidat. Da Hiasl hod schon ois Kind de Jagagschichtn gean ghead. Scho mit 11 Johr (1747) hod da Hiasl de Schui valossn miassn, oba des wor bei dena oarmen Leid domois so. Ea hod am Vadda beim Hiatn ghoifn und af'm Gut Mergenthau bei dena Jesuiten. Da Gutsjaga Wörsching hod den Buam oft zur Jogd mitgnumma. 1751 hod da Hiasl sein erschtn Hiaschn gwuidert, hod oba seim Vadda vasprochn, des nimma z doa. 1752 is sei Muadda gschdorm. 1753 is ea im Gut Mergenthau ois Jagaghuif ongstäit woan und hod do guads Gäid kriagt. Wegn seim freindlichn und aufgweggtn Wesn wor ea bei dena Jesuiten sehr beliabt. 1756 is ea vo de Jesuiten entlossn worn. A hormloser Foschingsscherz wor de Ursoch. Ea hod'n Pater Venantius ois Kotznmeaada vaspodt, wei dea im blindn Eifa af da Jogd stott an Hosn a Kotz daschossn ghobt od.

Wuidera und Raiba[VE | Weakln]

Nacha is da Hiasl beim Seheranserbauern Joseph Baumüller Obaknecht worn. Do hod er guade Orbat gmocht, hod oba hoamlich gwuidert. Und wia er mit dea Zeit a no a Liabschoft mit da Monika, da Tochta vom Bauern onfaungt hod, is dem Baumüller zvui wuan und es is zum Streit kemma. 1761 hod da Hiasl den Hof valossn.[4] Glei drauf hom eahm de Weaber vo da boarischn Armee festgsetzt. Da Hiasl hod si zeascht sehr kooparativ gem, is oba in da Nocht iaban Lech obghaut. Er hod si dann der Wuidara-Bande vom Grätznbuam Franz Xaver Bobinger ongschlossn, is oba glei wida weg, wei ea do zweng Anerkennung ghobt hod und hod sei eigene Bande grindt.

1765 hod de Monika Baumüller vum Hiasl a Kind kriagt, Korbinian homs eam gnennt. Glei drauf is da Klostermayr vo oan ehemoilign Kamerodn verrotn und zu 9 Monatn Gfängnis vaurteit worn. Wieda in Freiheit, hod er si iatzt imma efta mid dea Stootsmocht, mit Jagan und Soidotn onglegt. 1766 hod ea an Müller den Fonghung obgnumma - Tyras, a sea großn Hund, dea zum Fiachtn gwen sei muass und dea sei ständiga Begleita worn is. Vo Oidbaiern iba Augschburg bis ins boarische Schwobnlaund hod sei Revier greicht. Um de Vafolgung zu erschwean, is des Revier olle poa Wochn gwechslt worn, wos de Bekanntheit vom Hiasl proteschiert hod.

1767 hett da Hiasl no amoi a Gelegenheit ghobt, an rechtschoffanen Weg einzschlogn. Sei Vetta, Dominikus Geyer, a kuafiasschtlicha Leiborzt, woit eam an Postn ois Jaga vaschoffn. Da Hiasl woid si scho vo dea Bande vaobschiedn, is oba vo seine Kamarodn umgestimmt woan - si hobn eam bei da Wuidera-Ehre pockt und ea hod weidagmocht. Ois dann sei treia Spezl Andreas Mayr, da „Bua“, vo de Jaga aus Türkheim festgnumma worn is, is da Hiasl imma rabiata aftretn und 1768 hod a Mensch deswegn steam miassn. Ois Reibahauptmann hod dea Hiasl zua bestn Zeit 30 Berschn ghobt, de oba imma vo Region zu Region gwechslt hom, iatzt sans imma wenga wuan. Am 14. Septemba 1769 hod de Hiasl-Bande den Korporal Denklinger gfangen gnumma und togs drauf hod da Hiasl im Roggenburger Wirtshaus damit droht, an Reichsprälaten zum daschiassn. Iatzt hod de Ständeversammlung in Augsburg zum eascht moi reagiat und beschlossn, zsamman Front gegn de Hiasl-Bande z'macha.

s End[VE | Weakln]

Anno 1770 is a ganze Kompanie Soidotn und Jaga gengan Hiasl und sei Bande ausgruckt. De Fiarung vo de Soidotn hod da Premiereleitnant Schedel ghobt. Onfang 1771 is da Hiasl nacha vo ana Wiatsdochda varrodn worn. Er und 9 vo seine Berschn san nacha im Gosthof Post z Osterzej noch an via stindign Feiagfecht vahofdd worn. Dabei hods 5 Dode gebm, davo zwoa Wuidara.

An Hiasl und seina Bande san iwa 50 Stroftotn vorgwoafn worn (inkl. Raub, Eapressung und Dodschlog). Via vo seine Kamerodn, darunta a da „Bua“, is mit Huif vo Studentn aus Dillingen im letztn Moment de Flucht au'm Gfengnis glickt. Im Prozess in Dillingen wor da Klostermayr imma ganz ruhig und gelossn, hod nix obgstrittn, hod si oba fia ois grechtfertigt. Sei Glossnheit im Ogsicht vom Dod und sei Unbeigsamkeit hod vuin Leidln imponiat.

1771 is da Boarische Hiasl mit nua 35 Joa z Dillingen an da Donaubruckn auf greisliche Oat duach Rädan und Viatein hngricht worn. „Als ihm alle Gebeine gebrochen waren, ward der Cörper unter die Bühne gebracht, wo ihm der Kopf abgehauen und der Rumpf in vier Stücke zertheilet wurde.“[5]

De letztn Worte vom Hiasl (ruhig und lakonisch an de Zuaschaua vo da Hirichtung): „In fuffz´g Jahr seids ees aa hi. Und da Kurfiascht aa!“[6]

Umständ und Charakta[VE | Weakln]

In dera Zeit[VE | Weakln]

Im 18. Jahrhundert wor no de Zeit vum Absolutismus in da Politik. Des Elend dea oanfochn Leit hod de Obaschicht ned interessiat. De Prochtentfoitung vom Adel und vo da Kira woa riesngross, de Wuikia oft aa. In dera Zeit san oba aa neiche Ideen entstandn, Ideen vo Demokratie und Freiheit. Da Boarische Hiasl hod de Schneid ghobt, dena Exzessn vo da Obrigkeit Entgegnztretn. Es wor oba a de Zeit vo de großn Klassika. Goethe, Schiller, Mozart und Beethoven worn Zeitgnossn vom Boarischen Hiasl und hom sicha vo eam gheat ghobt. Da Schiller hod an Hiasl jo a in de Räuber ois Karl Moor vaewigt.[7]

Duach ibatriebane Wuidhege, de wo duachn Adel forsiat worn is, hods zvui Wuid gebm, wo dena Bauan gschod hod. De Wuidara worn deshoib im Voik sea beliabt. Jogd wor noch Osicht vo de Herrschendn „Herrenrecht“. Fia Leid wian Hiasl wors Wuid oba Gmoaguad. De Herrschendn hom des ois Ogriff af de herrschende Ordnung gsegn.

Charakta[VE | Weakln]

Da Boarische Hiasl hod a freindlichs, aufgweggts Wesn ghobt. Er wor ba de moastn Leidln sea beliabt, aa daduach, dass a freigebig wor und gean ollas teit hod. Er is in ganz oame Vahejtnis aufgwoxn, streng eazogn worn und hod bei dena Jesuitn a guade Ausbuidung ghobt. Deshoib wor sei Autreten weit bessa ois wia sei Heakumft. Da Hiasl hod aa imma drauf gschaut, dass a imma guad onzogn woa. Mit a wengal Glick warada a rechtschoffena, guada Jaga worn. Sei Storrkepfigkeit hod des verhindad. Mit de Joar und duach de Umständ is da Hiasl aa imma heata und brutala worn und deshoib hom si aa imma mea Leidl vo eam zruckzogn ghobt. Sei Unbeigsamkeit - trotz Foiter - im Prozess und am Tog vo da Hinrichtung hod vuin imponiad und zua Legendnbuidung beitrogn. Si hom eam oanfoch ned kloa kriagt, des wo eigentli da Sinn vom Foitan gwen is.[8]

Nochgliahn in da Voikskultur[VE | Weakln]

Dea Bayerische Hiasl lebt weida. In Liada, Legendn, Gschichtn und im Theata. Vui Wirtsheisln trogn sein Nam, Schützen- und Theatavereine, a historische Biasortn und Wanderwege.

Museum[VE | Weakln]

2006 is auf Schloss Mergenthau bei Kissing des Museum Hiasl-Erlebniswelt aufgmocht woan. A moderns Multimedia-Museum (vom Freistaat und vo da EU finanzirt). 8 aufwendige Themeninseln erzäin de Gschichten vom Boarischen Hiasl. Dioramen, Comix, Projektionen, Heaspui und Videos zoagn de Stationen vom Hiasl Lebn.

Gschichtn[VE | Weakln]

  • Fried. Wilh. Bruckbräu: Der bayerische Hiesel, Wildschützen- und Räuberhauptmann, landesverrufener Erzbösewicht. Ein deutsches Volkslesebuch mit Holzschnittbildern (Roman). München, 1834[9]
  • Michael Pröttel: Es spukt in Oberbayern. 25 geheimnisvolle Sagen zwischen Donau und Alpenrand. München, 2007 (Hiasl, S. 32 ff); ISBN 978-3-7658-4174-3

Theaterstickln[VE | Weakln]

Dea Boarische Hiasl woa des Voabuid fia den gerechtn Reibahauptmann Karl Moor in Friedrich Schillers Räuber und fia vui Voiksstickln.

  • Anne Faber, HIAS – Ein Volksheld. Ein Wilderer-Musical über Matthias Klostermaier. Musik von Johannes Faber (oide Melodien in Jazz-Funk Mantl)[10]. UA: München, Staatstheater am Gärtnerplatz, 1999 Neuinszenierung: München, Kleine Komödie am Max II, Juli 2003
  • Herbert Walter, Der Bayrische Hiasl oder Die Reise nach Amerika. UA: Stadttheater Landsberg, 2006
  • Hannes Rupprecht, Der bairische Hiasl. UA: Laienspielschar Windischeschenbach, 2007.
  • Wilherm Köhler, Der bayerische Hiasl - Aus dem Leben des Matthias Klostermair. Ein Volksstück nach einer Erzählung von Dr. Hermann v. Schmid. UA: Freilichttheater am Sisi-Schloß, Theaterfreunde Wittelsbach 2007

Musi[VE | Weakln]

Zu Lebzeitn vom Hiasl is scho a Voiksliad entstandn (1763), des heit no gsungen wiad. Späda san no mehr dazuakemma, oba des des Liad vom Boarisch Hiasl is des bekannteste bliebn und des gibts in vuin Variantn von Polka bis Rock.

  • Biermösl Blosn zsamm mit de „Toten Hosen“: Da boarisch Hiasl (1994)
  • Tegernseer Zwoagsang: Da Boarische Hiasl (1990). Traditionelle Volksmusi
  • Weißwurscht Massaker Bande: Boarisch Hiasl (2008). Folk-Metal-Punkmusi
  • Schellenberger Musikanten (2008). I Bin Der Boarisch Hiasl. (Album Maxi Boarisch)

Hiasl Liad[VE | Weakln]

I bin da boarisch Hiasl
koa Kugl geht mar ei
drum fürcht i koan Jaga
und sollts da Teifi sei

Im Wald drauß is mei Hoamat
Im Wald drauß is mei Lebn
Da schiali i Reh und Hirschal
Und Wildschwein a daneben.

Was soll i mi a fürchtn
mei Kugel trifft ja guat
und wenn die Streifn kemma
des sagt ma z'erscht mei Gmüat

Und wenns mi a umringa
de dumma Esiköpf
sehgns mi, den boarisch Hiasl
so lafas glei, de Tropf.

Und tuan mi d'Feind vafoign
und lassn mia koa Ruh
knag l halt oan in d'Finga
so muaß ers büaßn gnua.

A himmilanga Jaga
hat droht, er hängt mi auf
üawei is umkehrt ganga
wia ölt im Lebnslauf.

Im Wald san mir zammenkemma
des hat koa Mensch net denkt
beim Schöpf hab i eahm genomma
und schnell am Baum naufghängt.

I bin der Fürst der Wälder
und koana is mir gleich
so weit der Himmi blau ist
so weit geht a mei Reich.

Das Wild auf weiter Erde
is freies Eigentum,
drum laß i mi net hindern,
denn wers net schiaßt, war dumm.

Es gibt koa schönres Lebn
wia i führ auf da Welt
da Bauern gebn ma z'essn
wnd wenn is brauch, a Geld.

Drum tua i d'Felder schützen
mit meine tapfren Leut
und wo i a nur hikimm
o Gott, da is a Freud!

Und kommt die letzte Stunde
und schliaß i d'Augen zua
Soldaten, Scheren und Jaga,
erst dann habts ös a Ruah.

Da wird sich's Wild vermehren
und springen kreuzwohlauf
und d'Bauern, die wer'n ruafn
„Geh, Hiasl, steh doch auf!“[11]

Beleg[VE | Weakln]

  1. J.N. Nöggler, Der Bayrische Hiesel, Reutlingen, 1867, in: Das war der Bayerische Hiasl, Hrsg. Walter Hansen, Pfahofa, 1978, S.77f
  2. Michaela Karl, Sozialrebellen in Bayern, Regensburg 2003, S.9ff
  3. Dietz-Rüdiger Moser, Sympathische Rebellen, in: geachtet & geächtet, Regnschburg, 2007, S.5f
  4. www.kissing.de/kultur/geschichtliches
  5. Festghoidn in de Grichtsaktn vo 1771, aus: Bernhard Ganter & Werner Schlierf, Vom Fressen und vom Sterben. 1992. ISBN 3-89833-119-9
  6. www.bayrische-hiasl.de/hiasl_neu
  7. Hiasl Erlebniswelt, Station 1
  8. Spiegel: Projekt Gutenberg
  9. Walter Hansen: Das war der Bayerische Hiasl: Deutschlands berühmtester Wildschütz und Räuberhauptmann. Pfaffenhofen, 1978. S.99ff
  10. Jazzzeitung, Regensburg, 2001/2
  11. Volksliederarchiv

Literadua[VE | Weakln]

  • Anonymus: Leben und Ende des Bayerischen Hiesels. Augschburg - Frankfurt - Leipzig, 1772. ISBN 3-7832-0189-6
  • Karl Kraus: Der Hias, in: Die Fackel. Jenna, 1917.
  • Fritz Meingast: Die Vogelfreien: ein Lebensbild des Bayerischen Hiasl und seiner Gefährten. Buxheim/Allgäu, 1962
  • Gerlinde Haid: Der „boarische Hiasl“ in Österreich. In: Volksmusik in Oberbayern. Festschrift Wastl Fanderl. Minga-Pasing, 1985, S. 189-199.
  • Walter Hansen: Das war der Bayerische Hiasl: Deutschlands berühmtester Wildschütz und Räuberhauptmann. Pfahofa, 1978. ISBN 3778731106
  • Karl Kraus: Der Freischütz am mittleren Lech. Gegensätze und Widersprüche rund um den Bayerischen Hiasl. In: Landsberger Geschichtsblätter 1972/87-90
  • Hans Schelle: Der Bayerische Hiasl. Lebensbild eines Volkshelden. Rosnam 1991. ISBN 3-475-52701-4
  • Gierstorfer, Wolfgang: Der Bayerische Hiasl im Brucker Land, in: Amperland. Heimatkundliche Vierteljahresschrift für die Kreise Dachau, Freising und Bruck 32 (1996), 264-268
  • Toni Drexler et al.: Im Wald da sind die Räuber: Kneißl, Hiasl & Co. Räuberromantik und Realität. Schöngeising, 2002. ISBN 3-932368-07-X

Im Netz[VE | Weakln]