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Der Flüchtling

Aus Wikipedia
Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschriem worn.
Daten
Titl: Der Flüchtling
Goddung: Volksstück mit Gesang
Originalsproch: Deutsch
Autor: Bearbeiter: Vinzenz Chiavacci, Ludwig Ganghofer
Literarische Voarlog: Der alte Mann mit der jungen Frau vom Johann Nestroy
Eascheinungsjoar: 1890
Uaauffiahrung: 24. Oktober 1890
Oat vo da Uaauffiahrung: Deutsches Volkstheater in Wean
Personen

kein Theaterzettel überliefert, siehe Nestroys Originalstück

Der Flüchtling is a Beoawatung vom Johann Nestroy sein Stückl Der alte Mann mit der jungen Frau von 1849, des wås vom Dichta net zua'r Auffüahrung freigeb'n wua'n is. De Beoawata woa'n da Vinzenz Chiavacci und da Ludwig Ganghofer, de easchte Auffüahrung håt aum 24. Oktoba 1890 im Deutschen Volkstheater in Wean ståttg'fund'n.

Zum Untaschied vom Nestroy sein Origenäu spüit des Stückl net im nachrevoluteonäa'n[1] Wean von 1850, sundan zua Zeit von da französesch'n Invaseaun[2] im Joahr 1809. De Peasaunan bleib'n dabei im groß'n und gaunz'n desöib'n, aa de zwaa neb'nanaunda g'schriebanan Haundlungan, de nua lose mitanaunda vabund'n san, wea'n ois wia beim Nestroy doag'stoit.

De Therese, de Gattin vom Gutsbesitza Anton Frankner, wiad von an französesch'n Offezia bedrängt. Da Anton, dea wo de Sittsaumkeit von seina Frau kräftich vateidicht, muass deshoib flücht'n, wiad g'faunga g'numma, kaunn owa no amoi auskumma. In Anton sei Besitz wiad enteign't, sei Frau und sei Muada wea'n davaug'jauckt. Da reiche Theodor Kern kümmat si um de zwaa hüiflos'n Frau'n und stöit de Therese ois Dienarin füa sei Gattin au, damit megliche Vafoiga täuscht wea'n. Aa den davaug'rennt'n Anton vasteckt a mit da Hüif' vom Wiat'n Holler auf ana Oim.

De Ehe vom Kern mit seina vüi jünga'n Gattin Regine is net gaunz ohne Problem': De Regine liabt zwoa'r iah'n Gatt'n, lasst si owa'r aus Laungweui und auf's Auråt'n von iahra dumman und stoiz'n Muada, da Frau Strunk, auf a G'spusi mit'n Baraun Rehfeld ei. Da Diena Gabriel varråt in Kern de G'schicht und trotz an offanan G'spräch mit seina Frau bleibt da Kern misstrauisch.

Bei'm Treff'n von da Therese und vom Anton auf da Oim, des wås da Kern arrauntschiat håt, suagt de Gräfin Steinheim, in Rehberg sei Schwesta, dafüa, dass si de Regine und iah Bruada duat'n aa begegnan. De Regine weist in Rehfeld seine Aunäharungsvasuach entschied'n z'ruck, da Kern kummt dazwisch'n und stöit den Vafüahra zua Red', owa dea zeigt se in dera Situateaun ois unhamlicha Feigling. De Therese håt des G'spusi scho laung bereut, owa wia's siacht, wia da Kern freindli mit da Therese umgeht – se håt jå ka Auhnung von dera Vasteckarei von de Flüchtling' – wiad's eifasüchtich. Owa gråd drum wiad da Kern von iahra Zuaneigung zu eahm iwazeicht. Auf de Oat wea'n olle zwaa Haundlungan zum Guat'n draht: Da Kern und de Regine find'n wieda z'saumm und da Auszug von de Franzos'n aus Wean måcht's meglich, dass da Anton wiedarum zu seina Therese z'ruckkumma kaunn, de wo inzwisch'n Muada von sein Buam wuad'n is.

Weaksg'schicht'

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Da Vinzenz Chiavacci (1847–1916) und da Ludwig Ganghofer (1855–1920) woa'n de (Wieda-)Entdecka vom Nestroy sein valua'n glaubt'n Stückl Der alte Mann mit der jungen Frau und se hau'm beschloss'n, dass as auf de Bühne bringan wea'n. A kräftiche Üwaoawatung is eahna notwendich vuakumma, weu de Zensua des Origenäu aa 1890 no imma net akzeptiat hättat. Außadem woit'n's des Weak in Richtung von an Voiksstückl mit G'saung „vabessan“ – wås eahna ziemli misslungan is – damit's daduach bessare Einauhman måch'n kennan. Mit de Eab'n vom Nestroy, de vom uasprünglich'n Stückl eb'nfois kan finanzeö'n Eafoig meah'r eawoat'n hau'm diaf'n, weu de Reg'lschutzfrist[3] woa'r ohg'rennt, hau'm's an Vatråg mit ana Gewinnbeteulichung ohg'schloss'n.[4]. Je a Dritt'l von de Einnauman soittat aun de Eabn, aun an Chiavacci und aun an Ganghofer geh'n, owa trotz dera eideutich'n Regelung hat's bei da Aufteulung beinåh an Zivüprozess geb'n.

Da Zensuabericht füa des Weak mit ana ausfüahlich'n Inhoitsaugåb' is aum 3. März 1890 von da k.k. (kaisalich und keniglich'n) Polizeidirekteaun Wean aun's k.k. Niedaöstareichische Ståtthoiterei-Präsidium ois zuaständiche Behöard'n g'schickt wua'n und håt nua weniche klane Streichungan ausg'lest.[5] Aum 16. März is daunn da eb'nfois posetive Ealåss von da Ståtthoiterei eafoigt.

Damit da Publekumseafoig sicha g'stöit wiad, is de Beoawatung net mit'n Vameak „nach Nestroy“, sundan „von Nestroy“ präsentieat wua'n. Trotzdem is des Stückl scho nåch 13 Vuastöllungan ohg'setzt wua'n, und a zweite (net sicha belegte) Inszeniarung in Linz woa'r aa ka Eafoig. Da Ganghofer håt aun ane von de Eabinnan, de Frau Stefanie Nestroy-Bene, aum 28. Dezemba 1891 g'schrieb'n:[4]

„Die Erwartungen, welche wir auf ein Geschäft mit dem Theater setzten, haben sich leider nicht erfüllt. ‚Der Flüchtling‘ wurde in Deutschland nirgends zur Aufführung angenommen. […] und so scheint es leider unabänderlich, daß mein Verleger einen sehr, sehr schweren Schaden erleiden muß – über 15.000 Mark.“[6]

Zeidungskritik

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Aum Aufaung san maunche Kritika z'weg'n dera (åbsichtlich?) unkloa'n Mitteulung davaun ausgaunga, dass es si beim Flüchtling um des Origenäu vom Nestroy haund'ln miassat, haum owa boid bemeakt, wia's wiaklich woa.[7]

Auum 25. Oktoba 1890 is a Besprechung duach'n Alexander Landesberg in da Wiener Sonn- und Montags-Zeitung (Nr. 294, S. 1 f.) easchienan, dea wo füa seine zwaa Redakteaunskolleg'n Chiavacci und Ganghofer kräftich Reklam' g'måcht håt. Gaunz geg'n de Wiaklichkeit håt a von „einem schier unglaublichen großen Erfolge“ (Zitat) g'schrieb'n und håt aussadem in da ausfüahlich'n Entstehungsg'schicht' unscheniat Dichtung und Woahheit z'saummg'mischt.

Des Illustrirte Wiener Extrablatt vom 25. Oktoba (Nr. 294, S. 5) håt si ois origenölle Idee a vom vastuabanan Nestroy peasönlich aus'n Jenseits vafåsste Kritik eifoi'n låss'n (in Nestroy sei Leichnaum woa'r aum 22. Septemba 1890 vom Ortsfriedhof Währing in sei heitich's Eahr'ngrab auf'n Weana Zenträufriedhof üwastöit wua'nn):

„Die Exhumierung steckt mir noch in allen Gliedern. […] Warum ich so viel von meiner Ausgrabung rede? Weil ich gestern wieder exhumiert worden bin, und zwar geistig exhumiert.“

Es is daunn a hamuavolle Rezenseaun üwa's Stückl kumma, då drin wiad z'wengan groß'n Publekumsaudraung vameakt, dass da Nestroy off'nboa bei seine Weana no net gaunz vagess'n is und aa de Auffüahrung und de Doastölla wea'n g'lobt.

De Deutsche Rundschau håt aum 26. Oktoba (Nr. 50, S. 7) eha kritisch g'schrieb'n:

„Die Herren Bearbeiter haben den ursprünglichen Nestroy etwas mitgenommen, indem sie seinem Zeuge einige ‚G'stanzeln‘ und Couplets anflickten.“

Des Fremdenblatt hå schware Bedenk'n dageg'n aug'möidt, es Alt-Wiener Volkstheater mit dem Stückl neu ins Leb'n ruaf'n z' woi'n, weu do des modeanare eigentli vüi bessa warat.

„Die schablonenhaften Figuren einer längst abgestorbenen und überwundenen Theaterzeit treten wieder vor uns, man belächelt, aber belacht sie nicht, und das Derbste an Scherz und Spaß muss aushelfen, um die zweifelhafte Wirkung zu verstärken.“

De humoristisch-satirische Zeidung Der junge Kikeriki håt aum 2. Novemba (X. Jg., Nr. 662, S. 4) g'schrieb'n:

„Diesmal haben sich gar zwei lebende Dichter, Ganghofer und Chiavacci, über einen todten, den Nestroy, hergemacht, und diese haben thatsächlich mehr von Nestroy gefunden, als jüngst die Exhumierungs-Commission.“

Das Vaterland und de Oesterreichische Volks-Zeitung hau'm duachwegs kritisch bis negativ auf de Neuinszeniarung reagiat, de Extrapost und de Wiener Theaterzeitung woa'n dageg'n duachaus von da Leistung von de zwaa Beoawata ziemli beeidruckt.

Spekulateaunan von vaschiedane Zeidungan nåch da Easchtauffüahrung von dem üwaoawatat'n Stückl, un Nestroy sei Origenäu warat „nåchweislich“ im Juli und August 1849 g'schrieb'n wua'n, hau'm owa genau den Nåchweis net bringa kenna.

  • Urs Helmensdorfer (Hrsg.): Johann Nestroy, Stücke 27/I. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner/Walter Obermaier/W. Edgar Yates: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Franz Deuticke Verlagsgesellschaft, Wien 1997, ISBN 3-216-30291-1.
  1. schaug bei Wiener Oktoberaufstand 1848
  2. schaug bei Fünfter_Koalitionskrieg#Hauptkriegsschauplatz
  3. de Reg'lschutzfrist is im Uahebarecht de übliche Schutzdaua von an Werk' nåch'n Tod vom Schöpfa
  4. 4,0 4,1 Vatråg und Briaf in da Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur I.N. 138.746
  5. Niederösterreichisches Landesarchiv, Signatur: Deutsches Volkstheater 1890 523/14; 36, 36a; Zensurakt 1561 H, 1890.
  6. Helmensdorfer: Johann Nestroy, Stücke 27/I. S. 152–154. (füa's gaunze Kapit'l Weaksg'schicht')
  7. Helmensdorfer: Johann Nestroy, Stücke 27/I. S. 156–177. (füa's gaunze Kapit'l Zeidungskritik)