Die Zauberreise in die Ritterzeit

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Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschrim worn.
Daten
Titl: Die Zauberreise in die Ritterzeit
Originaltitl: Die Zauberreise in die Ritterzeit oder Die Übermüthigen oder Vergangenheit und Gegenwart
Goddung: Original[1]-Zauberposse in 3 Aufzügen
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1832
Uaauffiahrung: 20. Oktober 1832
Oat vo da Uaauffiahrung: Theater an der Wien in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: Die Handlung spielt theils in einem Feenhain, theils in einer großen Stadt[2] in Saprawalts Wohnung, theils auf den Ritterburgen Eisenfels, Humpenberg, Sapprawaltburg, und Stein, theils in Wäldern und Kerckern. Das Ganze geht theils jetzt, theils ehemals vor.
Personen
  • Die Gegenwart, eine mächtige Fee
  • Die Zukunft, ihr unmündiges Kind
  • Die Vergangenheit, Mutter der Gegenwart, eine pensionierte Fee
  • Furiosus, Morosus,[3] dienstbare Geister der Fee Gegenwart
  • Die Wahrheit
  • Polycarpus Sapprawalt,[4] ein reicher Privatmann
  • Eulalie, seine Tochter
  • Simplicius Sapprawalt, sein Neffe
  • Frau von Ducatenstein, eine reiche Frau, Schwägerinn des Herrn von Sapprawalt
  • Petronella, ihre Tochter, Braut des Simplicius Sapprawalt
  • Herr von Geldsack, ein junger Particulier,[5] Eulaliens Bräutigam, Neffe der Frau von Ducatenstein
  • Fräulein Gicks
  • Herr von Scherwenzel[6]
  • Fräulein Blond
  • Fräulein Duft
  • Fräulein Spitz
  • Herr von Scharf
  • Frau von Haubenband, Wittwee
  • Fräulein Giraff
  • Franz, Bernhard, Bediente in Sapprawalts Haus
  • Ottomar von Eisenfels, ein junger Ritter
  • Brigitta von Winterschnee, seine Muhme
  • Ursula, Beschließerin[7] auf Ottomars Feste
  • Kurt, ein Knecht auf Ottomars Feste
  • ein Herold auf Ottomars Feste
  • Ritter Blasius von Humpenberg
  • Kunigunde, seine Tochter
  • Bertram, Burgvogt auf Humpenberg
  • ein Knecht des Ritter Humpenberg
  • Kuno von Doppelschwerdt
  • dessen Gemahlinn
  • Hildegardis von Tiefenstein, deren Schwester
  • Ritter Eichenwald, Kunigundens Verlobter
  • Ritter Kleeberg, dessen Freund
  • Guntram, Doppelschwerdts Leibknappe
  • Ritter Fust von Stein
  • Veit, sein Knecht
  • ein Kerckermeister
  • Ballgäste, Bediente, Genien, Nymphen, dienstbare Geister, Ritter, Vasallen, Knappen, Knechte, Geister, Vermummte, Vehmrichter, Fronen,[8] etc.

Die Zauberreise in die Ritterzeit oder Die Übermüthigen oder Vergangenheit und Gegenwart is a Original-Zauberposs'n in 3 Aufzüg vom Johann Nestroy. Des Stückl is 1832 vafåsst wua'n und håt aum 20. Oktoba sei Premiere g'håbt.

Inhoit[VE | Weakln]

In an ries'ngroß'n Briaf aun de Fee Gegenwart wea'n de Frau von Ducatenstein und da Herr von Geldsack ins Feenreich transpoatiat, wo's üwa de Spinnarei'n vom Polycarpus, vom Simplicius und von da Eulalia Sapprawalt raunz'n, de wås nua von da Vagaunganheit, von da Rittazeit, traman und de Geg'nwoat laungweulich find'n. De Fee Gegenwart vaspricht eahna, dass de drei mit da Hülf von ihra Muatta, da Fee Vergangenheit, duach a Zeitreis' kuria'n wean. Aa da Geldsack wüll dabei unbedingt mitmåch'n:

„O, ich bin ein Kerl, der Geld hat, mir ist alles tout mémme,[9] ich fürcht weder die Gegenwart noch die Vergangenheit“[10]

Bei an Ball im Haus vom Polycarpus, wo si de Spinnat'n sogoa beim Caressieren[11] laungweul'n, wea'n's duach a Zauwarei in de Rittazeit vasetzt.

De Eulalia låsst se trotz'n Protest vom Geldsack duach'n Ritter Ottomar auf sei Buag bringa, wo ea se ois Grobian zagt, dea wo de Frau'n schlecht behaund'lt und den Geldsack in'n Hungatuam schmeisst; Simplicius entfüaht de Kunigunde und wiad desweg'n vom Ritter Eichenwald vafoigt; da Polycarpus schmeisst se aun de Hildegardis aune, de wås de Schwagerin vom Ritta Doppelschwerdt is. Weu aa de Eulalia vua'n Ottomar davau g'rennt is, belåga'n olle beleidicht'n Ritta de Sapprawaltbuag und zind'n 's au. Da Polycarpus und da Simplicius wea'n vom Vehmgericht[12] eb'nfois in'n Hungatuam vabaunnt, wo's gemeinsaum mit'm Geldsack steab'n soin.[13] Wia 's duat'n daunn von da Fee Gegenwart um eahna Manung zu da Vagaunganheit g'frågt wea'n, vasicha'n's, dass' füa imma von eahnara Spinnarei kuriat san.

Polycarp und Simplicius: „Wier waren ein paar Eseln.“
Fee Gegenwart: „Seht ihr das ein?“
Polycarp und Simplicius: „Im Hungerthurm sieht man alles ein.“[14]

Reumütich kumman's zu eahnare vuabestimmt'n Ehepartna z'ruck, da Simplicius zua fügsauman Petronella (de wås ollweu nua„O ja!“ sågt) und de Eulalia zum Geldsack.

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

Weu in Nestroy sei neuches Stückl scho knåpp via Wochen nåch dera Premiere von Der konfuse Zauberer aussa kumma is, kaunn ma aunnehma, das då a länga z'ruckliegate Vuabereitung dahinta steckt. Tåtsächlich is da Text, dea daumois scho a Jahrl oid woa, bei da Zensurbehörde durch'n Direktor Carl Carl aum 8. Februar 1832 ei'g'reicht wua'n (bewüllicht is ea aum 5. April 1832 wua'n).

A direkte Vualog füa des Stückl is bishea net zum find'n g'wes'n, olladings woa'n vazauwate Zeitreis'n in dene so genaunnt'n „Besserungsstückln“ a oft vawendet's Mitt'l. A Beispül dafia is 1723, 1823, 1923. Phantastisches Zeitgemälde in 3 Aufzügen vom Carl Meisl, im Theatralischen Quodlibet, Pest und Wien 1824, VIII. Band.[15]

Des Stückl hot nua fünf Aufführunga dalebt, und zwoa vom 20. bis zum 24. Oktoba 1832, daunn is' ohg'setzt wua'n; zwaa weitare, aa ziemli erfoiglose Vuastöllungan hau'm aum 5. und 6. Juni 1836 ståttg'fund'n. Des wiad aa ois Grund dafüa g'sech'n, dass de im sölb'n Joahr 1832 vafåsste Zauwaposs'n Genius, Schuster und Marqueur vom Autor goa net füa de Bühne freigeb'n wua'n is.

Da Nestroy håt un Simplicius Sapprawalt, da Friedrich Hopp in Polycarpus Sapprawalt – ea woa füa'n kraunk'n Wenzel Scholz eig'sprunga;[16] de Roi'n von da Tochta Eulalia, bei da Premiere von da Elise Zöllner z'weg'n Stimmproblem' schlecht g'spüit, is drum åb da zweit'n Vuastöllung mit da Eleonore Condorussi besetzt wua'n.

Zeidungskritik[VE | Weakln]

In da zeitgenössisch'n Kritik is oigemein de vü zu gaache Ausfüahrung vom Thema kritisiat wua'n, de da Grund füa de schwåche Aufnauhm' g'wes'n warat. De Kritika haum offenboa glaubt, dass des Stückl innahoib von weniche Woch'n hing'fetzt wua'n is. Aa de Parodie auf's Rittatum is teuweis' missvastaund'n, teuweis' missbillicht wua'n.[17]

De easchte Rezension is aum 22. Oktoba 1832 in da Wiener Theaterzeitung und Originalblatt für Kunst, Literatur, Mode und geselliges Leben vom Adolf Bäuerle (25. Jahrgang, Nr. 211, S. 842 f.) vom Heinrich Joseph Adami g'schrieb'n wua'n:

„Die Idee, eine das abentheuerliche Leben und Treiben des Ritterthums als die glücklichste Zeit der Welt verehrende Familie durch einen Zauber mit ihren modernen Gedanken und Erfahrungen dahin zu versetzen, und durch die mancherley Widerwärtigkeiten und Bedrängnisse, die ihr in diesem ganz fremden Wirkungskreise aufstossen, wieder mit der Gegenwart zu versöhnen, ist originell und zur wirksamen dramatischen Behandlung geeignet. Die Oberflächlichkeit, womit jedoch der Verfasser dieses herrliche Sujet behandelte, konnte ungeachtet einer Menge gelungener Einzelheiten, dem Ganzen keine allseitige Theilnahme abgewinnen.“

Inhoitlich ähnlich hau'm se Der Wanderer (23. Oktober, Nr. 297) und de Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (1. November 1832, Nr. 313, S. 1055 f.) g'äußat, olladings scho zua ana Zeit, wo da Misseafoig eh scho zum sehg'n woa.

Beim zweit'n Aufführungsvasuach, vier Jahrln späta, håt wiedarum da Adami in da Theaterzeitung (7. Juli 1836, Nr. 136, S. 543) g'schrieb'n und håt seine oid'n Argument' wiedahoit, wobei ea auf de in da Zwisch'nzeit qualitativ bessa wuaranan Werk' vom Nestroys hing'wies'n und de Zauberreise ois Frühweak eig'schätzt håt:

„[…] eines der frühesten, aber auch schwächsten Erzeugnisse des seitdem durch manche bessere Arbeit beliebt gewordenen Verfassers […]“.

Ähnlich håt aa Der Sammler (12. Juli 1836, Nr. 83, S. 331) de neualiche Auffüahrung g'seh'n.

Spätare Fåchkritik[VE | Weakln]

Da Otto Rommel reiht des Stückl in de Kategorie von dene Zauwastückln ei, „in welchen Geister leitend und helfend in das Leben der Menschen eingreifen, so dass die Geisterszenen nur einen Rahmen für die Szenen aus dem realen Leben bilden“ (Zitat). Dazua zöhlt ea aa Der Feenball, Der böse Geist Lumpacivagabundus, Müller, Kohlenbrenner und Sesseltrager, Die Gleichheit der Jahre und Die Familien Zwirn, Knieriem und Leim.[18]

Literatua[VE | Weakln]

  • Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner/Walter Obermaier/W. Edgar Yates: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Jugend und Volk, Wien/ München 1999, ISBN 3-216-30344-6, S. 1–97, 197–449.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, erster Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1924.

Text[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. dea Zuasåtz Original(-Posse, o.ä.) håt daumois a Stückl bezeichn't, des wås da Autor ohne a fremde literarische Vualog g'schåffen håt
  2. gemeint ist Wien
  3. morosus = lat. vadriaßlich
  4. Sapprawalt = Ausruaf von ana Vawundarung oda Entrüstung, a Vareateaun von Sapperlot!; schau beim Franz Seraph Hügel: Der Wiener Dialekt, Wien 1873; beim Nestroy mauchmoi aa ois Fluach vawend't („Mordsaprawalt!“, „Teufelsaprawalt!“)
  5. Particulier = frz. Rentna, Penseonist; då in dem Sinn: von dene Rent'n/Zins'n von sein' Kapetäul leb'n kenna
  6. Scherwenzel = Vareateaun von eineschmeich'ln, (herum)scharwenz'ln
  7. Beschließerin = friahara Ausdruck füa a Haushoidarin
  8. Fronen = aa Frohnen g'schrieb'n, im Mitt'loita de Leibeiganan, de Hörich'n, hängt z'saumm mit'n Frondienst
  9. tout mémme = åbsichtlich phonetische Schreibweis' füa französisch: tout même chose = ollas egal, ollas des Gleiche
  10. Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. S. 17.
  11. caressieren = kokettier'n, liabkos'n – de Caress-Szenan san in ana Textvariant'n duach a Streitarei zwisch'n denen Feen Vergangenheit und Gegenwart easetzt wua'n
  12. schau noch bei Feme
  13. in ana Textvariante wiad de Eulalia gemeinsaum mit eahna in Hungatuam eine g'schmiss'n
  14. Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. S. 94.
  15. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 699.
  16. Faksimile des Theaterzettels in Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. S. 535.
  17. Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. S. 208–214.
  18. Otto Rommel: Nestroys Werke, Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908, S. XXVI.