Glück, Mißbrauch und Rückkehr

Aus Wikipedia
Wexln zua: Navigation, Suach
Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschrim worn.
Daten
Titl: Glück, Mißbrauch und Rückkehr
Originaltitl: Glück, Mißbrauch und Rückkehr oder Das Geheimniß des grauen Hauses
Goddung: Posse mit Gesang in fünf Acten
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Literarische Voarlog: „La maison blanche“, Roman von Paul de Kock
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1838
Uaauffiahrung: 10. März 1838
Oat vo da Uaauffiahrung: Theater an der Wien in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: Der 1te und der 5te Act spielen in der Residenz, der 2te, 3te und 4te in einer Gegend des Riesengebirges. – Die Zwischenzeit von einem Act zum andern fällt immer einen Monat aus
Personen
  • Blasius Rohr, Schreiber bei einem Advokaten
  • Herr von Sonnenstern, ein reicher Partikulier[1]
  • Theodor, sein Sohn
  • Bernhard Brand, dessen Freund
  • Herr Eisenkorn, Rohr's Onkel
  • Madame Berning, Putzhändlerin
  • Babett, deren Tochter
  • Rochus, Bedienter des jungen Sonnenstern
  • Marquise Polleville
  • Frau von Salting
  • Herr von Arman, Herr von Halwig, Freund des alten Sonnenstern
  • Herr von Morberg, Herr von Fernbach, Freunde des jungen Sonnenstern
  • Theres, Stubenmädchen im Hause des Herrn von Sonnenstern
  • Frau Lenerl, eine Mandolettikrämerin[2]
  • Katton, Lisette, Mädchen aus dem Putzladen der Madame Berning
  • Stock, ein Bauer im Riesengebirge
  • Eva, sein Weib
  • Steffel, Sepperl, Hansel, Michel, seine Söhne
  • Herr von Klippenbach
  • Aurora, dessen Tochter
  • Mucki, Bruder des Herrn von Klippenbach
  • Schneck, Schloßinspektor
  • Riegel, Thorwächter
  • Brigitte, dessen Tochter
  • Christian, Hausknecht
  • Buxer, ein Bauer
  • Franzel, Tonel, Hiesel, Bauernjungen
  • Friederike
  • Sabine Sichel, deren alte Magd
  • ein Hausmeister
  • ein Bedienter bei Herrn von Sonnenstern
  • ein Bedienter bei Herrn Eisenkorn
  • Herren und Damen, Schreiber, Comptoiristen, Musiker, Landleute, Bauern, Knechte, Dienerschaft

Glück, Mißbrauch und Rückkehr oder Das Geheimniß des grauen Hauses is a Posse mit Gesang in fünf Acten vom Johann Nestroy. Des Stückl is 1838 entstaund'n und aum 10. März von dem Joahr im Theater an der Wien ois „Benefiz-Åbend“ füa'n Nestroy sei Leb'nsg'fäahtin Marie Weiler zum eascht'n Moi aufg'füaht wua'n.

Inhoit[VE | Weakln]

De reich'n friachan Schuikolleg'n vom oaman Schreiwa Blasius Rohr låd'n eahm zu an vuanehman Ball ei, damit's eahm duat'n lächalich måch'n kennan. Da dummstoize Blasius meakt owa nix davau und glaubt, dass a richtiche Freind' g'fund'n hättat und füiht se von dera feinan G'söllschåft akzeptiat:

„Man scheint an meinem Umgang Geschmack zu finden, ich werde bald intimer Freund vom Hause seyn.“ (Actus 1, Scene 9)[3]

Während da Blasius' net då woa, håt da reiche Herr Eisenkorn, sei Onk'l, eahm de Schenkungsuakund'n füa'r a weatvolle Fabrik dålåss'n, im Glaub'n, dass dea bishea von eahm åbsichtli kuaz g'hoitane Neffe damit guat wiatschåft'n kau. Wia owa da Blasius des heat, vakauft a de Fabrik sofuat und legt si a Rittaguat zua. Sei Geliebte Babett, von eahm „Wawi“[4] g'hass'n, låsst a steh'n, weu's jetzt'n ois Marchandmod[5] füa eahm ois „Schlossherrn“ net staundesgemäß warat.

Auf'n Weg zu sein' Schloss leanan da Blasius und seine Begleita de geheimnisvolle Friederike kenna, de wo in da Näch'n vom bei de Leit' g'füachtat'n „Grauen Haus“ lebt. Da Theodor valiabt si sofuat und måcht ihra an Heiratsautråg. Obwoi's seine Gefühle eawidat, lehnt de Friederike oh, de Gegend zum valåss'n und mit eahm in de Residenz zum ziag'n. De Aurora, de Tochta vom bankrott'n Herrn von Klippenbach, wick'lt in Blasius uman Finga, worauf dea sei gaunzes Vamög'n füa sie und iahn Vodan vaschleidat. De Friederike is de Tochta vom Eisenkorn, dea wo's åbsichtli in dera Woideinsaumkeit aufwåchs'n lasst – no a so a eig'noatich's Eaziachungsexperement von eahm – owa söwa seah guat ausbüldt und ois Braut füa sei Neff'n Blasius vuagesech'n håt. Während de Freund des Geheimnis vom „Grauen Haus“, Eisenkorns hamlich'n Quartier, auskundschåft'n und da Theodor glaubt, dass duat'n a Neb'nbuhla wohnt – weshoib a entteischt hamfoaht – brennt des Schloss vom Blasius z'weng'n ana Exploseaun oh. De Aurora und iah Voda valåss'n den Blasius sofuat, weul dea jetzt'n mitt'llos is und sei Kutsch'n nehman's dabei aa no mit.

Blasius: „'s Schloss ist hin, d'Braut ist hin!“
Rochus: „Alles ist hin!“[6] (Actus 4, Scene 13)[7]

Da Blasius lebt vaoamt wieda in dera Residenz, nua von sein' ehemålich'n Diena Rochus untastützt. Bei da Valobungsfeia im Haus von sein Onkel treff'n olle wiedarum z'saumm, da Eisenkorn kapiat endli, dass sei Neffe a liadalicha Mensch is und kommandiat da Friederike entrüstet, dass's sofuat in Theodor heirat'n muass – wås de zwaa natüali mit greßta Freid befoig'n. Dera brav'n Babett üwaschreibt da Eisenkorn a uandliche Marie[8] und üwalasst's ihra söwa, ob's in Blasius vazeich'n tuat. Weu de Babett großmüatich eivastaund'n is, kriagt da Blasius sei „Wawi“ wiedarum z'ruck. Owa ea håt aus dera gaunz'n G'schicht aa wås g'leant:

„Schau, ich taug zu gar nichts, das hab ich schon gesehen, als zu einem Musikus, und das will ich auch bleiben.“ (Actus 5, Scene 14)[9]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

De Vualåg füa'n Nestroy sei Stückl woa da Roman „La maison blanche“[10] vom Paul de Kock. Dådrin wiad 's Schicksoi von dem Parisa Klaabüaga Monsieur Robineau beschrieb'n, dea z'weg'n ana Easchåft großkotzat wiad, sei Geliebte valåsst und an Adelstit'l daglenga mechtat, bis a schließlich wieda vaoamt und no schlechta ois vuahea dåsteht. De Hauptfigua wiad vom de Kock ois junga, bladg'fressana Mau mit an aufblåsanan G'sicht, ana Stumpfnås'n, ana niadrich'n Stian, mit dicke Lipp'n und an stoak'n blond'n Hoaschopf beschrieb'n – genau so håt si da Nestroy vom Maskenbüldna hearicht'n låss'n.[11]

Da Nestroy håt, im Geg'nsåtz zum Roman, sei Stückl ziemli guat ausgeh' låss'n, weu da arrogante, aufblåsene und dumme Blasius Rohr wiad aum End duach sei söwa vaschuid'ts Unglick zua Einsicht bråcht und füaht sei Leb'n ois lusticha Musekant weida, gaunz nåch'n G'schmack vom Weana Publekum. In Blasius sei Famüliennauman Rohr is vom Nestroy vamutli z'weg'n sein schwåch'n Charaktafestichkeit ausg'suacht wua'n, nåch dera Red'nsoat „schwankend wie ein Rohr im Wind“,[12]

Des Stückl is ans von de aum meist'n g'spüit'n vom Nestroy wua'n, da Blasius Rohr zu ana von seine bekaunntast'n Roi'n, de wo von eahm aa auf Gåstg'spüla gean geb'n wua'n is.[13]

Da Nestroy håt in Blasius Rohr, da Wenzel Scholz in Bedienten Rochus, da Ignaz Stahl in Herrn von Klippenbach, da Friedrich Hopp in Bruder Mucki, da Alois Grois in Hausmeister, da Franz Gämmerler in Theodor, de Eleonore Condorussi de Friederike und de Marie Weiler de Brigitte g'spüit.[14] Da Direkta Carl Carl håt im letzt'n Moment füa'n kraunk'n Schauspüla Würth eispringa müass'n und håt ois Eisenkorn an unhamlich groß'n Eafoig g'håbt. Drum håt a no aum Premierenåbend nåch da Vuastöllung in Publekum ausg'richt, dass a åb jetzt'n wieda söwa meah auf da Bühne stehg'n wiad, damit da „Flor seines Instituts“ bereichat wurat. Da Nestroy håt deshoib mit sein' nächst'n Stückl Der Kobold ane vom Carl so gean g'spüit'n „Staberliaden“ g'schrieb'n.

Zwaa net datiate Origenäumanuskripte aus'n Fundus vom Theater an der Wien san no vuahaund'n, se hau'm de Theata-Archivnumma 60.[15] Eb'nso gibt's aa no de Origenäuparteta vom Adolf Müller.[16]

Zeidungskritik[VE | Weakln]

Des Publekum und de Kritik woa'n vom Nestroy sein Stückl begeistat, de Wiener Theaterzeitung vom Adolf Bäuerle håt's aum 12. März 1838 ois „ein Stück im Volks-Genre von entschiedenem Werthe“ bezeichn't; zua zweit'n Auffüahrung håt da Wanderer aum 14. März g'schrieb'n:

„Am 11. März wurde Nestroy's gelungenes Lustspiel 'Glück, Mißbrauch und Rückkehr' bei überfülltem Hause wiederholt. Der Beifall stieg von Act zu Act und die Aufführung ging noch gerundeter, als am ersten Abend.“[17]

Aa de aunda'n Zeidungan hau'm fåst olle posetive Wuat' füa des Weak g'fund'n; im Der Humorist[18] vom 14. März woa zum les'n:

„Man könnte aus einem einzigen Akt dieser Nestroy'schen Posse ein Dutzend Lokalstücke mit Ergötzlichkeiten und Heiterkeit ausstellen, und dem Akte bliebe doch noch mehr an jokosem[19] Eigenthum als ein Schok von Novitäten.“[20]

Spätare Fåchkritik[VE | Weakln]

Da Fritz Brukner und da Otto Rommel manan, dass de Umsetzung vom Parisa Flair in de g'müatlichare Weana Stimmung in Nestroy net so wiakli gelungan warat, bei aniche von de Figuan owa do a biss'l. Des Motiv vom unhamlich'n „weißen Haus“ (beim Nestroy „grauen Haus“) warat im Origenäu spaunnanda und aa geheimnisvolla g'wes'n. Da Nestroy hättat de damit vabundane Åbenteuag'schicht mit da Entfüahrung und da Gefaungennauhm von an Madl afåch duach des bei eahm so beliabte Motiv vom strengan Vodan mit bleede Eaziachungsmethod'n easetzt.[21]

Beim Helmut Ahrens steht aa, dass de Üwatrågung net gaunz eafoigreich g'wes'n is, b'sundas, weu de Großmaunnssucht von de Parisa Büaga mit'n Streb'n nåch Åd'lstit'ln und Schlessa denen Weana fremd warat, de wo liawa auf G'müatlichkeit und Guat-Geh'n-Låss'n aus san. Owa in dera Figua vom Blasius Rohr (im Origenäu Robineau) warat de Vawaundlung vom „arroganten Kanzleibuben“ (Zitat) in a blasiate Figua so guat gelungan, dass de Zuaschaua „grölen und sich vor Lachen auf die Schenkeln schlagen“ (Zitat).[11]

Text[VE | Weakln]

Literadua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0; S. 198–200.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, sechster Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1926; S. 379–488 (Text).
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, achter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1926; S. 226–254 (Anmerkungen).
  • Otto Rommel: Johann Nestroy, Gesammelte Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, dritter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1948–1949, neue Ausgabe 1962; S. 157–246, 706–708, 721–723.
  • W. Edgar Yates (Hrsg.): Johann Nestroy; Stücke 14. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Jugend und Volk, Wien/München 1982, ISBN 3-7141-6966-0; S. 1–89, 153–236.

Beleg[VE | Weakln]

  1. Partikulier = im 19. Jh. a Privatier, dea wo ohne Beruf oda Åmt leb'n tuat, weul a allani scho mit sein' Vamög'n gnua håt
  2. Mandolettikrämerin, Weanarisch füa'r a Maund'lkuch'nvakäufarin – vom ital. mandolatore = Maund'lkuch'n
  3. W. Edgar Yates: Johann Nestroy; Stücke 14. S. 17.
  4. Babett, aa Babette (französesche Vaklanarungsfuam von Barbara), wiad im Weanerisch'n zu Waberl, Wawerl oda Wawi – schaug aa de Operett'n „Die Schmauswaberl“ vom Josef Hellmesberger jun.
  5. Marchandmod, Weanerisch für franz. marchand des modes = Modeg'schäft, doda ois Putzhändlarin g'mant
  6. Auspülung auf Da liawe Augustin
  7. W. Edgar Yates: Johann Nestroy; Stücke 14. S. 73.
  8. "Marie" = Dialektwuat füa Göid
  9. W. Edgar Yates: Johann Nestroy; Stücke 14. S. 88.
  10. Inhalt in Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. 8. Band, S. 233–243.
  11. 11,0 11,1 Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 199.
  12. schaug bei Schwanken wie ein Rohr im Wind
  13. Bohemia, ein Unterhaltungsblatt. Artikel vom 9. Juni 1840: Kunst und Leben in Böhmen. (ohg'ruaf'n aum 24. Februar 2014)
  14. Rommel: Johann Nestroy, Gesammelte Werke., S. 158–159.
  15. Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
  16. Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur M.H. 720.
  17. W. Edgar Yates: Johann Nestroy; Stücke 14. S. 166.
  18. Der Humorist, Zeitschrift für Scherz und Ernst, Kunst, Theater, Geselligkeit und Sitte, Herausgewa Moritz Gottlieb Saphir [von 1837 bis 1862]
  19. jokos, von Jokus = Streich, G'spass
  20. W. Edgar Yates: Johann Nestroy; Stücke 14. S. 172.
  21. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. 8. Band, S. 241–243.