Johann Nestroy

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Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy (* 7. Dezemba 1801 in Wean; † 25. Mai 1862 in Graz) woa'r a östareichischa Schauspüla, Sänga, Dramatika und Satirika. Da Nestroy güt ois da “östareichische Shakespeare”. Sei Weak is bis heit da Gipfe vaum Oid-Weana Voikstheata. Vaum Biedameier iwan Vuameaz bis zua Revolution und aa no danoch håt a des Weana Theataleb'n dominiat.[1]

Johann Nepomuk Nestroy

Sei Leb'n[VE | Weakln]

Noch'n Gymnasium und an aug'faungt'n Jusstudium håt se da Nestroy 1822 liaba a Karrier' ois Sänga (Bassist) ausg'suacht. A Zeit'l woa'r a in Amsterdam, nocha im Brünn und daunn in Graz und Preßburg aungaschiert. Da Direkta Johann August Stöger (1791–1861) håt daumois nämli net nua des Städtische Schauspielhaus Graz, sundan z'gleich aa des Preßburger Theata g'füaht. In Graz håt da Nestroy aum 23. Mai 1826 ois Figaro im Barbier von Sevilla debütiat. Weidare Roi'n in Opern, owa aa ernste Sprechroi'n, wia da Walter Fürst in Wilhelm Tell, da Lionel in Die Jungfrau von Orleans, da Sir Paulet in Maria Stuart, da Geist im Hamlet und aa in Stückl'n vom Ferdinand Raimund und vom Franz Grillparzer woa'n große Erfoig' füa eahm. Durt håt ea daunn imma meahr net nur g'sunga, sundern aa ois komischa Schauspüla und Poss'nschreiba au'g'faungt.Von 1828 au is ea zwisch'n dene Bühnan von Graz und Preßburg hin und herg'wexlt und im März 1831 håt a sein Vertrag mit'n Direkta Stöger beendet. Iwa Lemberg is ea endli nåch Wean kumma und zwoa ins Theater an der Wean unter'm bekaunnt'n Direkta Carl Carl. Durt håt ea daunn au'gfaungt, imma wieda eigene Stückl'n z'schreib'n, wos a scho in Graz g'schehg'n is.[2]

Vo 1854 bis 1860 woa'r ea, weul da Direkta Carl g'sturb'n is, söwa Direkta von Leopoldstädter Theater, des wos aa in Carl g'hört g'håbt håt. Seine letzt'n Jahrl'n håt da Nestroy nocha in Graz vabrocht, wo ea se 1859 a Haus kauft håt. Und aum 29 Aprül 1862 is ea in Graz 's letzte Moi auf da Bühne g'staund'n.[3]

Seine Frau'ng'schicht'n[VE | Weakln]

Da Nestroy ois a junga
In Nestroy sei Grob au'm Weana Zenträufriedhof

De Wilhelmine Nespiesni (* 1804 in Wean; † 1870 eb'ndurt'n) håt da Nestroy kennag'lernt, wia ea 22 Jahrln oid woa – sie is daumois 19 g'wes'n. G'heirat't haum's aum 7. Septemba 1823, daunn san's olle zwaa nåch Amsterdam g'foahr'n und durt is aum 22. Aprül 1824 eahna Bua Gustav auf d'Wölt kumma. Nocha san's olle drei nåch Brünn und weida nåch Graz zog'n. Durt is da Wilhelmie oba boid laungweulich wur'n und sie håt 1827 a Gspusi mit'n Gråf'n Adalbert Batthyány au'g'faungt und is mit eahm durchgaunga. Ihr'n Buam håt's beim Vodan låss'n. Erscht 1845 håt se da Nestroy von ihra scheid'n låss'n kenna, weul daumois de Vuaschrift'n so streng g'wes'n san. Owa no amoi heirat'n håt a sei Leb'n laung nimma düaf'n.[4]

Und drum håt ea de Sängarin Marie Weiler, de wos ea 1828 kenna g'lernt håt, nia heirat'n kenna. Sie woar a g'staunden's Frau'nzimma und håt eahm und in Buam unhamli' gern g'håbt. Da Nestroy håt's zwoa aa gern g'håbt, håt ihr aa imma wieda Roi'n in seine Stückl'n eineg'schrieb'n, owa betrog'n håt ea's trotzdem sei Leb'n laung. Mit ihr hot ea no zwaa Kinda g'hobt, in Carl und de Marie, und se woar a guate Mutta zu olle drei und fia'r eahm sei greßte Hülf ollaweul. Drum håt ea's aa in sein' Testament ois Universeuleabin ei'g'setzt.[5]

Owa wia g'sogt, ea woar a Fremdgänga und håt a G'spusi nåch'n aundan aum Theata g'hobt, weul eahm de Kolleginna nua so zuag'flog'n san. De Eleonore Condorussi woa ane davau, do håt de Marie Weiler durchg'setzt, dass ea fia se kane Hauptroi'n mea g'schrieb'n håt, ois wia vurher. A aundare woa ie Karoline Käfer, mit dera håt ea sogoa a eigene Wohnung g'hobt. Owa wia eahm de Marie g'sågt håt, se låsst eahm in Stich, is ea glei' vanünftich wua'n und klaalaut wieda haamkumma. Ois Vasöhnungsg'schenk håt ea ihra de allaniche Verwoitung vom Leopoldstädter Theater üwaloss'n.[6]

Seine zwaa Begräbniss'[VE | Weakln]

Den Johann Nestroy sei Leich haum's z'erscht von Graz noch Wean bråcht und aum Wahringa Friedhof beståttet. Wia's daunn den Leichnaum vom Nestroy 1890 in a Ehr'ngråb aum Weana Zenträfriedhof eineg'legt haum, is sei Marie zwoa mit eahm beståttet wua'n, owa aum Gråbstan hot's net drauf steh'n dürf'n. Erscht 2004, oiso mea ois 100 Jahrl'n späta, haum's endli aa iha'n Nauman auf'n Stan draufg'schrieb'n.[7]

Stückln[VE | Weakln]

Historiendrama[VE | Weakln]

Zauberstückln, Possen, Parodien[VE | Weakln]

Lithografie 1846

Quodlibets[VE | Weakln]

→ Hauptartikel: Dramatische Quodlibets von Johann Nestroy

Da Nestroy und sei Umgaung mit da Sproch'[VE | Weakln]

Da Nestroy is net afoch bloß a „Weana Dialektdichter“ g'wes'n. Genau g'sehg'n san seine Text' im Originäul – in de neucharen Fåssungan kaunn ma des z'weg'n da „Vaweanerung“ fåst nimma g'spüa'n – aus an Mischmach von Hochdeitsch, Umgangssproch' und Mundoat, wobei b'sundas de Neologismen (neiche Wuat-Eafindungan), de rhetorisch'n Figua'n und de sprechend'n Nauman typisch fia'n Nestroy san.[9]

Etliche Beispül dafia:

  • Neologismen:
    • Lebensfadenabschneider (Die Familien Zwirn, Knieriem und Leim) = jemaund'n umbringa
    • Gelegenheitszusammentreffung (Das Haus der Temperamente) = zufällich's Aufanandatreff'n
    • Rebensaftverschandler (Die beiden Herren Söhne) = a Wirt, dea in Wein wassert
    • Dienstbotenentweichung (Martha oder Die Mischmonder Markt-Mägde-Miethung) = aus'n Dienst hamlich ohposch'n
    • Wonneersterbungshinsinkung (Martha oder Die Mischmonder Markt-Mägde-Miethung ) = vua lauta Glick in Ohnmocht foi'n
    • Brautwegfischer (Kampl) = a aundan sei G'spusi wegschnåpp'n
    • Stieferzeuger (Heimliches Geld, heimliche Liebe) = Stiefvoda
    • Fleisch-und-Blutverleugner (Umsonst!) = ana, dea sei Vodaschoft ohstreit't
  • rhetorische Figur'n (Metapher):
    • …und jetzt fahr' ich ohne dem Kompaß des Trostes auf'm schwarzen Meer des Kummers (Der Tod am Hochzeitstage)
    • Der Zufall ist die Muttermilch, an der sich jeder Plan vollsaugen muß, wenn er zum kräftigen Erfolg heranreifen soll. (Das Haus der Temperamente)
    • Nur her da ihr Polypenarme der Justiz! (Der alte Mann mit der jungen Frau)
    • Mein Hirn sitzt schon als alte Bruthenn' auf dem Basilisken-Ei der Rache! (Mein Freund)
  • rhetorische Figur'n (Homonyme):
    • Sie ist zu Grund gegangen, jetzt ruht sie im tiefen Grund, ihr Tod ist der Grund meines Unglücks, ein Unglück war der Grund ihres Todes, das Schiff meiner Freuden ist in den Grund gebohrt, ist das nicht Grund genug, den Namen Grund von Grund aus feind zu seyn? (Der Tod am Hochzeitstage)
    • Jetzt geht der Leim aus'n Leim, für mich leimt sich nichts mehr. (Der böse Geist Lumpacivagabundus)
    • Freilich, was is' ein Eh'versprechen? Ein Versprechen, von dem sich a gscheits Madl eh' nicht viel verspricht. (Verwickelte Geschichte!)
    • Verkleidungen werden den Herrn nicht schützen vor meinem Herrn, mein Herr wird dem Herrn ein' Herrn zeigen, für das kenn' ich meinen Herrn. (Der Färber und sein Zwillingsbruder); den Herrn zeigen = an aundan ei'schüchta'n
  • sprechende Nauman:
    • Fleischermeister Hackauf (Der böse Geist Lumpacivagabundus)
    • Bäckermeister Kipfl (Eisenbahnheirathen)
    • Braumeister Malzer (Kampl)
    • Kafeesieder Gschloder (Umsonst!) Gschloder = weanarisch fia an schlecht'n, schwoch'n Kaffee
    • Koch Ho-gu (Häuptling Abendwind) aus'n französisch'n haut goût = (Wild-)Gschmock

Galerie[VE | Weakln]

Da Nestroy ois Schauspüla:

Literadua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0.
  • Otto Basil: Johann Nestroy. Rowohlt, Reinbek 2001, ISBN 3-499-50132-5.
  • Fritz Brukner und Otto Rommel (Hrsg.): Werke - Historisch-kritische Gesamtausgabe, 15 Bände (Band 15 is de ausfialiche biografische Wiardigung durch Otto Rommel, Wissensstand 1930), Wean (Schroll) 1924-30; Nachdruck 1974; aa ois Kraus-Reprint AMS Press Stod New York.
  • Christian H. Ehalt, Jürgen Hein, Edgar W.Yates: Hinter den Kulissen von Vor- und Nachmärz - Soziale Umbrüche und Theaterkultur bei Nestroy. Facultas, Wean 2001, ISBN 3-85114-663-8.
  • Jürgen Hein: Johann Nestroy. Metzler, Stuttgart 1990, ISBN 3-476-10258-0.
  • Jürgen Hein, Johann Hüttner, Walter Obermaier, Edgar W.Yates (Hrsg.): Nestroy - Sämtliche Werke - Historisch-kritische Ausgabe, Wean, Minga (Deuticke Zsolnay) 1977ff.
  • Jürgen Hein: Nestroy und die Nachwelt - Internationale Nestroy-Gespräche 1975-2000 - Ergebnisse und Perspektiven. Lehner, Wean 2001, ISBN 3-901749-23-3.
  • Jürgen Hein, Claudia Meyer: Theaterg'schichten - Ein Führer durch Nestroys Stücke. Lehner, Wean 2001, ISBN 3-901749-21-7.
  • Herbert Hunger: Das Denken am Leitseil der Sprache. Johann Nestroys geniale wie auch banale Verfremdungen durch Neologismen. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2790-1.
  • Karl Kraus: Theater der Dichtung - Nestroy, Zeitstrophen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-37824-4.
  • Otto Rommel (Hrsg.): Gesammelte Werke, 6 Bände (Eine Auswahl der 15-bändigen Ausgabe), Wien 1948-49; Nachdruck 1962.
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/ Leipzig/ Wien/ Stuttgart 1908.
  • Walter Schübler: Nestroy. Eine Biografie in 30 Szenen. Residenz Verlag, Wean 2001.
  • Wendelin Schmidt-Dengler: Nestroy - Die Launen des Glücks. Deuticke, Wean und Minga 2001, ISBN 3-552-05173-2.
  • Edgar W.Yates (Hrsg.): Bei die Zeitverhältnisse noch solche Privatverhältnisse - Nestroys Alltag und dessen Dokumentation. Facultas, Wean 2001, ISBN 3-85114-653-0.

Schau aa[VE | Weakln]

Im Netz[VE | Weakln]

 Commons: Johann Nestroy – Oibum mit Buidl, Videos und Audiodateien

Beleg[VE | Weakln]

  1. Internationales Nestroy-Zentrum
  2. Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 56–86.
  3. Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. S. 395–402. (Biographische Daten für das gesamte Kapitel Leben)
  4. Ahrens: Bis zum Lorbeer versteige ich mich nicht. S. 230–231.
  5. Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 380.
  6. Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. S. 346–356.
  7. Rathauskorrespondenz vom 29. 10. 2004: Späte Ehre für Marie Weiler; Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny veranlasst nachträgliche Eintragung der Lebensgefährtin Johann Nestroys am Grabstein. (abgerufen am 9. Februar 2014)
  8. Von den Quodlibet hot da Nestroy gsogt, es is von eahm, oba da Text is nimma zan find'n.. Es is aa nua amoi, am 12. Feber 1831 in Preßburg aufg'führt ois Benefiz für'n Dichta söwa wur'n.
  9. Hunger: Das Denken am Leitseil der Sprache. (für das gesamte Kapitel Nestroys Umgang mit der Sprache)