Genius, Schuster und Marqueur

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Daten
Titl: Genius, Schuster und Marqueur
Originaltitl: Genius, Schuster und Marqueur oder
Die Pyramieden der Verzauberung
Goddung: Zauberposse in 3 Aufzügen[1]
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1832
Oat und Zeid vo da Handlung: Die Handlung geht theils in der wirklichen, theils in der Feenwelt vor[2]
Personen
  • Sonnenglanz, König der Genien
  • Prinz Tausendschön, Prinz Liebesreitz, seine Söhne
  • Pantoffeline,[3] eine Fee, Beschützerinn des schönen Geschlechtes
  • Kaffeluzia,[4] verwitwete Fee, Pantoffelines Schwester
  • Flora, Viola, ihre Töchter
  • Lulu, ein alter Genius,[5] Diener und Factotum[6] des Königs Sonnenglanz
  • Lili, Nymphe im Dienste der Fee Pantoffeline
  • Sulphurelectrimagneticophosphoratus,[7] Zauberer, Magier, Zeichendeuter, Wahrsager, ectr.
  • König Rabenschwarz, Beherrscher eines schwarzen Völckerstammes in der Feenwelt
  • Rappeline,[8] seine Tochter
  • Milibu,[9] ihre schwarze Sclavinn
  • König Kupferplatt, Beherrscher eines kupferfarbigen Völckerstammes in der Feenwelt
  • Brünette, seine Tochter
  • Phylax,[10] Wächter des unterirdischen Zaubergewölbes in Pantoffelinens Pallast
  • Hydridracocrocodilux,[11] ein geharnischter Geist, Wächter ebendaselbst
  • Bellona,[12] Königin der Amazonen
  • Mordiana, Lanzina, Pfeilosa, Amazonen
  • Michel Pechberger, ein Schuster
  • Frau Liesel, sein Weib
  • Johann Kipfel,[13] vazierender[14] Marqueur[15]
  • Adele, seine Gattinn
  • Natzel,[16] Schusterjunge
  • Saufaus, Wirth bey der unbestimmten Ordnung
  • die Wirthinn
  • Nagelberger, Kranzelgruber, Gangelhofer, Streichmüllner, Gäste im Wirthshaus
  • ein Corporal mit Patrouille
  • erster, zweiter Sclave der Genien
  • ein Zwerg
  • Genien, dienstbare Geister, Geisterwache im Zaubergewölbe, Magier, Nymphen, kupferfarbe Sclaven und Sclavinnen des Königs Kupferplatt, Mohrengefolge des Königs Rabenschwarz, Furien, Wache, Gäste, ectr.

Genius, Schuster und Marqueur oder Die Pyramieden der Verzauberung is a Zauberposs'n in 3 Aufzüg' vom Johann Nestroy. Des Stückl is 1832 vafosst, owa zu de Lebzeit'n vom Nestroy nia aufg'füaht wua'n. Des Thema und aniche Text-Passag'n håt da Dichta füa Der böse Geist Lumpacivagabundus vawend't.

No meah gült des füa des 1833 g'schriebane und aa nia g'spülte Stückl Der Feenball.

Inhoit[VE | Weakln]

Tausendschön und Liebesreitz, de zwaa Söhne vom Feenkenich Sonnenglanz, woll'n de Techta von da Fee Kaffeluzia, Flora und Viola, auf kaan Foi heirat'n. Weul jed's Joahr auf Beföhl von da Fee Pantoffeline zwaa lediche Maunnsbülda, de wo net valiabt san, aun de Amazonan ausg'liefat wea'n miass'n, san desmoi de zwaa Prinz'n draun. Da Sonnenglanz frågt den einfältich'n Woahsoga und Zauwara Sulphurelectrimagneticophosphoratus um an Råt, dea wo owa nua „Es wird sich machen!“ dazua sågt – dea anziche Råt, den ea ollweu waaß; drum kommandiat da Kenich in Genius Lulu, Hülf' zum schåffen. Dea hoit zwaa vakråchte Mensch'n, in Pechberger und in Kipfel, mit foische Vasprechungan mitt'n aus an Wiatshaus ois Ersåtzmänna ins Feenreich. Tåtsächlich wea'n dee zwaa von dene Amazonan g'hoit und in denan eahna Reich ois männlicha Dienstbot'n und Kindamadl'n vawend't.

Pechberger: „Das Kindsweib machen, könnt mir g'stohln werden.“
Kipfl: „Der Teufel soll 's Spinnradl hohln.“ (II. Act, 13te Scene)[17]

Inzwisch'n hå'm se de zwaa Prinz'n mit dene Feentechta valobt, eahna owa scho bei da Valobungsfeia mit da Rappeline und da Brünette de Treu brochen. Von da Pantoffeline dabei dawischt, soll'n's deretweg'n in da Zauwapyramide in hoib weiße, hoib schwoazze oda kupfafoabane Wes'n vawaund'lt wea'n. Wiedarum waaß da Lulu an Råt, ea entfüaht in Pechberger und in Kipfel aus da Gewoit von dene Amazonan und schiabt's neualich ois Dopp'lgänga stått dene Prinz'n unta. De zwaa Mensch'n wea'n prompt vawaund'lt und faungan glei mit da Lili, da Braut vom Lulu, und mit da Milibu, da Sklavin von da Brünette a Techtlmechtl aun. Eifasüchtich streit't da Lulu mit da Lili, de eahm owa de Flüg'l stutzt; außadem erfoah'n de Vawaund'lt'n, dass's nua duach an Zauwapantoffel dalöst wea'n kennan. Beim Vasuch, den Pantoffel aus'm Zauwag'wölb zum stöhl'n, wea'n'sie datåppt und in Stana vawaund'lt. A Fluach von da Pantoffeline aunan Sonnenglanz zagt in anzich'n Weg zua Befreiung:

„[…] eh' diese Nacht vergeht, sollen deine Söhne mit ihren Köpfen, den Zauber der Versteinerung von diesen beyden lösen.“[18]

Entsetzt glaubt da Sonnenglanz, seine zwaa Söhn' miasst'n enthauptet wea'n, und de zwaa Bräut' schmied'n safuat an Rettungsplan:

„Bitten und betteln wier so lang, bis ihr z'wider wird, das kann nicht lang dauern.“ (beide Textzitate aus III. Act, 13te Scene)[18]

Owa ois se de Prinz'n auf da Flucht aun dene Stanfigua'n de Köpf' bluatich stess'n, haum's damit den Spruch eafüllt und ollas löst si in Wohlgefoi'n auf: De Prinz'n heirat'n de Feentechta, da Lulu sei Lili und de zwaa Lump'n kumman zu eahnare Frau'n zruck, mit'm Vasprech'n, dass sa se bessern wea'n.

Pechberger: „Nur einen Wunsch hätt' ich noch, Professor der Astronomie möcht' ich werden.“
Pantoffeline: „Nein Schuster, bleib bey deinem Leisten.“ (III. Act, 17te Scene)[19]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

De genauare Entstehungszeit von dem Stückl is unbekaunnt blieben. Dea schwåche Erfoig von Die Zauberreise in die Ritterzeit dürftat entweda in Nestroy söwa oda in Direkta Carl Carl vom Theater an der Wien bewog'n hau'm, es net aufz'füah'n, obwoi des Stückl bereits fåst featich woa.

Da Aunlåss füa des Werk woa de im Joahr 1832 bei olle Leut' vuahaundene Komet'nfuacht, ausg'löst duach's Auftauch'n vom Encke- und vom Biela-Komet'n, sowia dem füa 1834/35 aug'sågte Halleysch'n Komet'n.[20] So håt's a Aufregung geb'n und sogoa seriöse Zeitungan håm üwa an Z'saummsteßa mit da Erd'n oda wenigst'ns a Vagiftung duach de Gase vom Schwaaf spekuliat. Mauncha unbedoafte Schreiba håt de drei Komet'nnauman durchanaunda g'haut und gaunz wüld auf de Jahrln von 1830 bis 1836 vateult. Sintfluten und da Ausbruch von da Cholera san aa befüachtet wua'n.

A Auffüahrung zu dem Teamin vom Biela-Komet'n im Septemba 1832 warat woahscheinlich da Plan vom Dichter g'wes'n.

A direkte Vualog füa's Stückl kunntat bishea net festg'stöllt wea'n, etliche von de vawendet'n Motiv' (des Amazonanreich, des unterirdische Zauwag'wölb, da Genius mit de g'stutzt'n Flügerln) woa'n gängige Motiv' von ana zeitgenössisch'n Zauwaposs'n.

In an friacha'n Manuskript hot de Pantoffeline no den Nauman Huldine g'håbt, de Kaffeluzia woa Seline und de Milibu woa Mohrenköpfchen.[21]

Weidavaweatung[VE | Weakln]

Des Stückl is zwoa nia aufg'füaht wua'n, håt owa in Nestroy ois „Fundgruab'n“ von Textpassag'n, Couplets und haundelnde Peasonan füa etliche spätare Werk' dient. De foigend'n Weidavaweatungan haum Theatafåchleut' (nochz'les'n beim Friedrich Walla[22]) feststöll'n kenna:

A Thema im Bum sein' Liadl (III. Act, 6te Scene) und des Liadl von da Reserl (III. Act, 2te Scene) entsprech'n in Komet'nliad (II. Act, 14te Scene), und aa des Lili-Liadl is aus'n Genius (II. Act, 21ste Scene)

Da Zwirn entspricht in Kipfl, da Knieriem in Pechberger, des Komet'nliad vom Knieriem (III. Act, 8te Scene) dem vom Pechberger (II. Act, 14te Scene)

De Nauman von de Wiatshausgäst' Nagelberger, Gangelhofer und Kranzelgruber san üwanumma wua'n; einzelne Passag'n von da Wiatshausszene (I. Act, 1te Scene) entsprech'n denan im I. Act, 12te Scene; de Dialoge Bertram–Liserl (II. Act, 7te Scene) und Reimboderl–Liserl (II. Act, 2te Scene) gleich'n denan von Sulphurelectrimagneticophosphoratus–Lili (II. Act, 17te Scene) und Lulu–Lili (II. Act, 20te Scene)

Da einfältiche Magier Sulphurelectrimagneticophosphoratus wiad im Genius scho auf de Bühne bråcht; de Prüfungsszene Memek–Plumpsack (II. Act, 8te Scene) gleicht dera von Sonnenglanz–Sulphurelectrimagneticophosphoratus (I. Act, 8–9te Scene), dea Dialog Plumpsack–Nelli (III. Act, 8te Scene) dem von Lulu–Milibu (III. Act, 6te Scene)

In Schladriwuxerl sei Auftrittsliad und da Monolog (I. Act, 3te Scene) entsprech'n denan vom Lulu (I. Act, 6te Scene)

Des Amazonanreich in da eascht'n Fåssung (I. Act, 13te Scene) gleicht in Amazonanreich im Genius

De Wiatshausszenan (I. Act, 18te Scene) und in Knieriem sei Slibowitz-Liad (I. Act, 19te Scene) san fåst identisch mit dene Wiatshausszenan (I. Act, 12te Scene) und in Pechberger sein Slibowitz-Lied (I. Act, 13te Scene); da Natzl (I. Act, 20ste Scene) is aus'm Schuastabuam Natzel (I. Act,14te Scene) entstaund'n

Spätare Fachkritik[VE | Weakln]

Da Otto Rommel reiht des Werkl in dera Kategorie von Besserungs- und Zauwastückln ein,

„in denen Menschen auf irgendeine Weise in ein komisch-parodistisch behandeltes Geisterreich versetzt werden und da, umgeben von zauberischen Gewalten, die abenteuerlichsten Schicksale erleben“ (Zitat).

Dazua zöhlt ea aa Der konfuse Zauberer oder Treue und Flatterhaftigkeit.[23]

Literatua[VE | Weakln]

  • Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner/Walter Obermaier/W. Edgar Yates: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Jugend und Volk, Wien/ München 1999, ISBN 3-216-30344-6, S. 99–194, 451–512.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, erster Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1924.

Beleg[VE | Weakln]

  1. da Nestroy håt außa auf'm Manuskript-Tit'lblattl ollweul de Bezeichnung Act vawend't
  2. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke nennen folgende Szenenorte: Die Handlung spielt teils in einem Feenhaine, teils in einer großen Stadt [gemeint ist Wien] in Sapprawalts Wohnung, teils auf den Ritterburgen Eisenfels, Humpenberg, Sapprawaltburg und Stein, teils in Wäldern und Kerkern. Das Ganze geht teils jetzt, teils ehemals vor.
  3. Pantoffel = ois Synonym füa de Herrschåft da Frau in ana Ehe
  4. Kaffeluzia = von Kaffelutz'l, jemaund, dea wo leidenschåftlich Kaffee trinkt (laut Fr. S. Hügel: Der Wiener Dialekt, Wien 1873)
  5. Genius = a geflüg'lta Schutzgeist
  6. Factotum = ana, dea oll's ealedicht
  7. a Zungenbrecha, z'saummg'setzt aus Sulphur (Schwefel), Elektrizität, Magnetismus und Phosphor; schau aa nåch bei Der Zauberer Sulphurelectrimagneticophosphoratus
  8. Rappel = Widaspruchsgeist, ana, dea spinnate Såch'n måch't, vagleich den Rappelkopf im Alpenkönig und Menschenfeind vom Ferdinand Raimund
  9. Milibu = weanerisch füa Müllibua, då ois Geg'nsåtz zua Hautfoab' g'mant
  10. Phylax = griechisch Wochta, deshoib früaha a beliebta Hundenauman
  11. Zungenbrecha, z'saummg'setzt aus Hydro (Wasser), Draco (Drache) und Krokodil
  12. bellum = lat. Kriag
  13. Kipfel = hoibmondförmig's Weana Fruahstücksgebäck
  14. vazierend = oawatslos umadum waundan
  15. Marqueur = östareichisch fia Köllna, Zoihköllna; schau unta Dein Dialekt - Dein Wörterbuch, Wörterbuch Deutsch-Österreichisch
  16. Natzel = östareichische Koseform für Ignaz
  17. Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. S. 152.
  18. 18,0 18,1 Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. S. 190.
  19. Hugo Aust: Johann Nestroy; Stücke 4. S. 193.
  20. schau nåch unta: Encke-Komet, Biela-Komet, Halleyscher Komet
  21. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 704.
  22. Friedrich Walla: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Stücke 5–8.
  23. Otto Rommel: Nestroys Werke, Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908, S. XXVI–XXVIII.