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Zampa der Tagdieb

Aus Wikipedia
Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschriem worn.
Daten
Titl: Zampa der Tagdieb
Originaltitl: Zampa der Tagdieb oder Die Braut von Gyps
Goddung: Parodie in drei Akten
Autor: Johann Nestroy
Literarische Voarlog: Zampa ou la fiancée de Marbre, Opéra-comique von Ferdinand Hérold, Libretto von Mélesville
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1832
Uaauffiahrung: 22. Juni 1832
Oat vo da Uaauffiahrung: Theater an der Wien in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: Die Handlung spielt nicht weit vom Meer und fällt in das Zeitalter der Feindseligkeiten zwischen Clarina und Obscurus
Personen
  • Zampa, das Capo[1] der Tagdiebe
  • Paphnuzzi Salamucci,[2] Sohn eines sizilianischen Salamifabrikanten
  • Guckano, ein reicher Makkaronimacher
  • Camillerl, seine Tochter
  • Damian, Privatgeschäftsführer der Tagdiebe
  • Ritti, vertrautes Stubenmädel der Camillerl
  • Dandoli, erster Gesell der Makkaronifabrik
  • Clarina, Königin des Tages, eine Fee
  • Obscurus, Beherrscher der Nacht
  • Laura, Amenaide, Rosa, Camillerls Freundinnen
  • erster, zweiter Tagdieb
  • Brigitta, eine Milchverkäuferin
  • mehrere Freundinnen Camillerls
  • Freunde Paphnuzzis
  • viele Tagdiebe
  • ein Geselle aus der Makkaronifabrik
  • ein dienstbarer Geist Clarinens
  • Bianca[3]
  • Gesellen aus der Makkaronifabrik, Nymphen der Fee Clarina, dienstbare Geister des Obscurus, Fischer und Fischerinnen

Zampa der Tagdieb oder Die Braut von Gyps is a Parodie in drei Akten vom Johann Nestroy. Des Stückl is 1832 g'schrieb'n und aum 22. Juni in dem sölb'n Joahr easchtmois aufg'fühaht wua'n.

Camillerl und da liedaliche, imma in ana Göldnot lebende Paphnuzzi san mitt'n in eahnare Hochzeitvuabereitunga. Då bringt da schrecklich aufg'regte Dandoli („Ritti, i bitt' di!“) de Schreck'nsnåchricht, dass von da Camillerl da Voda Guckano von da Bande von dene Tågdiab' im Wiatshaus festgehalten wiad – se droh'n, eam mit'n Schnåps se söwa z'Tod sauf'n z'låss'n. Da Banden-Capo Zampa kummt söwa zua Camillerl und valaungt, se muass eahm stått'n Paphnuzzi heirat'n, waunn's in Vodan rett'n mechtat. Da Zampa richt't im Guckano sein' Haus a Festess'n fia seine Kaumaråd'n aus; dabei siacht ea de Gipsfiga von da Bianca, dem Stub'nmadl, des friaha amoi vua Gram g'stuab'n is, weul ea 's valåss'n håt. De Fee Clarina håt in Guckano befoih'n, de Statue aufz'stöll'n. Wia da Zampa dera Statue aus Spott an Ring aunsteckt, gibt's eahm plötzli' an Stessa und schnappt eahm bei dera Frisua.

Damian (halb tot vor Angst): „Es hält die Hand ihn fest beim Kopf,
Auf Ehr’, sie beutelt ihm beim Schopf.“ (Erster Akt, zweiundzwanzigste Szene)[4]

Trotzdem wüll da Zampa unbedingt heirat'n, owa da Paphnuzzi vaspricht dera Camillerl, dass ea's vahindan wiad. Wia de Hochzeitsgäst' kumman, wiad de Camillerl dreimoi ohnmächtich und muass mit Rauberessig[5], mit Schwoib'nwossa[6] und mit Melissengeist wieda munta g'måcht wean. Da Zampa räsoniat:

„'s ist schad', wenn S' früher was g'sagt hätten, wir hätten gleich in der Apotheken g'heirat't.“ (Zweiter Akt, vierzehnte Szene)[7]

Von da Bianca de Gipsfigua wiad wiedarum lebedich und schnåppt in Zampa aum Rockschoß. Ea kaunn se losreiß'n und schreit, dass ea se mit da Fee Clarina geg'n' in Obscurus vabündet håt und deshoib von da Fee beschützt wearat. Ea vertreibt in Paphnuzzi mit da Peitsch'n, foit owa söwa in Ohnmåcht, weul von da Bianca de Gipsfiga eahm scho wieda droht.

In ana Streitarei zwisch'n da Camillerl, in Zampa und in Paphnuzzi stöllt se ausse, dass de zwaa Briada san. Ois letzt's Mittel vakleidet si da Paphnuzzi ois da Bianca ihra Geist und eascheint in Zampa, dea schiaßt auf eahm, de Kug'l wiad owa vom Obscurus aufg'faunga. Dea droht jetzt'n, in Zampa in' Ätna eini z'weaf'n, waunn ea net de wiedarum lewendiche Bianca heirat'. Da Zampa gibt nåch:

„G'heirat't wird, mit'm Ätna ist's nix!“ (Dritter Akt, dreizehnte Szene)[8]

Weaksg'schicht'

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Da Inhoit – a Statue wiad z'weg'n an aug'steckt'n Ring auf amoi lewendich – is scho beim Wilhelm von Malmesbury (ungefähr 1080–1143), in da deitsch'n Kaiserchronik (12. Jahrhundert), beim Vinzenz von Beauvais (1184–1264), in The ring vom Thomas Moore (1779–1852), in dene Romanzen vom Rosenkranz vom Clemens Brentano (1778–1842), in Das Marmorbild vom Joseph von Eichendorff (1788–11857) und bei etliche aunda'n Dichta zum find'n.

In Nestroy sei Vualog woa des Libretto vom Mélesville (eigentli' Anne-Honoré-Joseph Duveyrier, 1787–1865) füa de Opèra-comique Zampa ou La Fiancée de marbre (Zampa oder die Braut aus Marmor)[9] vom Louis Joseph Ferdinand Hérold (1791–1833). De Easchtauffüahrung håt in da Parisa Opéra-Comique aum 3. Mai 1831 ståttg'fund'n und aum 3. Mai 1832 im Weana Theater am Kärntnertor, a jed'smoi mit an groß'n Eafoig. Des Werkl is iwa 5 Jahrzehnt'n auf de Openbühnan präsent blieb'n, obwoi des Libretto von Mélesville nua a schwåche Beoawatung vom Don-Juan-Motiv woar. In dem Libretto is es de vom Zampa vafüahte Alice di Manfredi, de wås ois Mamoastatue in da Schlosshall'n steht – stått'n Komtur (wia im Don Giovanni vom Lorenzo da Ponte und vom Wolfgang Amadeus Mozart). De Statue von da Alice bringt in Zampa um, wia'r ea vasuacht, de Camilla zum bedränga.

In Nestroy sei Parodie – eigentlich a Travestie – verspott't bloß de Charakta und Situateaunan von da Vualåg. Aus'n Mélesville seina Seeräuwabande san Tågdiab wua'n; de söltsauman Vahöltniss' im Königreich Sizilien vawaundelt ea in a unwoahrscheinliche Geista- und Feen-Haundlung um; de makabre Mamoabraut Alice di Manfredi wiad zu ana heiratslustich'n Gipsfigua vom Stubenmadl Bianca; dea ane Gråf is a Makkaronefabrikant, dea aundare da Sohn von an Salamiheastölla; de G'faunganschåft auf'm Seeräuwaschiff is nua meah a Sauforgie im Wiatshaus. Durch de Ändarungan håt da Nestroy de Schwåchstöi'n vom Opern-Libretto bloßg'stöllt, allanich de komische Neb'nhaundlung um de Ritta (Ritti), in Capuzzi (Damian) und in Dandolo (Dandoli) håt ea fåst unvaändat üwanehma könna.

Da Johann Nestroy håt in Paphnuzzi Salamucci, da Direkta Carl Carl in Tagdieb Zampa, da Friedrich Hopp in Tagdieb Damian, da Ignaz Stahl in Obscurus, de Eleonore Condorussi des Stubenmadl Ritti, in Nestroy sei Lebensgefährtin Marie Weiler de Fee Clarina g'spült.[10]

Zeidungskritik

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De Urauffüahung is von da Kritik wenich beåcht't wua'n, nua de Wiener Theaterzeitung vom Adolf Bäuerle håt aum 28. Juni 1832 a vahötnismäßig freindliche Rezension bråcht, de wo olladings nua von an Åchtungseafoig schreibt:

„Diese Erwartungen [an Nestroy] wurden nach dem Gefühle des Referenten auch ziemlich befriedigt, denn das Lob dieser Posse beruht nicht nur auf pikanten Einzelheiten, auf witzigen Ausfällen und sinnreichen Verdrehungen, sondern auf einem weit wesentlicheren und nicht zu übersehenden Vorzug, der in den früheren Produkten des Herrn Nestroy größtenteils mangelte. Es ist dies die Einheit im Plan, der zweckmäßige Zusammenhang des Ganzen. Wer das parodierte Original kennt, der wird gestehen müssen, daß sowohl Musik als Text glücklich travestiert und durch die Travestie die Mängel der beiden zur Anschaulichkeit gebracht wurden.“

De Doastölla, de Musi und de Ausståttung san olle z'saumm recht g'lobt, owa de Stimmung im bummvoi'n Theata ois a Wiglwogl bezeichnet wua'n.<:ref name="BR" />

Spätare Fåchkritik'n

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Da Otto Rommel reiht des Stückl vom Nestroy in de Kategorie von dejenich'n Parodien ei', die wo an Zauwaapparat vawend'n. Dazua zöht ea aa no Der gefühlvolle Kerckermeister (1832), Nagerl und Handschuh (1832), Der Zauberer Sulphurelectrimagneticophosphoratus (1834), owa aa Zampa der Tagdieb und Robert der Teuxel (1833). In da Figua vom Seeräuber Konfusius Stockfisch aus'm Zauberstück Der konfuse Zauberer (1832) siecht da Rommel a Variant'n vom reuich'n Tågdiab Damian. De Parodie foigt

„[…] dem Textbuch [des Originals] Szene für Szene, jede Unwahrscheinlichkeit, jede Übetreibung, jede Effekthascherei mit scharfem Witze aufdeckend, so dass sich die Parodie wie eine lustige fortlaufende Kritik liest.“

Dea uasprüngliche Stoff is jeda Romantik entkleidet und des Schaualiche ins Burleske vawaund'lt wua'n. Weu de Kritik des nia valaubt hättat, håt da Nestroy de Figua von da Madonna duach de streitad'n Geista – de Clarina gengan Obscurus – easetzt. Da Witz von dem Werkl liegt nåch'n Rommel owa eha in de Einzelheit'n ois im Gesaumteindruck.[11]

  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, dritter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1925; S. 169–262, 473–493.
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908.
  1. Capo = Chef von ana (kriminöll'n) Grupp'n; deshoib vamutlich da foische Artik'l das (Oberhaupt) stått der (Capo)
  2. Paphnuzzi, Bafnudsi = linkischa, drollicha Mensch (nåch'n Ignaz Franz Castelli); Salamucci = weanerisch füa Salamivakäufa
  3. de Statue von da Braut aus Gips
  4. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 209.
  5. Rauberessig, Räuberessig = Pestessig, håt friaha ois Schutzmitt'l geg'n aunsteckende Kraunkheit'n goit'n
  6. Schwalbenwasser = aus junge Schwoib'n destilliert's Wåssa, friaha ois Aqua hirundinum in dene Apothek'n vakauft, schau in Zedlers Universallexikon, S. 529.
  7. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 230.
  8. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 260.
  9. Inhoitsaungob bei Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 482–486.
  10. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 488–490.
  11. Otto Rommel: Nestroys Werke. S. XXVII, XXIX, XXXIII.