Der Tritschtratsch

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Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschrim worn.
Daten
Titl: Der Tritschtratsch[1]
Goddung: Locale Posse mit Gesang in 1 Ackte
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Literarische Voarlog: Die Klatschereyen von Louis Angel
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1833
Uaauffiahrung: 20. November 1833
Oat vo da Uaauffiahrung: Theater an der Wien in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: Die Handlung spielt in einer Vorstadt Wiens
Personen
  • Inspector Wurm
  • Marie, seine Tochter
  • Madame Grüneberger, eine Berlinerin
  • Gottlieb Fiedler, ihr Neffe
  • Mamsell Katton,[2] Mamsell Charlott, Mamsell Babett,[3] Mamsell Nanett, Mamsell Christin, Putzmacherinnen[4]
  • Sebastian Tratschmiedl,[5] Tabackkrämer[6]
  • Frank
  • Gäste beym Verlobungsfeste

Der Tritschtratsch is a locale Posse mit Gesang in 1 Ackte vom Johann Nestroy. Se is aum 20. Novemba 1833 zum Vortheile des von Seiner Excellenz dem Herrn Grafen Ferdinand von Pálffy gegründeten und von einer hohen Landesstelle sanktionirten Pensions-Institutes uraufgfüaht wua'n.

Inhoit[VE | Weakln]

Nestroy ois Tratschmiedl (Ölbild 1866, von Franz Gaul)

De fünf Putzmåcher-„Freundinna“ zareiß'n si in Mund üwa de Valobung von da Marie mit'n Gottlieb. Auf da Suach' nåch an dunkl'n Punkt in dera Liabschåft, üwa de's gaunz neidich san, is eahna da g'schwätziche Towochkvakäufa Tratschmiedl a ries'n Untastützung. Dea låsst nämli in gaunz'n Tåg sei Mundweak renna:

„Meine Knabenjahre angefüllt mit mehreren Kleiderbeschmutzenden, Fensterzerschlagenen, Schulstürzengegangenen,[7] Schopfgebeutelten, Buckelzerhauten und anderen bubentlichen Kleinigkeiten will ich ihrer uninteressanten Zartheit wegen verschweigen, […]“ (10. Scene)[8]

Nåch an Gespräch mit'n Frank, dea si unvuasichtichaweis ois da woahre Voda von da Marie bezeichn't, trågt da Tratschmiedl de Sensateaun, dass de Marie goa net in Wurm sei Tochta is, safuat unta de Klåtschbas'n, damit's weida dazöht wiad. Aa de Tant' vom Gottlieb, de Madame Grüneberger, a Berlinarin, de z'weg'n ihra daumolich'n Hochzeit amoi nåch Wean zuag'rast is, entrüst't si desweg'n:

„Na, und ich werde niemals zugeben, dass mein Neveu ein Mädchen heirathen thut, das keinen Vater nicht hat.“ (19. Scene)[9]

Wia de Marie de hintafotzich'n Plåppamäula zua Red' stöllt, streit'n olle oh, de easchte g'wes'n z'sei und schiab'n de Schuid auf'n Tratschmiedl. Owa trotzdem san's olle schåd'nfroh, weu da Gottlieb z'eascht da Tant' nåchgibt und jå jetzt'n de Valobung unmeglich sei miassat. Wia owa da Frank si dem Gottlieb ois unhamli vamögenda Voda zum eakenna gibt und in Gottlieb, dea wo se schließli do zua Marie bekaunnt håt, a Mitgift von 50.000 Guid'n zuasågt, foi'n olle Neidainna entsetzt in Ohnmåcht und gratulia'n daunn mit vabissane G'sichta:

„Ich muss sagen, der ihr Glück / Zürnt mich, dass ich erstick,
Ich weiß nicht wie mir gschicht / Das ist dumm, ich fall um.
In ein Wagen wird sie fahrn / Wier gehn z' Fuss wie die Narrn.
Sackerlot, Sackerlot, ja das is mein Tod.“ (Schluss-Quodlibet)[10]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

Nestroy ois Tratschmiedl; Fotografie, um 1860

De Vzualåg zum Nestroy sein Stückl woa des Vaudeville Die Klatschereien[11] von Louis Angely, uraufg'füaht aum 24. März 1826 im Königsstädtischen Theater in Berlin. Da Nestroy håt se ziemli genau draun g'hoit'n, olladings in Text kräftich z'saummg'stutzt und des Berlina Lokalkolorit, gaunz b'sundas de Språch', ins Weanerische üwatråg'n – mit Ausnauhm' von da Madame Grüneberger, de jå a zuag'rast'n Berlinarin is. Bei da eascht'n Auffüahrung is in Nestroy sei Nauman ois Autor no net auf'm Theatazed'n g'staund'n, eascht åb da zweit'n Vuastöllung is ea g'naunnt wua'n („Für diese Bühne bearbeitet von Johann Nestroy“).[12] Olladings håt da Direkta Carl Carl scho bei de Vuaaunkündigunga dafüa g'suagt, dass des Publekum und de Kritika Bescheid g'wusst hau'm.[13]

Füa de Premier' in Wean woa da Lübecker Frauendoastölla Doralt au'kündicht wua'n, håt owa aus unbekaunnte Gründ' daunn do net de Madame Grünberger g'spült. Weu de Einspringarin, de Frau Fehringer, offenboa de notwendiche G'saungsleistung net bringa håt kenna, håt da Nestroy des große Duett Grüneberger/Tratschmiedl auf sei' Lebensgefährtin Marie Weiler (Babett) umg'schrieb'n.

Der Tritschtratsch is imma z'saumm mit ana aundan kuaz'n Poss'n aufg'füaht wua'n. Bei da fünft'n Vuastöllung woa des Maurer-Polier Kluck's Reise von Berlin nach Wien, wobei de Paasonen von dem Vuaspaunn in'n Tritschtratsch ei'baut wua'n san – da Polier Kluck, a Hos'nroi'n[14], håt dabei de Roi'n vom Frank, dem echt'n Voda von da Marie, üwanumma.[12]

Da Nestroy håt in Tratschmiedl, da Franz Gämmerler in Gottlieb Fiedler, da Ignaz Stahl in Inspektor Wurm, de Marie Weiler de Mamsell Babett, de Eleonore Condorussi de Mamsell Charlott und de Elise Zöllner de Mamsell Katton g'spült. Da Wenzel Scholz håt nua in da fünft'n Vuastöllung a Roi'n g'håbt, nämli in Maurerg'söll'n Schneck.[12]

Zeidungskritik[VE | Weakln]

De Zeidungskritik'n woa'n teuweis' ziemli positiv, teuweis åblehnend, olle owa mit b'sundara Betonung von de ausgezeichnet'n Doastöllaleistunga.[15]

Der Wanderer håt aum 22. Novemba 1833 (Nr. 326, S. 4.) g'schrieb'n:

„Eine Tochter, die doch eingentlich keine Tochter ist, ein Chor plapperhafter Marchande de Modes-Demoisellen[16] und ein redseliger, intriguanter Tabakkrämer sind die Hauptingredienzien dieser Posse, die theils durch Hrn. Nestroys komisches Spiel, theils durch ein Duett und ein Quodlibet-Finale recht viel Lachen erregte. Hr. Nestroy wurde nach dem Duett mit Dlle.[17] Weiler und am Schlusse gerufen.“

Vuasichtich freindli håt si in Adolf Bäuerle sei Wiener Theaterzeitung aum 23. Novemba (Nr. 1833, S. 942.) ausdruckt:

„Hr. Nestroy belebte die Kleinigkeit durch eine höchst wirksame Komik, die Schauspielerinnen Zöllner, Frey, Weiler, Condorussi, Fehringer, Planer und Bianchi wirkten sehr entsprechend […]“

Dea ållweil Nestroy-kritische Franz Wiest håt de Doastöllung zwoa g'lobt, aum Stückl söwa olladings weniga Freud' g'håbt (Der Sammler, 30. November, S. 575 f.):

„Die Idee der Intrigue, die an einem losen Faden sich durch die Posse windet, ist alt und sehr verbraucht. […] Herr Nestroy gab den Tratschmiedl mit all der Virtuosität, welch ihn immer in chargierten Pathien so sehr auszeichnet, […] Nach dem Helden der Posse müssen wir gleich die Heldinnen, da sind die fünf Putzhändlerinnen, lobend erwähnen.“

Trivia[VE | Weakln]

Da Johann Strauss (Sohn) håt 1858 de Tritsch-Tratsch-Polka (op. 214) komponiat. Da Tit'l hängt mit da Poss'n vom Johann Nestroy und mit da gleichnaumich'n humoristisch'n Tritsch-Tratsch-Zeitung z'saumm, im NotentitLlblått wea'n dahea olle zwaa Naumansquöll'n aug'fiaht.

Von 1979 bis 1984 håt's im ORF de Sendung Tritsch Tratsch mit dene Moderatoa'n Guido Baumann und Joki Kirschner geb'n. In dera sendung håt de Karrier' von da Vera Russwurm ois Tritsch Tratsch-Mädchen aug'fungt.

Literatua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe in fünfzehn Bänden, neunter Band, Verlag von Anton Schroll & Co, Wien 1927, S. 19–60, 514–533.
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908.
  • Friedrich Walla: Johann Nestroy. Stücke 7/II. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner: Johann Nestroy. Jugend und Volk, Wien/ München 1991, ISBN 3-7141-6903-6 (formai foische ISBN), S. 1–42, 131–294.

im Netz[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. Tritschtratsch = weanerisch füa Klåtscherei, G'schwätzichkeit (nach Franz Seraph Hügel: Der Wiener Dialekt, Wien 1873)
  2. Katton, Katon = Kosenauman füa Katharina
  3. Babett = Kosenauman füa Barbara
  4. Putzmacherin = Modistinna, de hauptsächlich füa weibliche Kundinna Kopfbedeckunga (Hüat', Kåpp'n, …) und Kopfschmuck (füa Begräbnis', Hochzeit'n, Taunzg'söllschåft'n, …) heag'stölln hau'm
  5. Tratschmiedl = z'saummg'setzt aus Tratsch, G'schwätz, und Miedl, Kosenauman füa Maria, wiad wia Mirl ausg'sproch'n; Franz Seraph Hügel (s.o.) nennt's ois eine geschwätzige Person, die eigens wegen des Tratsches Besuche macht
  6. Tabackkrämer = Towochvakäufa, weanerisch: Trafikant
  7. Schulstürzen = beim Untaricht unentschuidicht föhl'n
  8. Friedrich Walla: Johann Nestroy. Stücke 7/II. S. 18.
  9. Friedrich Walla: Johann Nestroy. Stücke 7/II. S. 28.
  10. Friedrich Walla: Johann Nestroy. Stücke 7/II. S. 41.
  11. Text in Friedrich Walla: Johann Nestroy. Stücke 7/II. S. 258–294.
  12. 12,0 12,1 12,2 Faksimile der Theaterzettel in Friedrich Walla: Johann Nestroy. Stücke 7/II. S. 379–381.
  13. Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 140–142.
  14. Hos'nroi'n = Hosenrolle
  15. Friedrich Walla: Johann Nestroy. Stücke 7/II. S. 146–148. (füa des gaunze Kapit'l Zeidungskritik)
  16. marchande de modes = franz. Modistin
  17. Dem. oder Dlle. is de Åbküazung füa Demoiselle (= Fräulein), de seinazeit übliche Bezeichnung von dene unvaheirat'n Damen von an Ensemble; de vaheirat'n Schauspülerinna san mit Mad. (Madame) betit'lt wua'n