Der Affe und der Bräutigam

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Daten
Titl: Der Affe und der Bräutigam
Goddung: Posse mit Gesang in drei Akten
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Musi: Kapellmeister Georg Ott
Eascheinungsjoar: 1836
Uaauffiahrung: 23. Juli 1836
Oat vo da Uaauffiahrung: Theater an der Wien in Wean
Personen
  • Herr von Flachkopf, ein Gutsbesitzer
  • Berta, seine Tochter
  • Lisette, deren Stubenmädchen
  • Herr von Mondkalb, ein Gutsbesitzer
  • Karl Maria Tiburtius Hecht, sein Diener
  • Magister Geistreich
  • Buxbaum, Schloßgärtner bei Flachkopf
  • Genofeva, seine Tochter
  • Wilhelm von Föhrenthal, Sohn eines Rentiers aus der Stadt
  • Constantius Immerzorn, Gerichtshalter
  • Gries, Gram, Beisitzer
  • Blasius, Amtsdiener
  • Anton, Christoph, Flachkopfs Bediente
  • Tigerzahn, Inhaber einer Menagerie
  • Mamok,[1] ein Affe
  • ein Menagerieknecht
  • Gäste, Bediente, Menagerieknechte

Der Affe und der Bräutigam is a Poss'n mit G'saung in drei Akt vom Johann Nestroy. Des Stückl is 1836 entstaund'n und aum 23. Juli von dem Joahr im Theater an der Wien zum eascht'n Moi aufg'füaht wua'n.

Inhoit[VE | Weakln]

Weu da Wilhelm etliche Zauwatricks zagt, wiad a von de einfältich'n Vawaundt'n von sein Geliebt'n Berta füa'r an Hex'nmasta g'hoit'n. Aussadem mechtat da Flachkopf sei' Tochta unbedingt aun sein' Jugendfreind Mondkalb vaheirat'n. Dea vakleid't si – um dera viechanarrisch'n Berta zum imponia'n – ois Åff'. Sei Diena Hecht mant dazua:

„Sie haben lange Hände, haben ein gagerlbeinernes[2] G'stell, mit einem Wort, bei Ihnen macht's nur der Frack, sonst wären sie ganz Aff'.“ (Erster Akt, fünfzehnte Szene)[3]

Gleichzeitich is a echta Åff' aus ana Menascharie auskumma und treibt si in Flachkopf sein Haus und Goat'n umadum. Da Mondkalb, dea wo in Wilhelm eb'nfois füa'r an Hexa hoit, wiad von dem mit ewicha Vazauwarung in an Åff'n bedroht, waunn a nua'r a anzich's Wuat red't. Jetzt'n wea'n da verkleidete und da echte Åff' aundauand mitanaunda vawechs'lt und da Flachkopf prigelt ollweu in foisch'n, damit dea da Berta a Freid' måch'n soi:

„Her da, du obstinates[4] Biest, ich werd' dich lernen, den Melancholiker spielen, du sollst mir schon lebendig werden!“ (Erster Akt, dreiundzwanzigste Szene)[5]

Da echte Åff', da Mamok stühlt a kostboa's Hoisbandl, da Tigerzahn fangt in Mondkalb ei und bringt eahm in de Menascharie z'ruck und da Flachkopf lasst in Wilhelm ois Hex'nmasta vahåft'n. Da Immerzorn und da Flachkopf glaub'n, im Mamok den vazauwat'n Mondkalb zun dakenna und woi'n in Wilhelm vabrenna låss'n[6]. Eascht duach's Auftret'n vom Tigerzahn und seine Attrakteaunan wiad de Vawechslung aufkläat und de zwaa Valiabt*n kumman aa z'saumm'. Da Hecht is jetzt'n ealeichtat:

„Ich bin nur froh, daß Euer Gnaden kein Vieh sind.“ (Dritter Akt, vierzehnte Szene)[7]

Attrakteaunan auf de Vuastådtbühnan[VE | Weakln]

B'sundas im 19. Joahrhundat haum auf de Weana Vuastådtheata, b'sundas im Theater an der Wien und im Leopoldstädter Theater, Mensch'n ois Doastölla von vaschiedane Kunststück'ln an unhamlich'n Eafoig g'feiat . Bis in de späd'n 1860ga Joahr' woa des a oigemeine Auffüahrungspraxis, de wo b'sundas während de Ualaubs- und Gåstspülzeit'n von de bekaunnt'n Voiksschauspüla ois gean g'sechane Åbwechslung fungiat hau'm. Füa de Direkteaunan woa daduach des Z'saummstöll'n vom Programm vü leichta, weu Vuatrågsmasta, Improvesatoa'n, landlarische Sänga, Musik- und Zauwakinstla, Gymnastika, Tierdoastölla, Dompteua' mit echte Viecha, Ziakusleit', Tänza und Doastölla von „lebenden Bildern“ (tableaux vivants) leichta zum augaschia'n woa'n. De Einnauhman san no g'stieg'n, waunn denan Doastöllungan Einakta beig'fügt oder de Doastöllungan in an theatralisch'n Rauhman präsentiat wua'n san.

B'sundas da Direkta Carl Carl håt de Ritta- und Historiendraman mit da Hülf' von gaunze Kunstreita- und Dompteuatrupp'n eagänzt und auf de Oat „Spektakelschauspiele“ g'schåff'n – im Voiksmund „Roßkomödien“ g'hass'n. A Beispül dafüa is in Nestroy sei Weak Moppels Abentheuer (1837), in dem net nua zwaa berühmte englische Gymnastika zum sehg'n woa'n, sundan sogoa a lewendiche Giraff'n auftret'n is.[8]

Da Helmut Ahrens eawähnt, dass im Summa 1836 da Spüiplan vom Theater an der Wien duach'n Direkta Carl nåchdrücklich g'ändat wua'n woa – Akrobat'n, Gaukla, Kunstreita san in's Vuastådtheata ei'zog'n, da Ziakus hättat de Komödi vatrieb'n.[9]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

Des Weak vom Nestroy woa'r a Auftrågsoawat füa sein Direkta Carl, weu dem daumois berühmt'n Artist'n und Åff'ndoastölla Eduard Klischnigg – dea wo zum eascht'n Moi in Wean auftret'n is – a Geleg'nheit geb'n wea'n soittat, si in seina Paraderoi'n zum zeig'n. Des eigentliche Theatastückl woa drum goa net so wichtich, weu jå da Hauptpunkt de Kunststickl'n vom Gymnastika Klischnigg g'wes'n san. Owa dennoch håt in Nestroy sei Stückl vü meah Qualetät g'håbt, ois wia so maunche Vuagänga und Nåchmåcha, weul ea's g'schåfft håt, de Figua vom Åff'n in de Haundlung einez'bringa und b'sundas mit dene Varwechslungsszenan a stoake Spaunnung zum schåff'n.

Da Nestroy håt in Diena Hecht, da Wenzel Scholz in Gutsbesitza Mondkalb, da Franz Gämmerler in Wilhelm von Föhrenthal, da Friedrich Hopp in Gerichtshoita Immerzorn, da Ignaz Stahl in Herrn von Flachkopf, da Eduard Klischnigg in Åff'n Mamok g'spüit. 49-moi is des Stückl in ana Tour bråcht wua'n.

Bei da Premiere woa'n da Könich beider Sizilien Ferdinand II., sei Gattin Maria Christina von Savoyen, da Eazheazog Franz Karl von Österreich mit seina Gattin Sophie Friederike von Bayern (Voda und Muatta vom späda'n Kaisa Franz Joseph I.) und de Eazheazogin Maria Klementine dabei.

Mit'n Ohtret'n vom Klischniggs von da Bühne woa'n aa de groß'n Eafoig' von de „Affenkomödien“ vabei, weu's trotz mauncha Vasuach' kan gleichweatich'n Nåchfoiga geb'n håt. Owa aa ohne an Åff'nartist'n is in Nestroy sei Poss'n gean g'sehg'n blieb'n, so is nåch an Bericht in da Wiener Theaterzeitung vom 12. Dezemba 1858 des Stückl im Weana Thalia-Theater zum greßt'n Eafoig in dem Joahr wua'n. Im Joahr 1903 is in Brixen a beoawatete Veaseaun unta'n Tit'l Der Schwarzkünstler vua'r an geistlich'n Publekum ois bissiche Satire auf den bei de Klerika daumois vahåsst'n Charles Darwin g'spüit wua'n.[10]

Ka anzich's Origenäu- oda Theatamanuskript is eahoit'n blieb'n. Da Text stützt se auf de easchte druckte Nestroy-G'saumtausgåb vom Ludwig Ganghofer und vom Vinzenz Chiavacci (Nestroys Gesammelte Werke, Bonz Verlag, Stuttgart 1890). De (unvollständiche) Origenäu-Partetua vom Kapöllmasta Georg Ott is in da Wienbibliothek im Rathaus aufbewoaht. Sie besteht aus'n Schutzdeck'l, in Tit'lblad'l, dem Liad vom Hecht (1. Akt, 7. Szene: „Die erste Reis' in mein' Leben, …“), dem Duett Hecht/Genofeva (2. Akt, 8. Szene: „A Gattung von Affen zum Beispiel weiß ich, …“) und dem Quodlibet von de zwaa (3. Akt, 3. Szene: „Genofeva, dich zu meiden, …“).[11]

Zeidungskritik[VE | Weakln]

De zeitgenössisch'n Kritika haum se, wia's in Publekumsg'schmåck entsproch'n håt, vüi meah mit da Doastöllungskunst vom Klischnigg ois mit'n Stückl vom Nestroy beschäfticht.[12]

In da Wiener Theaterzeitung vom Adolf Bäuerle håt da Rezensent Heinrich Adami glei nåch da Auffüahrung g'schrieb'n:

„An und für sich hat wohl die Posse keinen Wert und darf auch mit dem, was Nestroy bisher leistete, weder verglichen, noch nach gleichem Maßstabe beurteilt werden, allein für ein Gelegenheitsstück mag sie immerhin als eine nicht mißlungene Arbeit anzusehen sein, und den Anforderungen eines zur Unterhaltung aufgelegten Publikums genügen. […] Als eine in der Tat außerordentliche Erscheinung zeigte sich der aus vielfachen auswärtigen Berichten uns angerühmte und nun zum ersten Male auch in Wien aufgetretene Affendarsteller Herr Klischnigg. […] Seine Behendigkeit, die Biegsamkeit und Gelenkigkeit seiner Gliedmaßen sind erstaunlich und übertreffen alles, was bisher in der Art in Wien gesehen wurde.“

Der Sammler håt aum 30. Juli vameakt – nåch ana Jaummarei drüwa, dass dee Oat von Untahoitung aus Paris de deitsch'n Bühnan stoak beeinflusst:

„Wer nicht selbst sich die kleine Mühe nimmt, einen Abend zu opfern, der würde geradezu für unmöglich halten, was man ihm von der Vorstellung Klischniggs sagen möchte. Diese Schnelligkeit, diese Behendigkeit, diese federballmäßige légèreté[13] sind dem menschlichen Auge unbegreiflich. […] Die Posse selbst gehört unter die Klasse der besseren Erzeugnisse des Herrn Nestroy. Die Lösung des Knotens ist nicht unwirksam gegriffen, die Affen-Metamorphose äußerst drollig und gut, von angenehmen Situationen durchwürzt.“

Aum 1. August 1836 woa'r in da Wiener Zeitschrift zum les'n, es hättat si bei dem Stückl um a gelungane „Gelegenheitsposse“ g'haund'lt:

„Herr Nestroy hat sich als ein geschickter Mann aus der Affäre gezogen und eine sehr ergötzliche Posse geschrieben, die ihrem Zwecke vollkommen entspricht, ohne zum bloßen Kanevas[14] herabzusinken, in welchen bloß die Künste des gastierenden Affen als auffrischende Dessins eingewebt sind. […] Von den Darstellern wird natürlich in erster Linie der ‚erste Mimiker der Theater in Paris und London‘ gebührend gelobt.“

In olle Kritik'n is neb'n in Herrn Klischnigg aa de publekumswiaksaume Doastöllungskunst von de aundan Schauspüla eawähnt wua'n.

Spätare Fåchkritik[VE | Weakln]

Beim Helmut Ahrens wiad festg'stöit, dass' net gråd füa'n guat'n G'schmåck vom Vuastådt-Publekum g'sproch'n hättat, waunn's in Klischnigg seine Åff'nkunststückln beklåtscht haum, si owa füa'n Nestroy sei nächst's Weak, Eine Wohnung ist zu vermiethen in der Stadt (1837), iwahaupts net begeistan håt kenna. De hoamlose Åff'nkomödi is bessa aufg'numma wua'n, ois wia'r a Stückl, des wås eahna vü zu deitli in Spiag'l vuag'hoit'n håt.[9]

Da Otto Rommel nennt des Stückl a „echte, durch kein Moralisieren und Dozieren verfälschte Posse“, de wo's Hauptmotiv von da Harlekinade – da Voda wü de Tochta geg'n iah'n Gusto aun a oid's Maunnsbüid verheirat'n – sogoa in de artistische Komödi einetråg'n hättat.[10]

Text[VE | Weakln]

Literatua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe in fünfzehn Bänden, neunter Band, Verlag von Anton Schroll & Co, Wien 1927, S. 185–266, 575–590.
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908.

im Netz[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. Mamok = kummt vom französisch'n je m'en moque, des is ma wuascht
  2. gagerlbeinig = vaoiltata weanerischa Ausdruck füa vadrahte, schief g'wåchsene Füaß (nåch Franz Seraph Hügel: Der Wiener Dialekt, Wien 1873)
  3. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 206.
  4. obstinat = eigensinnich, hoisstoarrich; schau bei wikt:obstinat
  5. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 216.
  6. mit'n End' vom 18. Joahrhundat san zwoa de Hex'nprozess' aus de Stråfgesetzbüacha entfeant wua'n, owa no 1863 is in da Allgemeinen Kirchenzeitung von ana Hex'nvabrennung im Banat berichtet wua'n
  7. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 266.
  8. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 575–581. (für das ganze Kapitel Menschendarstellungen auf den Vorstadtbühnen)
  9. 9,0 9,1 Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 191.
  10. 10,0 10,1 Otto Rommel: Nestroys Werke. S. XLVII–XLIX.
  11. Wienbibliothek im Rathaus Interne ID-Nr. LQH0258315
  12. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 581–586. (für das ganze Kapitel Zeitgenössische Rezeptionen)
  13. légèreté = französisch für Leichtigkeit
  14. Kanevas = gitterartiges Leinengewebe als Grundlage für Stickereien