Der gutmüthige Teufel

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Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschrim worn.
Daten
Titl: Der gutmüthige Teufel
Originaltitl: Der gutmüthige Teufel oder Die Geschichte vom Bauer und von der Bäuerin[n]
Goddung: Zauberspiel mit Gesang und Tanz in 1 Ackt nach einer Volkssage
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Musi: Carl Binder
Eascheinungsjoar: 1851
Uaauffiahrung: 20. Dezember 1851
Oat vo da Uaauffiahrung: Carltheater in Wean
Personen
  • Luzifer
  • Satanas, sein Sekretair
  • Belzebub
  • Fulminaria, Luzifers Gemahlin
  • Hydra, eine Furie
  • 1ster, 2ter Höllengeist
  • der Bauer
  • die Bäuerin
  • die Alte
  • der Knecht
  • Höllengeister, Furien, Knechte, Mägde, Nachbarn, Nachbarinnen

Der gutmüthige Teufel oder Die Geschichte vom Bauer und von der Bäuerin[n] is ein Zauberspiel mit Gesang und Tanz in 1 Ackt nach einer Volkssage und vamutli vom Johann Nestroy vafåsst. De Easchtauffüahrung woa'r anonym aum 20. Dezemba 1851 im Weana Carltheater ois Benefizvuastöllung füa'n Wenzel Scholz.

Inhoit[VE | Weakln]

  • De Höi'nszenan san in – meist åbsichtlich skurril g'reimte – Veas' g'schrieb'n, de Szenan auf da'r Ead'n in Prosa.

Dea påtschate Teife Belzebub håt den Auftråg kriagt, dass innahoib von drei Jahrln a glicklich vaheirat's Bauanpaarl duach eahm ausanaunda bråcht wiad. Aun dera Aufgåb is a g'scheitat, aa desweg'n, weul a peasönliche G'füih' entwick'lt håt:

„Aus Privatliebe; das Weiberl hat mir's angetan.“ (Scene 7)[1]

Da Luzifer und de Fulminaria hau'm vua drei Joahr um a zwöifspaunniche Dråch'n-Kutsch'n g'wett', ob de Vafüahrung gelingan wiad, wobei de Fulminaria behaupt't, es wearat misslinga. Um dees do no zum ändan, schickt da Luzifer in Belzebub z'saumm mit sein Sekretäa Satanas no amoi auf d' Ead'n z'ruck. Duat'n dakennt da Satanas g'schwind, dass de zwaa valiabt'n Eheleit' schwaa zum ausanaunda z' bringan sein wea'n, drum bitt' a de Oide, a beese Hex', dass' eahm hüift. De is safuat dazua bereit:

„Die Nächstenlieb' ist meine schwache Seiten, wann die lieben Nächsten nicht wärn, man wüßt' gar nicht, wem man was anthun sollt.“ (Scene 8)[2]

Se måcht de Bäuarin eifasüchtich und red't iah ei, de Untreu von iah'n Mau zum ohschneid'n: Dazua muass' eahm, waunn a schlåft, mit sein Balwiamessa (Rasiamessa) üwa de Guag'l foah'n, natüali nua mit'n Messaruck'n und da Schneid dabei nåch ob'n, und dazua'r a Vataunsa bet'n. Dem Bauan redt' de Oide ei, sei Frau betrüagat eahm mit'n Knecht und mecht eahm im Schlåf umbringa:

„So, den Saamen hab' ich ausg'säät, 's Aufgehn und 's Fruchttragn das kommt von selber!“ (Scene 14)[3]

Da Satanas is begeistat üwa de Boshhåftichkeit, da Belzebub is nåch wia vua'r üwazeicht davau, zwaa guate Mensch'n kenntat ma net ausanaundabringa. In an Couplet behaupt'n de zwaa Teife'n eahnare untaschiedlich'n Staundpunkt':

Satanas: „Die Menschen sein schlecht, sein schlecht, sein schlecht!“
Belzebub: „Die Menschen sein gut, sein gut, sein gut!“ (Scene 14)[4]

Es schaugt so aus, ois waunn da Plan von da Oid'n funkteaunia'n tatat, da Baua datåppt de Bäuarin beim vameintlich'n Moadvasuach, mechtat iah'n Eakläarungsvasuach üwahaupts net auhuach'n und jauckt's aus'n Haus. Wia da Satanas dera Oid'n de vasprochane Belauhnung bringt und de zwaa üwa den Streich låch'n, suagt da Belzebub dafüa, dass da Baua zuahuach'n kau. Dear dakennt endli sei Bleedheit und kau gråd no sei Frau rett'n, de wo aus Vazweiflung ins Wåssa springa mecht. Ea mecht mit seine Dienstbot'n und mit de Nåchboa'n de Oide umbringa, owa se kumman z' spät. Da Belzebub hoit si de Oide und foaht mit dera vazweiföt umadum schreiat'n und straumplat'n Hex' in d' Höi owe. Da Baua is füa'r imma bekeaht:

„Wir wollen künftig nie mehr von einander was glauben, als was wir mit eigenen Augen sehen, dann kann uns selbst die Höll nix anhaben!“(Scene 33)[5]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

Da Stoff von dem Weak staummt aus ana reich'n voikstümlich'n Traditeaun.[6] Des Motiv von da Rasiamessaprob' kummt aa im Salzburger Hexenspiel[7] vua, wo's olladings im Geg'nsåtz zum guat'n Ausgaung im Gutmüthigen Teufel mit Moad aun da Frau und Söibstmoad vom Mau endet. Da Hans Sachs håt in sein Der Teufel mit dem alten Weib (1545) des Ausanaundageh'n von dem glücklich'n Paarl afåch nua duach beese Eiflüstarungan eakläat.

De tåtsächliche Quöi'n düaftat owa de sag'nhåfte G'schicht' Der Teufel und ein altes Weib. Eine alte Geschichte neu erzählt vom Karl Herloßsohn sei, de 1846 ois Fuatsetzung in de Fliegenden Blätter (Heftnumman 217 und 218) erschienan is. De wichtichst'n Motiv aus dera Poss'n san då drin bereits zum find'n. An Untaschied is de in dera G'schicht' unglicklich ohg'schlossane Haundlung, wäahrend in da Poss'n vom Nestroy a vasöhnlicha Schluss g'fund'n wiad.[8]

De Wett' im Zauwareich (doda in da Höi zwisch'n in Lucifer und da Fulminaria) is vom Nestroy ois Rauhmanhaundlung imma wieda vawend't wua'n, wia zum Beispüi in Der Feenball (1833), Der böse Geist Lumpacivagabundus (1833), und aundere Stückln. Trotzdem is sei Uahewaschåft net unbestritt'n, weu nämli kane eig'nhändich'n Manuskript' oda Vuaroawat'n zum find'n san. Ois anzicha Beleg güit bishea nua sei Roi'nbüachl (Satanas) mit eig'nhändiche Vameak', b'sundas mit da Ausfüahrung von dem Monolog in Szene 27 sowia'r aniche Couplettext'. Da Franz Carl Weidmann håt olladings in seina Schrift Wenzel Scholz, Erinnerungen (Wien 1857, S. 20) no zum Nestroy seine Lebzeit'n eahm ausdrücklich ois Autoa bezeichn't.[9]

Des Stückl is aum 20. Dezemba 1851 z'saumman mit da Poss'n Die schwarze Frau vom mKarl Meislm in ana Benefizvuastöllung füa'n Wenzel Scholz aufg'füaht wua'n. Da Johann Nestroy håt den Satanas, da Alois Grois den Bauarn, de Emma Zöllner die Bäuarin und da Benefiziant Wenzel Scholz den Belzebub g'spüit. Es woa des – im Septemba 1857 – de letzte Roi'n, in dera da Scholz auf da Bühne g'staund'n is, bevua'r a aum 5. Oktoba 1857 g'stuab'n is.

Des Stückl is daunn no aum 21. und 28. Dezemba aufg'füaht und eascht nåch ana länga'n Pause in de beliabt'n Kuaz-Poss'n-Vuafüahrungan vom Karl Treumann wiedarum g'spüit wua'n, åb 1860 daunn in Treumann sein Theater am Franz-Josefs-Kai (Treumann-Theater).

De Origenäuhaundschrift is valua'n gaunga, des Zensuabüachl von fremda Haund trågt den Tit'l Die Geschichte vom Bauer und von der Bäuerin ohne Vafåssaaugåb'. Von zweita Haund is da Tit'l eagänzt wua'n mit Der gutmüthige Teufel oder... De Manuskriptkopie, mit an Zensuavameak vom 19. Dezemba 1851, is im Archiv vom Carltheater unta da Bezeichnung Copia Nr. 243½ aufbewoaht g'wes'n.[10]

Des Souflirbuch Nr. 243 aus'n Besitz vom Alois Grois, eb'nfois von fremda Haund, trågt den Tit'l Der gemüthliche Teufel oder Die Geschichte vom Bauer und von der Bäuerinn.[11]

Des anziche eahoitane Manuskript mit eig'nhändiche Eitrågungan vom Nestroy ist des Roi'nbüachl vom Satanas; auf'n Tit'lbladl is a Zeichnung (Nestroy ois Satanas?) und da (korregiate) Tit'l Der gutmüthige gemüthliche Teufel oder die Geschichte vom Bauern und von der Bäuerin; aum End vom Tit'l is a dick's Kreiz und da Vameak C.(T).Nestroi 20/12 51 auff (T) 18/12 P[ro]be aubråcht.[12]

Im aumtlich'n Repertoa-Büachl vom Leopoldstädter Theater is des Stückl unta Der gutmütige Teufel g'füaht und da Alois Grois ois Vafåssa g'naunnt wua'n. Es is zw0a bewies'n, dass da Grois Ändarungan vuag'numma håt, de Autoa'nschåft vom Nestroy wiad olladings von da Fåchwöit net bezweifet.[13]

A Partetua vom Carl Binder mi'n Tit'l Lf. Nro 782. Der Gemüthliche Teufel. Musick von Kapellmeister Carl Binder is eb'nfois no då. Då drin find'n si Auffüahrungsdat'n und Besuchazoih'n in Binder seina Haundschrift, sowia de späda duachg'strichane Signatua vom Carltheater C.T. 194.[14]

Zeidungskritik[VE | Weakln]

Weu de Uarauffüahrung zum Vuateu füa den in Wean seah beliabt'n Komika Wenzel Scholz ståttg'fund'n håt, is nåch zeitgenössische Bericht' da Text von dem Stückl in dera füa de Scholzisch'n Benefizvuastöllungan üblich'n lautstoak'n Dulliöh-(= guat aufg'legt'n)-Stimmung totäul untagaunga (schaug im Kapit'l Spätare Fåchkritik). De schlechte Kritik woa drum meglichaweis' aa unta dem G'sichtspunkt zum sehg'n, dass si vamutlich ka Kritika z'weg'n dem Läam a wiaklich's Büid håt måch'n kenna. Üwaroi g'lobt is de Doastöllungskunst vom Benefizianten und vom Nestroy wua'n.[15]

Aum 21. Dezemba 1851 håt des Fremden-Blatt (3. Jg., Nr. 303) a beese Kritik bråcht:

„So sehr wir den Charakter Belzebubs loben müssen, eben so herzlich schlecht finden wir sein Stück, und wir hätten nicht geglaubt, daß in der Teufelsküche zu zähe Speisen gebraten wird.“

Der Wanderer håt aum 22. Dezemba (Nr. 581) a genauso grausliche Kritik g'schrieb'n:

„[…] das neue einactige Stück ‚Der gemüthliche Teufel‘, dessen Verfasser die Vorsicht beobachtete, ungenannt zu bleiben, hat ein so eclatantes Fiasco gemacht, daß es an Unsinn und Langeweile Alles übertrifft, was die Vorstadtbühnen seit langer Zeit an Schofel[16] gebracht hatten.“

De Wiener Theaterzeitung vom Adolf Bäuerle håt eb'nfois auf de ungünstich'n Umständ bei de Scholz-Benefizvuastöllungan ois Grund füa'n Duachfoi hig'wies'n, nennt des Stückl owa'r aussadem „ein elendes Machwerk“ (Zitat), des volla Unsinn und Dummheit warat und drum mit Recht auszischt wua'n is. Der Österreichische Zuschauer stöit immahin fest, dass da Åb'nd duach'n Nestroy sei „unverwüstliche Komik vor dem unvermeidlichen Falle“ (Zitat) bewoaht g'wes'n is.

Spätare Fåchkritik[VE | Weakln]

Beim Otto Rommel wiad üwa de Problem' bei de Scholzisch'n Benefizvuastöllungan und üwa'n Grund füa de anonyme Auffüahrung vom Gutmüthigen Teufel vameakt:

„Frdr. Kaiser erzählt[17] und viele zeitgenössische Rezensionen bestätigen, daß die Unsitte eingerissen war, die Stücke, welche an Scholz' Benefizabenden gegeben wurden, erbarmungslos auszupfeifen, dem Schauspieler aber zu huldigen. So kam es, daß kein Autor von Ruf mehr ein Stück für Scholz' Benefizabende hergab, und Scholz sich mit dem elendesten Stoppelwerk zufrieden geben mußte. Auch Nestroy mochte seinen Namen nicht auf den Theaterzettel eines Scholzischen Benefizstückes setzen.“

Da Rommel füaht übrig'ns in Hans Sach sei Der Teufel und das alte Weib ois Vualåg füa'n Nestroy sei Weak au.[18]

Da Helmut Ahrens nennt des Stückl „als Zauberspiel ausgegebenes Possentreiben“ (Zitat). Da Nestroy hättat si wiedarum amoi sei Roi'n ois Untagebana, ois Diena auf'n Leib g'schrieb'n, waunn a'r ois Satanas ironisch maant:

„Und trotz meiner hohen Stellung als Sekretär […]“ (Scene 1)[19]

B'sundare Wiakung hättat des Couplet in da 15. Szene zwisch'n dem laungan, üwaschlaunk'n Nestroy und dem klanan, dick'n Scholz g'håbt.[20]

Da Siegfried Diehl nennt des Kapit'el, in dem a den „gutmüthigen Teufel“ behaund'lt, „Zauberreich des Skeptikers“. Es warat de Demontasch von dera vameintlich'n jenseitich'n Wöit, in dem Foi von da Höi, damit's ois gaunz menschliche Eirichtung mit iadische Bräuch' und Sitt'n parodiat wea'n kau. De eig'ntliche Moräu üwa de schädlich'n Foig'n von an leichtfeatich'n Owaglaub'n tät si daduach in a varruckt-witziche Sichtweis' vakeah'n.[21]

Literatua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0.
  • Hugo Aust (Hrsg.): Johann Nestroy, Stücke 30. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner/Walter Obermaier/W. Edgar Yates: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Franz Deuticke Verlagsgesellschaft, Wien 2001, ISBN 3-216-30348-9.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, vierzehnter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1930.
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908.

im Netz[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 131.
  2. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 132.
  3. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 140.
  4. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 140–142.
  5. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 158.
  6. Reinhold Köhler: Kleinere Schriften zur Neueren Literaturgeschichte, Volkskunde und Wortforschung. III. Band, Johannes Bolte, Berlin 1900; S. 12.
  7. publeziat 1895 in da Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde, Heft I, S. 43 ff.
  8. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 520–521.
  9. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 516–517.
  10. Österreichische Nationalbibliothek Theatermuseum, Signatur CarlTh T 14a.
  11. Österreichische Nationalbibliothek Theatermuseum, Signatur CarlTh T 14b.
  12. Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur I.N. I b 115.964.
  13. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 621–622.
  14. Österreichische Nationalbibliothek Musiksammlung, Signatur s.m. 8280..
  15. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 523–525. (füa's gaunze Kapit'l Zeidungskritik)
  16. Schofel = rotwelsch füa'r a wealtloses Zeug; von hebräisch šāfāl = niedrig, gemein
  17. in seina Biographie Theaterdirektor Carl (1854)
  18. Rommel: Nestroys Werke. S. LXXIX, Fußnote 3.
  19. Aust: Johann Nestroy, Stücke 30. S. 121.
  20. Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. S. 329.
  21. Siegfried Diehl: Zauberei und Satire im Frühwerk Nestroys. Bad Homburg vor der Höhe, Berlin, Zürich 1969, S. 158 f.