Die Gleichheit der Jahre

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Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschrim worn.
Daten
Titl: Die Gleichheit der Jahre
Goddung: Local-Posse in vier Abtheilungen
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Literarische Voarlog: Die Schlossmamsell von Karl Gottlieb Prätzel
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1833
Uaauffiahrung: 8. Oktober 1834
Oat vo da Uaauffiahrung: Carl-Theater in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: 1ste Abtheilung: Die Handlung geht theils in dem kleinen Städtchen Kobelsbach, theils in einem, eine Meile davon entfernten Dorfe vor

2te Abtheilung: Die Handlung spielt in Kobelsbach
3te Abtheilung: Die Handlung geht in der Herrschaft Steinthal vor
4te Abtheilung: Die Handlung geht in Kobelsbach, und zwar ein Jahr später als die 3te Abtheilung vor

Personen

1ste Abtheilung:

  • Herr von Hirschwald, Oberforstmeister in Kobelsbach
  • Ursula, dessen Haushälterin
  • Mamsell Regina Geldkatz,[1] eine Capitalistinn[2], Einwohnerin von Kobelsbach
  • Madam Tritschtratsch, Madam Plappermühl, Madam Redhaus, Einwohnerinnen von Kobelsbach
  • Schladriwux,[3] Schranckenzieher in Kobelsbach
  • ein Bothe
  • Miller, Verwalter der Herrschaft Steinthal
  • Eduard, Sohn des Zolleinnehmers Strizl[4] von Kobelsbach
  • Fest, Dorfrichter
  • Schlag, Dorfwachter[5]
  • Geissl, ein Landkutscher
  • Steffel, ein Kellner
  • mehrere Honoratioren aus Kobelsbach, mehrere Bauern

2te Abtheilung:

  • Herr von Hirschwald
  • Mamsell Regina Geldkatz
  • Nanett, ihr Stubenmädchen
  • Christoph Strizl, Zolleinnehmer in Kobelsbach
  • Crescentia, seine Gattinn
  • Eduard, beyder Sohn
  • Zettermann, Lederermeister,[6] Crescentiens Bruder
  • Schladriwux, Schranckenzieher
  • Susanne, Dienstmagd des Zolleinnehmers
  • Notarius Kupferberg
  • Madam Tritschtratsch
  • Madam Plappermühl
  • Madam Redhaus
  • mehrere Honoratioren von Kobelsbach samt Frauen

3te Abtheilung:

  • Herr von Steinthal, ein reicher Gutsbesitzer
  • Frau von Steinthal, dessen Gemahlin
  • Miller, Verwalter in Diensten des Herrn von Steinthal
  • Amalie, seine Tochter
  • Capitain Brand, ein Verwandter der Frau von Steinthal
  • Corporal Sturm
  • Margareth, Magd des Verwalters
  • Hanns, Jacob, Bauernpurschen von der Herrschaft Steinthal
  • Lise, Hannchen, Bauernmädchen von der Herrschaft Steinthal
  • Eduard
  • Schladriwux
  • Landleute, Soldaten

4te Abtheilung:

  • Christoph Strizl, Zolleinnehmer
  • Crescentia, seine Gattinn
  • Eduard, beyder Sohn
  • Susanne, Magd des Zolleinnehmers
  • Candidat Schwarz
  • Schladriwux
  • Mamsell Regin
  • Erster, zweyter, dritter, vierter Träger
  • Herr von Steinthal
  • Frau von Steinthal
  • Miller, Verwalter
  • Amalie, seine Tochter
  • Herr von Hirschwald
  • Ursula
  • ein Bube, ein Pursche, zwey Postillons, mehrere Bediente und Jäger des Herrn von Steinthal

Die Gleichheit der Jahre is a Local-Posse in vier Abtheilungen vom Johann Nestroy aus'm Joahr 1833. Des Stückl is eascht aum 8. Oktoba1834 aum Carl-Theater in Wean unta'm Autor'n-Pseudonym Herr von Dreger aufg'füaht wua' n. Da Grund füa de späte Auffüahrung woa da große Eafoig von de eb'nfois 1833 entstaundanan zwaa Stückl'n Der böse Geist Lumpacivagabundus und Robert der Teuxel.

De uasprüngliche Fassung von Die Gleichheit der Jahre, a Zauwaposs'n, håt in Tit'l Das Verlobungsfest im Feenreiche oder Die Gleichheit der Jahre tråg'n und is nia aufg'füaht wua'n.

Inhoit[VE | Weakln]

1ste Abtheilung: Der 29ste Geburtstag und der Landkutscher

De Regina feiat aungeblich in 29. Gebuatståg, owa dea Schwind'l wiad aufdeckt. Da Hirschwald måcht ihra an Heiratsauntråg, den's mit'n Hinweis auf sei Oita åblehnt. Da Schladriwux wüll sei Ursula aa net heirat'n, weu's eahm aa z'oit wua'n is. A Vatråg wiad g'måcht: Soitat'n de Regina und da Schladriwux net innahoib von an Joahr jeweuls an jünga'n Ehepartna find'n, wea'n 's in Hirschwald und de Ursula ois Ehepartna nehma miass'n.

Inzwisch'n vasucht da Eduard, an Laundkutscha zum auschmia'n, wås zwoa misslingt, owa da Miller hülft eahm aus dera Valeg'nheit. Da Miller suacht nämli in Eduard, damit a eahm auf's Gut vom Herrn von Steinthal bringa kaunn, weul dea eahm füa de Pfleg von sein Sohn in ana schwar'n Kraunkheit daunk'n mechtat.

2te Abtheilung: Beraubung und Verlobung

Da Zolleinnehma Schlagmayer entdeckt, dass 1000 Guid'n Mautgölda aus sein' Schraunk g'stoih'n wua'n san. De „hülfreiche“ Nåchbarin Madame Regina wüll eahm des Göld leich'n, ois Geg'nleistung valaungt's de Valobung mit sein' Sohn Eduard. Dea is g'schwind einvastaund'n, de reiche Braut zum nehma, wuascht wia oid is in wia's ausschaut. De Hochzeit soitat in an Joahr ståttfind'n, waunn da Eduard seine Studien ohg'schloss'n håt. Olle zwaa untaschreib'n an Ehekontrakt.

3te Abtheilung: Liebe und Verzweiflung

Da Eduard und da Schladriwux wohnan im Schloss vom Herrn von Steinthal. Duat'n stöllt da Eduard denan Bauanmadln nåch, bis a se eansthåft in de Amalie valiabt, owa da Ehekontrakt bleibt a trumm Hindanis. Da Schladriwux glaubt, dass de Amalie in eahm valiabt warat, weul's eahm bitt', z'weg'n dem Eduard no åcht Täg' länga då z'bleib'n. Da Herr von Steinthal, da Capitain Brand und da Miller san üwazeigt, dass de Regina söwa den Diabståhl inszeniat håt und woi'n dem Eduard hölf'n. Z'eascht låss'n's in Schladriwux ois aungeblich'n Desateur vahåft'n, damit's eahm loswea'n,[7] daunn heck'n's an Plan aus.

4te Abtheilung: Lange Nasen und Heurathen

Da Eduard kummt nåch Haus z'ruck und gibt se ois wüsta Räuwahauptmaunn aus. Ea nimmt den Schladriwux und de Regina duach se „Räuwabande“ g'faungan. de Regina vaspricht dem Candidaten Schwarz (in Woahrheit in Steinthal sei vakleideta Sohn) für de Rettung de Hochzeit und a Vawoitastöll'. Jetzt'n foadat da Eduard in Schwarz zum Duell, und aus lauta Aungst gesteht de Regina, dass's söwa des Göld g'stoih'n håt, um de Hochzeit mit'n Eduard zum kriag'n. Daduach wiad ollas zu an guat'n End g'füaht: da Eduard kriagt de Vawoitastöll' in Steinthal und deaf de Amalie heirat'n. Da Hirschwald und de Ursula beruf'n se auf de schriftlich'n Vasprechungan von da Regina und vom Schladriwux, de zwaa müass'n's einlös'n und de Partner nåch da „Gleichheit der Jahre“ nehma.

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

Da Nestroy håt se mit sein' Werlk ziemli genau aun de Vualåg, de Eazöhlung Die Schlossmamsell[8] vom Karl Gottlieb Prätzel (1785–1861), g'hoit'n. Olladings håt a de in da Quöll'n vuakummat'n Peasonannauman duach de bei eahm üblich'n „redenden“ Nauman easetzt,[9] so is da Zolleinnehma Laubmann zum Strizl, de oide Jungfer Jeannette Fliederbusch zua Mamsell Regina Geldkatz und da Theologiestudent Theodor z'weg'n dera Zensur zum Jurisprudenzstudent'n Eduard wua'n. Neuch eig'füaht is de Figua von dem eingebüldet'n Schranckenzieher Schladriwux ois komische Roi'n und Gegenpart zum Eduard.

Füa de Bühnanveaseon is da Naum' Schladriwux in Pudelkopf vaändat wua'n. Uasprüngli håt da Nestroy voag'håbt, dee Roi'n söwa zum spül'n, stattdem håt ea daunn in Eduard geb'n und da Schladriwux/Pudelkopf is vom Wenzel Scholz doag'stöllt wua'n, da Friedrich Hopp håt in Zolleinnehmer Strizl, da Ignaz Stahl in Vawoita Miller, de Elise Zöllner de Magd Margareth g'spült.[10] Des Stückl is insgesaumt åchtzehnmoi aufg'füaht wua'n, a (misslungane) Wiedaaufnauhm' 1839 im Leopoldstädter Theater håt nua drei Vusstöllungan dalebt.

EA Manuskript in dera Origenäuhåndschrift vom Nestroy wiad in da Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus aufg'hob'n. Dabei san einiche stoak üwaowate Bog'n aus dera uasprünglich'n Zauwaposs'n enthoit'n, de wås in dem Manuskript deshoib föhl'n tan (schau in de Werksgeschichte duat'n).[11] De Origenäupartetur vom Adolf Müller – mit da Ausnauhm' vom Räuwachor aus da 4ten Abtheilung, 15te Scene – is duat aa zum sech'n. Dådrin is dreimoi da Nauman Schladriwux in Pudelkopf ausbessat, sunst'n steht imma scho' Pudelkopf.[12]

Untaschied' zwisch'n dene zwaa Veaseaunan[VE | Weakln]

Das Verlobungsfest im Feenreiche Die Gleichheit der Jahre
Da Eduard is a gehoasauma und drum in sei Unglick unschuidich eineg'råtana Sohn, dea wås si aus reina Kindspflicht vapflichtet füht, den unglicklich'n Ehekontrakt zum ohschliaß'n Da Eduard is a charaktalosa, nua aum Göld von seina „Braut“ intaressiata Schwindla und Tuanetguat
Sei missliche Situateaun is deshoib beklemmend und aussichtslos Ea nimmt ollas auf d'leichte Schuita, bis a si wiaklich valiabt
Ea mimt den spül- und trinkfreudich'n vabumm'lt'n Student'n Ea vakleid't si ois wüda Räuwahauptmaunn, dea wo im Haus von dene Öltan sogoa mit da Pistoi'n umadum schiaßt
Da Herr von Hirschwald fungiat imma ois Respektspeason im Hintagrund Dea vuageblich biedamännische Herr von Hirschwald find't nix dabei, de Frau Geldkatz allan z'weg'n iahn Reichtum zum umweab'n
A feenhåfta Rauhman dient dene iadisch'n Akteua'n ois „Erklärung“ von olle eahnare Föhlhaundlungan Ohne Zauwag'spül wiad ollas stäaka ois Spieg'lbüd von dene menschlich'n Charaktaschwäch'n doag'stöllt
Des Stückl ist a hoamlose Zauwaposs'n um's Thema: „Nua Oitasgenoss'n soi'n se vabind'n“ Des Stückl is wesentli aggressiva und håt ois Grundsåtz: „Letztli draht se ois ums Göld“[13]

Zeidungskritik[VE | Weakln]

De zeitgenössische Kritik is von „passabel“ bis zua Åblehnung gaunga; so håt de Modezeitung in dem Stückl den „Branntweingeist der Kneipen und niedrigsten Schenken“ g'sehg'n. Da Adolf Bäuerle håt in da Wiener Theaterzeitung aum 11. Oktober 1834 (S. 813 f.) g'schrieb'n:

„Kann man auch nicht sagen, dass der Humor hier mit seinem reinen siegenden Lichte entgegenblitzt, ist gleich die Anwendung der vorhandenen guten Kräfte und die Zusammenstellung von Dingen, die dem Publikum schon öfter gefallen haben, an dieser Posse weit lobenswerther als das vorfindliche Neue und Originelle […] Indeß gefielen, wie gesagt, die mittleren Acte besser; der Anfang und der Schluß wurden sehr lau aufgenommen.“[14]

Der Wanderer woa wesentlich kritischa und scho aum 10. Oktober woa zum les'n:

„Auf diesen Begriff [Anm.: nämlich der Vorteil der Gleichheit der Jahre bei Eheschließung] also basirt eine Handlung, die an und für sich zu überhäuft und verworren, weder Einheit des Ortes, noch der Zeit, also die Haupterfordernisse eines dramatischen Productes keineswegs aufzuweisen hat.“

Einich woa'n se olle Kritika olladings im Lob füa de guat'n Doastölla, b'sundas füa'n Wenzel Scholz und in Johann Nestroy söwa.

Spätare Fåchkritik[VE | Weakln]

Da Otto Rommel reiht des Stückl in dera Kategorie von Zauwastückln ei, „in welchen Geister leitend und helfend in das Leben der Menschen eingreifen, so dass die Geisterszenen nur einen Rahmen für die Szenen aus dem realen Leben bilden“ (Zitat). Dazua zöhlt ea aa Die Zauberreise in die Ritterzeit, Der Feenball, Der böse Geist Lumpacivagabundus, Müller, Kohlenbrenner und Sesseltrager und Die Familien Zwirn, Knieriem und Leim. In de Stückln hättat da Nestroy scho an Realismus zeigt, wiar'a kan aundan Weana Voiksdichta zu seina Zeit meglich g'wes'n warat.[15]

Brukner/Rommel stöll'n fest, dass des Weak a Beweis und a Beispiel dafüa warat, wia im Alt-Wiener Volkstheater de Poss'n, nämli doda Die Gleichheit der Jahre aus'm Zauwag'spül, nämlich doda Das Verlobungsfest im Feenreiche, entstaund'n san. Unåbhängich von ana bestimmt'n Textquöll'n warat'n de Motiv' von dera Haundlung in da Oid-Weaner Poss'nLiteratua vüfach belegt.[16]

Literatua[VE | Weakln]

  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, zweiter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1924.
  • Friedrich Walla (Hrsg.): Johann Nestroy, Stücke 7/I. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Jugend und Volk, Wien 1987, ISBN 3-7141-6905-2 (formai foische ISBN).

im Netz[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. Geldkatze = Göldböas'l, Göldgüat'l
  2. Capitalistinn = a Kapitalist woa daumois ana, dea von de Zins'n von sein Vamög'n håt leb'n könnan
  3. Schladriwux = „eine Gattung Studentengetränk“ (nåch'n Franz Seraph Hügel: Der Wiener Dialekt, Wien 1873)
  4. Strizl, vamutlich vom weanarisch'n Strizzi = Spitzbua, leichtsinnicha Buasch; eha net vom Germbåchweak Striezl
  5. Wachter = Duafpolizist
  6. Lederer = Gerber
  7. immahin a daumois mit da Todesstråf' bedroht's Vabrech'n!
  8. Text in: Friedrich Walla: Johann Nestroy, Stücke 7/I. S. 233–266.
  9. Friedrich Walla: Weinberl, Knieriem und Konsorten: Namen kein Schall und Rauch. In: Nestroyana, Blätter der Internationalen Nestroy-Gesellschaft 6. Internationale Nestroy-Gesellschaft, 1986, S. 79–89.
  10. Faksimile vom Theatazedl füa de Uraufführung in: Friedrich Walla: Johann Nestroy, Stücke 7/I. S. 182–183.
  11. Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur I.N. 33.325
  12. Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur MH 685
  13. Friedrich Walla: Johann Nestroy, Stücke 7/I. S. 193–195. (füa des gesaumte Kapit'l Untaschied')
  14. Friedrich Walla: Johann Nestroy, Stücke 7/I. S. 182–183.
  15. Otto Rommel: Nestroys Werke, Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908, S. XXVI.
  16. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 745.