Unverhofft

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Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschrim worn.
Daten
Titl: Unverhofft
Goddung: Posse mit Gesang in drei Acten
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Literarische Voarlog: Boquillon à la recherche d'un père von Jean-François Bayard
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1845
Uaauffiahrung: 23. April 1845
Oat vo da Uaauffiahrung: Theater an der Wien in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: Die Handlung spielt in einer großen Stadt[1]
Personen
  • Herr von Ledig, Partikulier[2]
  • Walzl, Fabrikant
  • Gabriele, seine Frau
  • Falk, Modewarenhändler
  • Arnold, Maler
  • Berg, Handlungsreisender in Walzls Diensten
  • Marie Falk
  • Frau Schnipps, Ledigs Haushälterin
  • Frau Nanni, Kindeswärterin[3]
  • Anton, Bedienter bei Herrn v. Walzl

Unverhofft is a Poss'n mit G'saung in drei Akt vom Johann Nestroy. Des Stückl is aum 23. April 1845 im Theater an der Wien zur Unterstützung für die durch die Wassernoth der augenblicklichen Hilfe bedürftigsten Familien Böhmens zum eascht'n Moi aufg'füaht wua'n.

Inhoit[VE | Weakln]

Wäahrend da Måla Arnold si in de Gabriele, de Gattin vom Walzl, beim Porträtian valiabt håt, is da Herr von Ledig a vabissana Jungg'söi. Aa in Arnold sei Zuared'n z'weg'n da Ehe kaunn eahn net beeindruck'n:

„Bei der Lieb is das Schöne, man kann aufhören zu lieben, wenn ’s ein’m nicht mehr gfreut, aber bei der Ehe! das Bewußtsein: Du mußt jetzt allweil verheiratht sein, schon das bringt Einen um.“ (Erster Akt, zweite Szene)[4]
von links: Grois (Falk), Walzl (Scholz), Ledig (Nestroy)

Owa plötzli wiad a Kind in seina Wauhnung ohg'legt und sogoa'r a Kindamadl stöit si bei eahm ei. De Suach nåch da Kindsmuatta bleibt z'eascht amoi vagebli.

A unlesaliche Visit'nkoat'n bringt no meahra Vawirrung, weu se staummt net von da Kindsmuatta, sundan von da Gabriele. De måcht si Suag'n um an Arnold, dea wo si nämlich z'weg'n iahra duellia'n mechtat. In Walzl sei Eifasucht kaunn nua teuweis beruhicht wea'n. Inzwisch'n is de Marie, de wo den Findling bråcht håt, beim Ledig auftaucht, rennt owa safuat wieda davau. Wia da Ledig in ana Strohhuatfabrik gaunz direkt nåch da Muatta nåchfrågt, woi'n eahm de beleidicht'n Oawatarinna duachprigl'n.

„Meine werthesten Mamselln, sagen sie mir zur Güte, welche von ihnen is gefälligst die Mama von dem mir freundlich zugedachten Kind?‘“ (Dritter Akt, fünfte Szene)[5]

Schließlich stöit si aussa, dass da Ledig a Liabschåft mit foigenda Heirat in Tulpingen g'håbt håt – jetzt'n glaubt a, dass a söwa da Voda warat. In Wiaklichkeit is des Kind von sein Neff'n Berg, des wås de wiakliche Muatta, de Therese, de wo glaubt, dass's da Berg valåss'n håt, duach de Marie beim Ledig vasuagt wiss'n woittat. Da Herr von Ledig setzt sein Neff'n und sein Enk'l ois Eab'n in sein Testament ei und de „unverhofften“ Wendungan nehman a glicklich's End.

Walzl: „Ah, das is unverhofft“!
Alle: „Wahrhaft unverhofft!“ (Dritter Akt, sechzehnte Szene)[6]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

Aum 28. und aum 29 März 1845 san in Behmen de Moldau und de Elbe üwa de Ufa tret'n und hau'm b'sindas in Prag und era Gege'nd schwaare Schäd'n aug'richt'. Da Direkta Carl Carl håt de Geleg'nheit ausg'nutzt, dass a si ois Wohltäta präsentian kunnt und drum füa'n 8. April a Benefizvuastöllung füa de Hochwåssaopfa aukündicht. Da Johann Nestroy, is von eahm valautboat wua'n, schreibt dafüa'r a neuch's Stückl. Außadem håt a ois Vuaschuss in Untastützungskomitee in Prag 1000 Guid'n zuakumma låss'n (dazua san nåch eascht'n Vuastöllung no amoi 2000 Guid'n dazuakumma). Olladings håt's bis zum 23. April dauat, bis des neuche Weak feati woa. Bis zum letzt'n Moment is no aun da Dekorateaun g'oawat wua'n. Zu dera Auffüahrung san unta da Füahrung vom Kaisa Ferdinand I. de Kaisamuatta und da Eazheazog Franz, da spätare Kaisa Franz Joseph I., und aa no aundare Famülienmitgliada kumma.[7]

Es woa des de letzte Easchtauffüahrung von an Nestroy-Stückl im Theater an der Wien, weu da Direkta Carl des Haus ohgeb'n håt miass'n, z'gleich owa scho ins Theater in der Leopoldstadt üwag'sied'lt is, wo Unverhofft daunn weidag'spüit wua'n is.

Da Stoff staummt aus da französesch'n Comédie-vaudeville[8] Boquillon à la recherche d'un père[9] vom Jean-François Bayard, de wo aum 15. Jänna 1845 im Parisa Théâtre des Variétés[10] zum eascht'n Moi aufg'füaht wua'n is. De kuaze Zeit zwisch'n da Parisa und da Weana Auffüahrung beweist aa den Zeitdruck, unta dem da Nestroy g'staund'n is. Trotzdem gibt's aniche Vuabereitunga vom Text,[11] de wo zag'n, dass si da Nestroy intensiv mit da Vualåg beschäfticht håt.

Da Nestroy håt den Herrn von Ledig, da Wenzel Scholz den Herrn von Walzl und da Alois Grois den Modehändla Falk g'spüit.

A Manuskript vom Nestroy söwa füa des Stückl is nimma vuahaund'n, nua'r a Blattl mit Notizen ois Vuabereitung liegt no in da Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus.[12] A Theatamanuskript von ana fremd'n Haund unta'n Tit'l Unerklärbar is im im Landesarchiv Berlin zum find'n, mit an Hinweis auf de Auffüahrungsgenehmichung füa's Berliner Landestheater[13] vom 5. Septemba 1881.[14] De eig'nhändiche Partetua vom Adolph Müller wiad in da Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus aufbewahrt. Nach an Brief vom Nestroy vom 25. April 1845 håt a's Eigenthums-Recht der Partitur zur Posse söwa aufkauft.[15]

Zeidungskritik[VE | Weakln]

De easchte Besprechung von da Premiere woa'r aum 25. April in da Zeitschrift Der Humorist[16] zum les'n:

„Das Publikum belohnte verdientermaßen diesen preiswürdigen Akt der Humanität durch wiederholtes Hervorrufen des Hrn. Direktors, […] Auch Hr. Nestroy wurde wiederholt im Laufe und am Ende des Stückes gerufen.[…] Die Vorstellung wurde von der Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers und einigen Mitgliedern des Allerhöchsten Hofes beehrt; die Majestäten wurden jubelnd empfangen.“[17]

In da Kritik vom Tåg drauf (Nr. 100, 26. April 1845, S. 398 f.) håt de Zeidung, de wo in Nestroy eh imma resaviat geg'nüwa g'staund'n is, kritesiat, dass dea net amoi in Vasuach måchat, „seiner Muse eine Bessere, sittlichere Richtung zu geben“, wenn aa da Schauspüla Nestroy g'lobt wua'n is. Da desweg'n grantiche Nestroy is drum auf a Tournee g'foah'n und håt aa nåch seina Rückkeah nåch Wean beinåh a Joahr laung ka neuch's Stückl g'schrieb'n. Des näxte Stückl woa daunn Der Unbedeutende (wo üwa der Schreibpause im Kapit'l Weaksg'schicht' meahra zum nåchles'n is).

In Adolf Bäuerle sei Wiener Theaterzeitung (Nr. 99, 25. April 1845, S. 397 f.) håt des Weak posetiv besproch'n, weu Unverhofft se aungenehm von dera „vaudevillistischen Schlüpfrigkeit“ vom Origenäu befreit hättat und drum an guat'n Eafoig füa'n Nestroy, füa de Schauspülatrupp'n und füa'n Direkta Carl g'habt håt.

Im Geg'nsåtz dazua woa de Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur und Mode (Nr. 82, 25. April 1845, S. 327.) aa mit'n Origenäu recht z'fried'n, weu's „unter die gelungensten, pikantesten und ergötzlichsten Farcen“ g'höa'n tuat; in Nestroy sei Beoawatung wiad ois „sehr gelungen, reich an witzigen Ein- und Ausfällen und an guten Couplets“ beschrieb'n:

„Die eigentliche Burleske hat an Nestroy ihren großartigsten Repräsentanten.“[18]

Weidare Auffüahrungan[VE | Weakln]

Der Wanderer håt Unverhofft scho aum 12. Mai 1845 „ein Cassastück ersten Ranges“ g'hass'n, wås duach a große Auzoih von Auffüahrungan in Wean, owa'r aa in aundare Städt' bestäticht wua'n is.

Zum Nestroy seine Lebzeit'n håt's soichane in Prag (1845, 1846, 1849), Brünn (1845), Linz (1850), Berlin (1845, 1847), Minga (1845), Graz (1846), Leipzig (1848) und Lemberg (1850) geb'n. Da Wenzel Scholz håt mit dem Stückl 1845 in Hamburg gastiat.

Weniche Maunat' vua sein Tod (25. Mai 1862) håt da Nestroy aum 6. Februar im Theater am Franz-Josef-Quai, wo sei ehemålicha Bühnankolleg Karl Treumann Dirakta g'wes'n is, ois Gåst zum letzt'n Moi den Herrn von Ledig g'spüit, de bekaunnt'n Komika Alois Grois und Wilhelm Knaack woa'n da Walzl und da Falk. Aa des woa'r a Benefizvuastöllung zu Gunst'n von Hochwåssaopfa.

Aa nåch'n Nestroy sein Tod is des Stückl no recht oft g'spüit wua'n, beispüisweis 1869 und 1881 mit'n Karl Blasel ois Herr von Ledig 1899, und mit'n Willy Thaller 1911 und mit'n Ferdinand Maierhofer 1925 im Akademietheater in Wean.

Literatua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0, S. 268–274.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, dreizehnter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1929; 1–92, 589–602.
  • Jürgen Hein (Hrsg.): Johann Nestroy; Stücke 23/I. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Jugend und Volk, Wien/München 1994, ISBN 3-224-16900-1.

im Netz[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. damit is Wean g'maant, wia'r aus de Couplettext' zun hea'n is
  2. Partikulier = im 19. Joahrhundat woa des a reicha Rentna oda Privatier; heutz'tågs is des in da Binnenschifffoaht a söibständicha Schiffseig'ntüma, dea'r aa söwa foaht
  3. Kindeswärterin = Kindamadl
  4. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 12–13.
  5. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 78.
  6. Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 91.
  7. Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 268–270.
  8. schaug bei Vaudeville
  9. Faksimile vom gaunz'n Text aus'n Magasin Théâtral, Paris, in Jürgen Hein: Johann Nestroy; Stücke 23/I. S. 275–308.
  10. schaug bei Théâtre des Variétés
  11. Faksimile in Jürgen Hein: Johann Nestroy; Stücke 23/I. S. 257–263.
  12. Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur I.N. 33.349
  13. schaug bei Berliner Nationaltheater
  14. Landesarchiv Berlin, U 54.
  15. Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, M.H. 861.
  16. Der Humorist, Zeitschrift für Scherz und Ernst, Kunst, Theater, Geselligkeit und Sitte, Herausgeber Moritz Gottlieb Saphir (von 1837 bis 1862).
  17. Jürgen Hein: Johann Nestroy; Stücke 23/I. S. 149–150.
  18. Jürgen Hein: Johann Nestroy; Stücke 23/I. S. 153.
Normdatn: GND: 7736258-5