Alles will den Prophet'n seh'n

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Der Artikl is im Dialekt Weanarisch gschrim worn.
Daten
Titl: Alles will den Prophet'n seh'n
Originaltitl: Das Abenteuer in Nestheim
Zum ersten Male: Der Profet, Große Oper von Mayerbeer, keine Parodie des „Profeten“
Goddung: Posse mit Gesang in drey Acten
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Literarische Voarlog: Gasthaus-Abentheuer von Charlotte Birch-Pfeiffer
Musi: Carl Franz Stenzl
Eascheinungsjoar: 1850
Uaauffiahrung: 4. Mai 1850
Oat vo da Uaauffiahrung: Carltheater in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: eine kleine Provinzstadt
Personen
  • Liborius Knollich, Bürgermeister von Nestingen[1]
  • Berta Veronika Rosenblüh, Eigenthümerin eines Hotel's
  • Eduard Braun, Kaufmann
  • Kilian Sitzmeyer, Juwelir
  • Gabriele
  • Nanett, deren Kammermädchen
  • Falk
  • Rollberg[2]
  • Friedrich, Oberkellner in Mad. Rosenblüh's Hotel
  • Anton, Kellner in Mad. Rosenblüh's Hotel
  • Herr von Glanzbach, Rentiér aus der Provinz
  • Frau von Glanzbach
  • Minona, Emma, Andolin, ihre Kinder
  • ein Amtsdiener
  • ein Wächter
  • ein Seifensieder-Geselle
  • Erster, zweyter, dritter, vierter Sänger
  • Erste, zweyte Primadonna
  • Theaterdiener[3]
  • Inspicient[4]
  • Friseur
  • Garderobier
  • Logendiener
  • [Herren] und Damen, Kellner, Polizeydiener, Garderobe[gehilfen]

Alles will den Prophet'n seh'n is a eine Posse mit Gesang in drey Acten vom Johann Nestroy. Da uasprüngliche Tit'l woa Das Abenteuer in Nestheim, daunn Zum ersten Male: Der Profet, Große Oper von Mayerbeer, keine Parodie des „Profeten“. De easchte Auffüahrung is anonym aum 4. Mai 1850 im Weana Carltheater g'wes'n.

Inhoit[VE | Weakln]

Des Klaastådthotö von da Madame Rosenblüh is bummvoi mit Gäst' de wo von weit hea kumma san. Da Grund is, weu Künstla aus da Hauptstådt ois Benefiz füa's Oamanhaus de Meyerbeer-Opa „Der Prophet“ auffüah'n wea'n. Da reiche Juwelia Sitzmeyer wü sei ehemålich's Gspusi, de Frau Rosenblüh, wieda'r amoi sehg'n; de Gabriele (in Männavakleidung) schwäamt füa'r an Sänga und da Eduard is deshoib eifasüchtich hintahea g'foah'n; da Gauna Falk (alias Müller) auf ana Eibruchstua gibt si ois hocha Polizeikommissäa aus; de Famülie Glanzbach mecht unbedingt no Theatakoat'n kriag'n; da Buagamasta Knollich vasuacht recht påtschat, de Madame Rosenblüh zum aumåch'n. Da eigebüidete und ängstliche Sitzmeyer hoit sein z'weg'n da Gabriele vakleidet'n Zimmagenoss'n Eduard füa den g'suacht'n Vabrecha Müller:

„Seine Gesichtszüge mahnen an Straßenraub; dazu der Wald von Bart – man kann Niemanden ins Herz seh'n.“ (II. Akt, 8te Scene)[5]

Wia da'r echte Kommissäa Rollberg, dea wo dazua no da Gabriele iah Voda is, auftaucht, wiad a genauso füa'r an Vabrecha g'hoit'n. De wiaklich'n Spitzbuam Falk und Maus vasuach'n vageblich, mit da Beute zum entkumma.

De Gabriele gibt si zum dakenna, damit's den foisch vadächticht'n Eduard rett'n kau. Da Falk lasst in Knollich glaub'n, ea warat in Woaheit da Komponist Meyerbeer incognito, und dea daduach täuschte Buagamasta bringt eahm hamlich aus'n Haus ins Theata:

„Dem erhabensten Genius, der glücklichste Bürgermeister seiner Zeit“ (III. Act, 12te Scene)[6]

De Opanauffüahrung is a großa Eafoig, im Hotel Rosenblüh soi des Festess'n ståttfind'n, de Gäst' wea'n vom Sitzmeyer aukündicht:

„Aus Is's! Alles strömt und wimmelt, voran die Verschwitzten, in der Mitte die Gepreßten, und hinten die Erdruckten.“ (III. Act, 23ste Scene)[7]

Da Falk im g'stohlanan Prophet'nkostüm wiad füa den Sänga g'hoit'n und im Triumphzug einabråcht, owa safuat ois Schwindla eakaunnt und vom Rollberg vahåft'. Da Sitzmeyer räsonniat:

„Es is merkwürdig, kaum hat man einen echten Propheten, führt der Teufel einen falschen daher.“ (III. Act, 25ste Scene)[8]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

De Grundidee von dem Weark håt Gemeinsaumkeit'n mit'n Adolf Bäuerle sein Die falschen Catalani, in Roderich Benedix' sein Der Steckbrief und in Karl Meisl sein Das Abenteuer in Strümpfelbach – woraun aa da uasprüngliche Tit'l vom Nestroy sein Stückl auklingt. Owa kaan's davau woa'r in Nestroy sei Vualåg.[9]

De eigentliche Vualåg woa des Stückl Gasthaus-Abentheuer[10][11] von da Charlotte Birch-Pfeiffer[12] (unta iahn Pseudonym Th. Oswald), des wås 1848 erschienan und b'sundas in Deitschlaund recht oft g'spüit wua'n is. Aun de Vualåg håt si da Nestroy recht genau g'hoit'n, vua'r oi'n in de eascht'n zwaa Akt', bloß håt a den Uat von da Haundlung von Bonn in an klaanan östareichisch'n Provinzuat valegt. Neich is da Zuasåtz, dass de bevuastehate Auffüahrung vom Giacomo Meyerbeer sein Le prophète (Der Prophet; Easchtauffüahrung aum 16. April 1849 in Paris, in Wean aum 1. März 1850 im Theater am Kärntnertor) füa'r a große Aufregung im Stadt'l suagt – in da Birch-Pfeiffer iahn Origenäu woi'n de Valiabt'n, da Otto/Eduard und de Emma/Gabriele, nua'r a Konzeat vom Franz Liszt in Bonn b'suach'n – sowia de kuaz'n Klamaukszenan mit da Famülie Glanzbach und des Finale mit da Theatatrupp'n.

Da Nestroy håt's – woahscheinlich z' Recht – notwendich g'fund'n, auf'n Theatazedl den Vameak: Keine Parodie des „Profeten“ aubringa z' låss'n. Ea håt vamutlich aug'numma, dass des Publekum von eahm eha de Parodie auf'n Meyerbeer sei Opa eawoat', ois a Poss'n, wo de Auffüahrung vom Propheten nua neb'nbei de Uasåch von da Haundlung is.

Da Nestroy håt den Sitzmeyer, da Wenzel Scholz den Knollich und da Franz Gämmerler a Sänga g'spüit.[13]

A Tit'lbladl in Nestroy seina Haundschrift – Zum ersten Male: der Profet, große Oper von Mayerbeer (sic!). Posse mit Gesang in Drey Acten. Keine Parodie des „Profeten“ – mit'n Peasaunanvazeichnis, sowia des off'nboa dazua g'höriche Textmanuskript san eahoit'n blieb'n.[14], eb'nfois eahoit'n san aniche Manuskriptfragment'.[15] A Theatamanuskript und a Soufflierbiachl mit da Auffüahrungsbewüllichung vom 30. April aus'n Fundus vom Carltheaters tråg'n den von ana fremd'n Haund korregiat'n Tit'l: Das Abenteuer in Nestheim.[16]

Des Stückl håt nua via'r Auffüahrungan dalebt, weidare hau'm weda zum Nestroy seine Lebzeit'n no danach ståttg'fund'n. A Rundfunkbeoawatung is im ORF aum Fåschingsdienstag, in 15. Februar 1969 g'sendet und aum 3. Juni 1974 wiedahoit wua'n. De Haundlungsplätz' san dabei auf Baden bei Wien stått Nestingen und Bad Vöslau stått Bad Eisenquell vaändat wua'n.[17]

Zeidungskritik[VE | Weakln]

Weu de Kritik'n füa des Stückl vanichtend g'wes'n san, is' aa nua zu drei Wiedaholungan kumma.[18]

Im Fremden-Blatt vom 5. Mai 1850 (Nr. 107) woa scho glei nåch da'r Uarauffüahrung de easchte negative Reakteaun zum les'n:

Der Verfasser hat sich nicht genannt, und wahrlich, es war auch nicht nothwendig, denn das Publikum war gar nicht in Versuchung, denselben am Schlusse zu rufen.“

Aum 7. Mai – es woa des da Tåg von da viat'n und letzt'n Auffüahrung – håt de in Nestroy sunst'n imma guat g'sinnte Wiener Theaterzeitung (Nr. 109, S. 485) vom Adolf Bäuerle eb'nfois recht unfreindli g'schrieb'n:

„Anstatt der Bemerkung auf dem Zettel, daß diese Posse keine Parodie der Oper ‚der Prophet‘ sei – hätte man besser und aufrichtiger bekennen sollen, daß diese Gelegenheits-Piece[19] eine ziemlich oberflächliche Bearbeitung und Ausdehnung des Benedixschen Lustspiels: ‚Der Steckbrief‘[20] und einer Berliner Posse sei.“

In Moritz Gottlieb Saphir sei Der Humorist vom 7. Mai woa wia'r ollaweu unhamli negativ:

„So ist das an und für sich schon elende Sujet schon dreimal zerarbeitet worden, und was bietet uns dieses saubere Machwerk? […] Man beleidigt den Geschmack, man mißbraucht die Geduld. Man hindert jede bessere Anforderung. […] Keine Handlung, kein Leben, kein Witz, keine Ausstattung – und darum wieder ein Abend verloren. […] Die Fama nennt Herrn Nestroy als Autor dieser Posse. Herr Scholz war in dieser stehenden Rolle als dummer Bürgermeister vortrefflich, er ist der einzige, den man nennen kann.“

Aa Der Wanderer håt schoaf kritesiat, ow im Geg'nsåtz zum Humoristen olle Doastölla g'lobt, b'sundas in Nestroy und in Scholz.

Spätare Fåchkritik[VE | Weakln]

Da Otto Rommel behaupt't, Alles will den Prophet'n seh'n hättat an bessan Eafoig g'håbt ois de üwrich'n drei Easchtauffüahrungan von 1850 im Carltheater, nämlich Sie sollen ihn nicht haben, Karikaturen-Charivari mit Heurathszweck und Verwickelte Geschichte!. „Die Quiproquos (Vawechslungan, Duachanaunda), die in dem überfüllten Hotel einer kleinen Stadt entstehen“ (Zitat), warat'n beim Publekum einichamåss'n guat aukumma.[9]

Da Helmut Ahrens vameakt nua kuaz, dass de bei Rommel g'naunnt'n Easchtauffüahrungan von 1850 olle z'saumm an Duachfoi g'håbt hättat'n – se olle warat'n eigentli nua „Komödchen auf Sparflamme“ (Zitat).[21]

Sowoi da Rommel ois aa da Ahrens san sicha, dass da Nestroy bei dem Stückl – trotz dera Aumeakung auf'n Theatazedl – a Persiflasch vom Meyerbeer sein Propheten vuag'håbt hättat.

Beim Otto Forst de Battaglia is zum les'n, dass beim Nestroy zu dera Zeit a deitlich's Schwächawea'n von seina Schåff'nskråft zum bemeak'n warat, de wesentlich'n Punkt' von dem Stückl kennt'n owa duachaus posetiv g'sehg'n wea'n, weu nämli de Poss'n

„[…] verspottet den Meyerbeer-Rummel und nebenbei die Krähwinkeleien[22] eines Provinzgewaltigen, den Spürsinn eines übergescheiten Sherlock Holmes[23] […]“[24]

Literatua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, dreizehnter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1929; 479–585, 689–718.
  • Walter Obermaier (Hrsg.): Johann Nestroy, Stücke 29. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner, Walter Obermaier, W. Edgar Yates: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Franz Deuticke Verlagsgesellschaft, Wien 1999, ISBN 3-216-30340-3.
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908.

im Netz[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. Nestingen = Auspülung auf Nest ois Synonym füa'r a klaane Uatschåft
  2. im Auftråg von da Zensa auf Rollenau g'ändat, da Grund is unbekaunnt
  3. Theaterdiener = „Als Bote zwischen der Direction und dem Personal einer Bühne, usw.“ (Herloßsohn/Marggraf: Allgemeines Theater-Lexikon oder Enzyklopädie alles Wissenwerthen für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde, Altenburg/Leipzig 1846, Bd. 7, S. 79 f.)
  4. Inspizient = „derjenige Beamte einer Bühne, welchem die Anordnung der zu jeder Vorstellung und Probe nöthigen Materialien obliegt […] das gesammte Statistenwesen, usw.“(Herloßsohn/Marggraf: Allgemeines Theater-Lexikon w.o., Bd. 4, S. 288 f.)
  5. Obermaier: Johann Nestroy, Stücke 29. S. 40.
  6. Obermaier: Johann Nestroy, Stücke 29. S. 67.
  7. Obermaier: Johann Nestroy, Stücke 29. S. 76.
  8. Obermaier: Johann Nestroy, Stücke 29. S. 79.
  9. 9,0 9,1 Rommel: Nestroys Werke. S. LXXIX und Anm. 1.
  10. Inhoit in Brukner/Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. S. 713.
  11. Faksimile vom Druck in de Gesammelten Dramatischen Werken von Charlotte Birch-Pfeiffer, Bd. 10, Leipzig 1867; in Obermaier: Johann Nestroy, Stücke 29. S. 387–426..
  12. schaug bei Charlotte Birch-Pfeiffer
  13. Faksimile vom Theatazedl in Obermaier: Johann Nestroy, Stücke 29. S. 379.
  14. Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur I.N. 33.404 und 36.765.
  15. Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur I.N. 33.405, 33.406, 33.407, 33.408, 33.409, 33.411.
  16. Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, alte Theaternummer 152.
  17. Obermaier: Johann Nestroy, Stücke 29. S. 208.
  18. Obermaier: Johann Nestroy, Stücke 29. S. 199–204. (füa's gaunze Kapit'l Zeidungskritik)
  19. Pièce = französesch füa G'spüi, (Theata-)Stückl
  20. då is da Rezensent von da Theatazeidung aum Hoizweg, schaug im Kapit'l Weaksg'schicht'
  21. Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 327.
  22. schaug bei Krähwinkel
  23. schaug bei Sherlock Holmes
  24. Otto Forst de Battaglia: Johann Nestroy, Abschätzer der Menschen, Magier des Wortes. Leipzig 1932, S. 92.