Gegen Torheit gibt es kein Mittel

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Daten
Titl: Gegen Torheit gibt es kein Mittel
Goddung: Ein lustiges Trauerspiel in drei Abteilungen
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1838
Uaauffiahrung: 3. November 1838
Oat vo da Uaauffiahrung: Theater an der Wien in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: Die Handlung der zweiten Abteilung spielt sieben Jahre später, die der dritten Abteilung dreißig Jahre später.
Personen

Erste Abteilung:

  • Richard Berg, 28 Jahre alt
  • Simplicius Berg, 23 Jahre alt, sein Bruder
  • Anselm, Bedienter des Simplicius, 25 Jahre alt
  • Florfeld, ein Dichter, 22 Jahre alt
  • Wernau, ein Advokat
  • Frau von Perlthau, Witwe
  • Aglaja, ihre Tochter
  • Monsieur Narciß
  • Madame Foulard, Putzhändlerin
  • Josephine, ihr Mädchen
  • Christoph, Florfelds Bedienter
  • Kathi, Oberkellnerin
  • Anton, Joseph, Gottfried, Jakob, Kellner
  • Gabriel, Zuckerbäckerjunge
  • erster, zweiter Kommis
  • Schnapp
  • Kellner, Köche, Kellnerinnen, Marchandmodesmädchen

Zweite Abteilung:

  • Richard Berg, 35 Jahre alt
  • Simplicius Berg, 30 Jahre alt, sein Bruder
  • Anselm, Bedienter des Simplicius, 32 Jahre alt
  • Florfeld, ein Dichter, 29 Jahre alt
  • Schierling, Inhaber einer Spielbank
  • Blandine, seine Tochter
  • Kathi, deren Stubenmädchen
  • Patschiparoli,[1] früher Seiltänzer, jetzt Croupier, 32 Jahre alt
  • Filou, Croupier
  • Pierre, François, Jean, Aufwärter im Hotel
  • ein Kartenmaler
  • ein Wachskerzenfabrikant
  • Friedrich, Bedienter bei Schierling
  • eine Gerichtsperson
  • Wächter, Aufwärter, Bediente

Dritte Abteilung:

  • Richard Berg, 65 Jahre alt
  • Simplicius Berg, 60 Jahre alt, sein Bruder
  • Florfeld, 59 Jahre alt
  • Anselm, Hausmeister in Richards Diensten, 62 Jahre alt
  • Barbara, seine Frau
  • Claire, Lenchen, beider Töchter
  • Heinrich Feldner, Wirtschaftsbeamter
  • Lorenz, Kutscher bei Richard
  • Martin, Leopold, Bediente bei Richard
  • Patschiparoli, Entrepreneur einer ambulanten Seiltänzertruppe, 62 Jahre alt
  • Mademoiselle Sophie
  • Monsieur Balance
  • Fitzliputzli,[2] Bajazzo
  • Bediente, Landleute beiderlei Geschlechts, Honoratioren, Musikanten

Gegen Torheit gibt es kein Mittel is ein lustiges Trauerspiel in drei Abteilungen vom Johann Nestroy. Des Stückl is 1838 entstaund'n und aum 3. Novemba von dem Joahr im Theater an der Wien ois Benefiz-Vuastöllung füa'n Schauspüla Franz Gämmerler zum eascht'n Moi aufg'füaht wuan.

Inhoit[VE | Weakln]

Da Jüngling:

Da Richard Berg füacht' um sein Bruadan Simplicius, dea wo weg'n seina Dummheit imma auf an jed'n Gauna einifoit und dabei sei gaunzes Eabguat vaschleidat. Sei einfälticha Diena Anselm måcht bei an jed'n Bleedsinn mit. De kokette Aglaja mechtat da Simplicius safuat heirat'n, bloß weu'l a's amoi kuaz gesehg'n håt. Obwoi ea söwa dabei is, wia's eahm mit'n Monsieur Narciß betrüagt, låsst a si duach iahre Krokodüstränan und de Lüagarei von iahra Muada, da Frau von Perlthau, hinta's Liacht füah'n:

„Also wirklich? Sie hegen so unwürdigen Verdacht gegen diesen Engel? Den Schlag überlebt sie nicht.“ (Erste Abteilung, zwanzigste Szene)[3]

Da Mau':

Sieb'n Jahre späta vaspüit da Simplicius – inzwisch'n zum Witwa wua'n – in an Casino sei gaunzes restlich's Eabguat, des wås eahm da Richard üwageb'n g'håbt håt, nua 800 Guid'n bleib'n eahm üwa. Da listiche Patschiparoli red't eahm ei, dass a de Tochta Blandine vom augeblich reich'n Schierling heirat'n soittat, damit a se sania'n kaunn. Tatsächlich is da Schierling owa genau a so pleite und hofft auf'n reich'n Schwiegasohn. Da Patschiparoli red't so laung auf'n Simplicius ei, bis dea'r eahm aa no de letzt'n Guid'n schenkt. Da geg'nseitiche Betruag fliagt auf, da Schierling wiad z'weg'n seine Schuid'n vahåft't, de Blandine rennt mit iahn Geliabt'n Florfeld davau, da Simplicius ist da rundumadum betrogane und da Patschiparoli maant in olla G'mitalichkeit:

„Jetzt scheint aber auch meine persönliche Sicherheit etwas auf die Spitze gestellt zu sein. Kinderei, eh' sie mir zu Leibe gehen, wird ein geschickter Saltomortale über die Grenze gemacht.“ (Zweite Abteilung, fünfundzwanzigste Szene)[4]

Da Greis:

Da Richard wiad zu sein' Sohn nåch Amerika auswaundan, wås olle seine Aug'stöit'n recht traurich måcht, sogoa den dumman Anselm. Dea glaubt inzwisch'n, dass olle Männa seina Gattin Barbara nåchrennan, seine zwaa Töchta, de Claire und's Lenchen, mecht a vaheirat'n. Da gaunz vaoarmte Simplicius is Zed'laustråga in Patschiparoli seina Seutänzatrupp'n, füa de friacha'r amoi sei letzt's Göid draufgaunga is. Weul a owa oid wua'n is und nix meah håt, deaf a net amoi meah in Bajazzo spüi'n, sundan muass nua Haundlaungadienst' måch'n. Sei Bruada mechtat eahm vua seina Åbreis' trotz olla schlecht'n Eafåhrunga no amoi mit ana groß'n Göidsumme aushöf'n. Owa dea unvabessaliche Dummkopf valiabt se safuat in de junge Claire, üwared't in Anselm und de Barbara, dass's eahm zua Frau geb'n und füaht de kaum 20-jahriche trotz dera iahra Vazweiflung drüwa zua Hochzeit.

„Die Eltern sind auf meiner Seiten und sie muß, da nutzt nix! Ich bin außer mir vor Seligkeit!“ (Dritte Abteilung, einundzwanzigste Szene)[5]

Trotz'n Zuareden vom Richard und vom Florfeld bleibt a stua und rennt mit Sichaheit wiedaum in sei Unglick. Da Richard resegniat endgüitich und måcht se auf de Reise:

„Er blieb ein Tor und leider seh' ich's jetzt erfüllt, was du mir einst prophetisch zugerufen: Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens – fort!“ (Dritte Abteilung, einundzwanzigste Szene)[6]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

A Vualåg füa'n Nestroy sei Stückl ist net nåchweisboa, de Motive von da Haundlung san olladings bekaunnte Vasåtzstückln vom Alt-Wiener Volkstheater. Des Weak håt owa, genau a so wia aniche aundare von seine Vasuach', wås Earnsthåft's zum schreib'n, kan Publekumseafoig g'håbt, und drum is da Nestroy vom moralisiarat'n Voiksstückl nåch'n Vuabüid vom Ferdinand Raimund mit'n nächst'n Stückl Die verhängnisvolle Faschingsnacht wiedarum zu dem wås sei Stäak'n woa, nämli da Poss'n, z'ruckgaunga.

Da Nestroy håt in Simplicius Berg, da Wenzel Scholz in Anselm, da Alois Grois in Schnapp und in Kutscha Lorenz, da Ignaz Stahl in Schierling, da Friedrich Hopp in Patschiparoli, da Franz Gämmerler in Florfeld, de Eleonore Condorussi de Aglaja und in Nestroy sei Leb'nsgefäahtin Marie Weiler de Kathi g'spüit. Da Benefiziant Gämmerler håt in Dichter Florfeld geb'n.[7]

De Origenäuhaundschrift und de Theatamanuskript' san nimma zum find'n; da Text stützt se drum auf Vinzenz Chiavacci/Ludwig Ganghofer: Nestroys Gesammelte Werke. (Bonz Verlag, Stuttgart 1890), des wås vamutlich auf a Theatamanuskript z'ruck zum füah'n sei könntat.

De Origenäupartetua vom Adolf Müller is no vuahaund'n, da Tit'l is: Gegen Thorheit giebt es kein Mittel. Lustiges Trauerspiel in 3 Aufzügen von Joh. Nestroy. Musik von Adolf Müller 1838. Das erste Mal aufgeführt im k. k. priv. Theater a. d. Wien den 3ten Novem. 1838. Da uasprüngliche Tit'l Dummheit is g'strich'n. In dera Partetua san neb'n dene Not'n aa aniche Text'n von de G'saungsstückln drin.[8]

1973 is des Stückl aum Wiener Volkstheater unta da Regie vom Gustav Manker mit etliche daumois bekaunnte Schauspüla aufg'füaht wua'n.

Zeidungskritik[VE | Weakln]

Praktisch olle Theatakritika haum des Weak ois schlecht eig'stuft; gaunz richti is g'sehg'n wua'n, dass se dea Satirika Nestroy damit in a Såckgåss'n zwisch'n Tragik und Possenhåftichkeit einemanövriat håt.[9]

In dera sunst eh imma nestroyfreindlich'n Wiener Theaterzeitung vom Adolf Bäuerle woa'r aum 5. Novemba 1838 zum les'n:

„Die Idee, daß ein Dümmling unverbesserlich sei, auf diese Weise anschaulich gemacht, kann keine dramatische Wirkung haben. Simplicius ist hier zum Teil Dummkopf, zum Teil Schuft, und Albernheit und Nichtswürdigkeit gehen fast Hand in Hand bei ihm. Auf diese Weise ist durchaus kein Interesse an ihm zu finden.“

G'lobt is olladings neb'n dera Doastöllungskunst vom Nestroy und vom Scholz b'sundas de Marie Weiler wua'n, de wo füa des Quodlibet im zweit'n Akt (26. Szene) an heftich'n Beifoi kriagt håt und deshoib einiche Moi mit'n Nestroy z'saumm aussag'ruaf'n wua'n is.

De Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode håt aum 10. Novemba (s. 1079) g'schrieb'n:

„Eigentlich laufen die Tendenzen der heutigen Pièce auf die Lehre hinaus, daß eingefleischte Liederlichkeit unverbesserlich sei, und dies gibt jedenfalls, mag auch die Wahrheit darin unleugbar sein, einen trostlosen Hintergrund, wenn es nicht sogar gefährlich ist, einen Taugenichts der verwerflichsten Art zum Träger eines komischen Stoffes zu machen, über dessen heitere Seite man die ernste Maske des dramatischen Januskopfes vergißt.“

De Akteure san owa eb'nfois stoak g'lobt wua'n, trotzdem wiad de Aufnauhm duach's Publekum ois ungünstich beschrieb'n.

Der Sammler vom 8. Novemba håt a ähnlich negative Ausicht vatret'n:

„Allein das gegenwärtige Werk hat die Ansprüche, zu welchen der Name des Autors berechtigt, nicht nur nicht befriedigt, sondern es ist noch tiefer zu rangieren als z. B. ‚Der Treulose‘, ‚Das Haus der Temperamente‘ u. m. a.; es ist mittelmäßig und ist sowohl in der Idee als auch in der Ausführung verfehlt. […] Die fleißige Darstellung der Pièce verdient ein Lob.“

Spätare Fåchkritik[VE | Weakln]

Da Helmut Ahrens maant, da Nestroy hättat vasuacht, si stäaka im eansthåfta'n Voikskomödien-Bereich zum profilia'n, so wia des da Raimund g'måcht håt. In dem Stückl woittat a moralesiarate Ölement'n vom Voikstheata mit da Szenarie und de Dialog' von da Poss'n z'saummbringa, wås eahm owa nua stöi'nweis gelungan is. Zua Haundlung vameakt da Ahrens gaunz lakonesch:

„Kurzum: Alles ist umsonst, der Dumme bleibt dumm, der Törichte töricht – ein melancholisches, trauriges Stück.“[10]

Beim Otto Rommel is zum les'n, dass „nur ein ausgesprochener Verstandesmensch wie Nestroy“ (Zitat) a soichanes Thema auf a deaoatiche Weis' behaund'ln könntat. Nämlich gaunz ohne auch nua'r an Hauch von Vaständnis, von Mitleid, eha sogoa mit ana triumphierat'n Grausaumkeit wiad de Hauptpeason in Publekum vuag'füaht. So a Maung'l aun psychologescha Weidaentwicklung låsst olladings des Intaresse aunan Simplicius seine Problem' goa net aufkumma.[11]

Literatua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0.
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, sechster Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1926; S. 489–600 (Text).
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, achter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1926; S. 255–274 (Anmerkungen).
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908.
  • Otto Rommel: Johann Nestroy, Gesammelte Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, dritter Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1948–1949, neue Ausgabe 1962; S. 247–340, 708, 723–725.

im Netz[VE | Weakln]

Beleg[VE | Weakln]

  1. Patschiparoli = Paroli, im Pharaog'spül a vom Spüla makiate Koat'n, damit genau mit dera da dreifåchen Gewinn dawischt wead'n kaunn, schaug aa bei Parolispiel
  2. Fitzliputzli = im daumois bekaunnt'n Ziakus vom Alessandro Guerra håt's an Kunstreita mit Nauman Filippuzzi geb'n (Hermann Otto [Signor Saltarino]: Artisten-Lexikon: biographische Notizen über Kunstreiter, Dompteure, Gymnastiker, Clowns, Akrobaten … aller Länder und Zeiten, Ed. Lintz, Düsseldorf, 1895)
  3. Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. 6. Band, S. 521.
  4. Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. 6. Band, S. 562.
  5. Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. 6. Band, S. 598.
  6. Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. 6. Band, S. 599.
  7. Rommel: Johann Nestroy, Gesammelte Werke. S. 248–250.
  8. Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signatur MH 730.
  9. Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. 8. Band, S. 256–268.
  10. Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 201–203.
  11. Otto Rommel: Nestroys Werke. S. XLVII.