Der Färber und sein Zwillingsbruder

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Daten
Titl: Der Färber und sein Zwillingsbruder
Goddung: Posse mit Gesang in drei Acten
Originalsproch: Deutsch
Autor: Johann Nestroy
Literarische Voarlog: „Le brasseur de Preston“, Oper von Adolphe Adam
Musi: Adolf Müller senior
Eascheinungsjoar: 1840
Uaauffiahrung: 15. Jänner 1840
Oat vo da Uaauffiahrung: Leopoldstädter Theater in Wean
Oat und Zeid vo da Handlung: Die Handlung spielt im ersten Acte theils vor einer Schencke im Gebirge, theils in einem eine Meile davon entfernten Marktflecken, im zweyten Act im Stations-Platz der Gränz-Gensdarmerie, im 3ten  Act auf dem nahegelegenen Schlosse des Marquis Saintville
Personen
  • Kilian Blau, Färber, der eine Zwillingsbruder
  • Hermann Blau, Sergeant[1] bei der Gränz-Gensd'armerie,[2] der andere Zwillingsbruder
  • Wetter, Schlau, Knall,Sergeanten der Gränz-Gensd'armerie
  • Sturm, Gemeiner, Hermanns Diener
  • Gertrud, dessen Weib, Marketenderin[3]
  • Anselm, Altgeselle bei Kilian Blau
  • Mamsell Roserl, in Kilians Hause erzogen [Kilians Braut]
  • Meister Klopf, ein Kupferschmied
  • Herr von Löwenschlucht, Oberforstmeister
  • Cordelia, [s]eine Schwester
  • Peter, dessen Bedienter
  • Marquis Saintville
  • Waldau, Oberdirektor bei Marquis
  • Grummer, Schloßinspektor bei Marquis
  • Thomas, Gärtner bei Marquis
  • von Dornberg, Anführer einer Abtheilung Gensd'armerie
  • eine Ordonnanz
  • Jean. Bedienter des Marquis
  • Martin, Knecht bei Kilian Blau
  • Gensd'armen, Gäste und Dienerschaft auf dem Schlosse des Marquis, Gäste beim Meister Kilian

Der Färber und sein Zwillingsbruder is a Posse mit Gesang in drei Acten vom Johann Nestroy. Des Stückl is 1840 entstaund'n und aum 15. Jänner von dem Joahr „zum Vorteile Nestroys“ easchtmålich aufg'füaht wua'n..

Inhoit[VE | Weakln]

Daweu da Sergeant Hermann z'saumman mit seine Kaumaråd'n üwa sei Freid aun de Åb'nteia protzt („Mein Wahlspruch heißt: Nur Gefahr!“), kaunn sei schüchtana Bruada Kilian net amoi seina Roserl an Heiratsautråg måch'n:

„Die Beredsamkeit ist der Schneider, der die Gefühle in Worte kleiden soll, ich hab' aber den Schneider[4] nicht […]“ (I. Act, 4te Scene)[5]

Eascht des Kumma von de Gäst' zwingt eahn zum Red'n, owa in dem Moment kummt da Sturm, in Hermann sei Diena, und bitt' in Kilian, sein Bruder von da aunda'n Seit'n von da Grenz zum hoi'n, weu sich dea bei an G'spusi mit da Cordelia vaspät' håt. Ea kunntat drum degradiat oder sogoa daschoss'n wea'n, waunn a net pünktli im Dienst auftaucht. Owa da Kilian håt kan Eafoig beim Herrn von Löwenschlucht, weu dea maant, da Kilian warat da Hermann und eahm drum de Hund' auffehetzt. De aunda'n Sergeant'n glaub'n, wia's in Kilian sech'n, dass da Hermann endli kumma warat und bevua'r a de Vawechslung aufkläa'n kaunn, haum's eahm scho in Hermann sei Unefuam auzog'n.

„Du hättest den Scherz bald zu weit getrieben! […] Nur geschwind dem Commandanten die Meldung gemacht!“ (II. Act, 7te Scene)[6]

Da Löwenschlucht is in Hermann – in Wiaklichkeit in Kilian – nåchkumma und wüll si mit eahm duellia'n. Da Kilian muass weg'n sein Ausbleib'n in' Arrest, owa no bevua'r a si g'freu'n kaunn, dass a auf de Oat sowoi des Duell ois aa den Kaumpf mit de Schmuggla vameid'n wiad, bitt'n eahn de Kaumaråd'n beim Dornberg los. Vazweifet klågt a denan aundan Sergeant'n und da Roserl:

„Oh ihr seyds die Kugeln schon gewöhnt; aber unsereins; Ich werd plessiert, Roserl, ich weiß es gewiß, ich werd im Rücken plessiert.“ (II. Act, 18te Scene)[7]

Ea muass mitkumma, sei Pfead geht mit eahm duach und galoppiat mitt'n in de Schmugglabande eine. Z'weg'n dera Tåpfakeit wiad a auf's Schloss vom Marquis Saintville kommandiat, wo a Raungeahöchung auf eahm woat'.

Da Kilian eafoaht vom Dornberg sei Eanennung zum Offezia und gleichzeitich, dass a'r an unhamli g'fäahlich'n Post'n üwanehma soi. Da Löwenschlucht wüll eahm unbedingt mit da Cordelia z'saummbringa, an Aufschub füa den Einsåtz gibt's aa net und da Kilian soi stante pede voahea no de Cordelia heirat'n. Im letzt'n Moment kummt da wiakliche Hermann und springt füa sein Bruadan ei. De Roserl und da Kilian san glückli, nua da Peter, dea wo aa in de Cordelia valiabt is, wiad gaunz deschparat:

„Ich will jetzt trinken, trinken bis ich umfall vor Rausch, das allein kann mich aufrecht erhalten.“ (III. Act, 25ste Scene)[6]

Weaksg'schicht'[VE | Weakln]

Auf'n Theatazedl von da eascht'n Auffüahrung woa zum les'n: „Die Handlung ist einem französischen Originale nachgebildet“. Damit woa de Opa Le brasseur de Preston („Der Bierbrauer von Preston“)[8] vom Adolphe Adam g'mant, wo des Libretto da Adolphe de Leuven und da Léon-Lévy Brunswick g'schrieb'n hau'm.[9] De Opa is zum eascht'n Moi in dera Opéra-Comique von Paris am 3. Oktober 1838 aufg'füaht wua'n. Des historisch-romantesche Milieu von da G'schicht vom Bonnie Prince Charlie[10] seina Invaseaun in Schottlaund is vom Nestroy duach a modean-büagalich's ausgwechs'lt wua'n, aus'n Kriag zwisch'n de Schott'n und de Englända håt a de Jågd von Grenza auf a Schmugglabande g'måcht und de Charakta von de Hauptpeasonan san aa stoak vaändat wua'n. Da reiche Braua Daniel Robinson is zum Fäaba Kilian Blau wua'n, sei Bruada, a schneidicha Leitnaunt, zum Sergeant'n von da Schandamarie. Gaunz neich is de Figua vom Bedient'n Peter, dea wo in de Cordelia valiabt is. Bei da Språch' håt da Nestroy a b'sundas G'wicht auf'n Untaschied zwisch'n dera weanerisch-zivü'n Redarei vom Kilian und dera pathetisch-miletärisch'n von sein Bruada und dem seine Kaumaråd'n g'legt.[11]

Füa'n Nestroy woa de Vualåg nua da Hintagrund füa sei stoake Karekiarung von de Peasonan und Situateaunan. In tollkühnan Hermann, in rachsüchtich'n Löwenschlucht, und dera üwazoganan, siaßlat'n Sentementaletät von da „33-jährigen Unschuld“ Cordelia steht da afåche, sympathische, schüchtane Kilian geg'nüwa.Owa obwoi da Kilian eha passiv is, löst a mit Austaund des Problem, sein' Bruadan zum höf'n und eahm daduach de Stråf zum daspoa'n.

Da Nestroy håt de zwaa Zwillingsbrüada Kilian und Hermann Blau g'spüit, da Wenzel Scholz in Bedient'n Peter, da Alois Grois in Sergeant'n Schlag. Wia scho mit dera Sepherl in da Verhängnisvollen Faschingsnacht is des „süße Mädel“ – wie so a Roi'ntyp späta g'hass'n wua'n is – Mamsell Roserl von da Eleonore Condorussi geb'n wua'n, desmoi olladings net gaunz so süaß, sondan eha recht resolut. De dazua passende Leb'nseistöllung sagt de Roserl gaunz deutli ausse:

„Bey Männern giebt's keine Menschenkenntniß denn wenn man's kennt, so lernt man s’ als Unmenschen kennen.“ (I. Act, 13te Scene)[12]

De Condorussi woa wiedarum in ana vom Nestroy b'sundas füa sie g'schriebanan Roi'n so eafoigreich und des Vahöitnis zu eahm off'nboa so eng, dass schließli sei Leb'nsg'fäahtin Marie Weiler endgütich dafüa g'suagt håt, dass's kane weita'n (Haupt-)Roi'n kriagt håt und de Kontakt' untablieb'n sa'n.

A Origenäuhaundschrift vom Nestroy is no vuahaund'n; außadem no drei Origenäumanuskript' mit anzöne Szenan und Couplets.[13] De Origenäupartetua vom Adolf Müller is aa noch vuahaund'n.[14]

Zeidungskritik[VE | Weakln]

De zeitgenössische Kritik woa ausg'sproch'n posetiv, beinåh' scho enthuseastisch, es håt nua gaunz weniche kritische Stimman geb'n.[15]

Aum 17. Jänna håt da Heinrich Joseph Adami in da Wiener Theaterzeitung vom Adolf Bäuerle (Nr. 15, S. 62–63) duachaus posetiv berichtet – nåchdem da Nestroy aum 13. Jänna in Bäuerle mit an Briaf easuacht håt, dass da eahm recht üwe g'sinnte Kritika Tuvora „von der Beurteilung meines Stückes auszuschließen“ warat:

„Nestroys neueste Posse, wenn auch gerade keine seiner vorzüglichsten, und dem Tadel von mancher Seite her zugänglich, enthält gleichwol des Trefflichen nicht wenig. […] Eine Masse von Witz, Satyre, pikanten Einfällen, und komischen Pointen, namentlich in allen jenen Scenen, worin Nestroy selbst beschäftigt ist, erhält den Zuhörer in einem fast ununterbrochenen Gelächter, und es gehört viel Aufmerksamkeit dazu, von diesen Schlag auf Schlag einander folgenden Wechselreden nichts zu überhören, und seine Beziehung alsogleich aufzufassen.“

De Kritik vom Der Humorist[16] vom 17. Jänna (Nr. 13, S. 51–52), da Nestroy hättat wiedarum amoi a französesche Vualåg vawend't, is komisch, weu zu dera Zeit de meist'n Weana Autoa'n si aus dera Quö'n bedient haum. De engan Beziachungan zwisch'n Paris und Wean und aa de Lewendichkeit vom Parisa Theataleb'n, wo de Zensua vü freindlicha ois wia in Östarreich woa, is Grund g'nua dafüa g'wes'n. No dazua woa Französesch zu dera Zeit de aum weitast'n vabreitate Fremdspråch' im deitsch'n Raum.[17]

Genau so begeistat woa de Rezepteaun im Wanderer vom 17. Jänna (Nr. 15, S. 58–59), wo g'staund'n is:

„Vorgestern wurde den Freunden lokal-komischer Muse in diesem Hause wieder ein wahres Fest bereitet.“

Sogoa da maunchesmoi in Nestroy geg'nüwa recht kritische Sammler håt aum 20. Jänna vameakt (Nr. 11, S. 43–44):

„Es sind nun volle neun Monate abgelaufen, dass Nestroy, der bedeutendste unserer Volksdichter die Lokalposse mit seiner durch und durch gelungenen 'Faschingsnacht' beschenkte […] aber darum auch Zeit genug, dass Nestroy ein reifes Werk schaffen konnte.“

Spätare Fåchkritik[VE | Weakln]

Da Otto Rommel maant, dass des Stückl in de launge Reih' von dene Vawechslungskomödien g'höan tuat, de wo scho mit'n Menaechmi (Die beiden Zwillinge) vom Plautus in da römisch'n Antike aug'faungt hättat'n (da Rommel nennt off'nboa aus Vaseh'n in Terenz ois Vafåssa!). Des Stückl vom Nestroy warat daumois ois Beweis füa des „rivallose Talent des Verfassers“ begeistat begrüßt wua'n.[18]

Da Franz H. Mautner nennt de Poss'n 's Gegenstückl zua da Verhängnisvollen Faschingsnacht, weu se warat de zweite, de von da Ehre haund'ln tättat und weu de zwaa in Beginn von de sogenaunnt'n klassisch'n Poss'n vom Nestroy ausmåchat'n.[19]

Da Jürgen Hein schreibt b'sundas üwa de Couplettext'na:

„Die spezifisch neuen Couplets Nestroys finden sich erst seit dem Jahr 1840, etwa in den Stücken ‚Der Färber und sein Zwillingsbruder‘, ‚Der Erbschleicher‘ und ‚Der Talisman‘. Mit diesen Stücken beginnt auch die eigentliche Ausbildung der ‚Posse mit Gesang‘.“[20]

Des warat gleichzeitich mit ana „Verschärfung der satirischen Sozialkritik und Differenzierung der Spielwelt verbunden“ g'wes'n.[21]

De Louise Adey Huish is sicha, dass da Nestroy vua'm Vafåss'n vom Färber aus peasönliche Gründ längare Zeit nix g'schrieb'n hättat - des neuche Stückl warat deshoib „vom neuigkeitssüchtigen Publikum enthusiastisch aufgenommen“ wua'n. Drum is's aa vamutlich zu dera Zeit kaum a Geg'nstaund von kritische Dischkuas g'wes'n; eascht im 20. Joahrhundat warat's „zum größten Teil als heitere Komödie der Sprache abgetan worden“. Des håt olladings kan Theatahistorika drau g'hindat, es ois Schwaunk zum bezeichna, dea wo duachaus vadiena tättat, dass ma'n eanst nehma muass.[22]

Literadua[VE | Weakln]

  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0
  • Fritz Brukner/Otto Rommel: Johann Nestroy, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, zehner Band, Verlag von Anton Schroll & Co., Wien 1927.
  • Louise Adey Huish: Johann Nestroy; Stücke 16/I. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner/Walter Obermaier/W. Edgar Yates: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Deuticke, Wien 1999, ISBN 3-216-30333-0.
  • Franz H. Mautner (Hrsg.): Johann Nestroys Komödien. Ausgabe in 6 Bänden, Insel Verlag, Frankfurt am Main 1979, 2. Auflage 1981, 3. Band. OCLC 7871586.
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908.

Beleg[VE | Weakln]

  1. Sergeant = woa'r amoi a Raungbezeichnung füa'r an Untaoffezia bei de Soidåt'n owa aa bei vaschiedane Polezeitrupp'n
  2. Gensd'armerie = oide französesche Schreibweis' von Gendarmerie, friacha da Nauman von da Laundpolezei
  3. Marketenderin = Begleitarin von de Soidåt'd, de wo's mit olle meglich'n Såch'n vasuagt – friacha woa'n's maunkesmoi aa Hua'n
  4. doda im Sinn von „keinen Schneid haben“, net mutich sei
  5. Louise Adey Huish: Johann Nestroy; Stücke 16/I. S. 12.
  6. 6,0 6,1 Louise Adey Huish: Johann Nestroy; Stücke 16/I. S. 32.
  7. Louise Adey Huish: Johann Nestroy; Stücke 16/I. S. 47.
  8. Inhoitsaugåb in Huish: Johann Nestroy; Stücke 16/I. S. 279–306 (in französescha Språch mit an Faksimile von da Parisa Auffüahrung); deitsche Inhoitsaugåb S. 102–107.
  9. von de zwaa Autoa'n staummt unta anda'm aa des Libretto zum Adam seina Opa Der Postillon von Lonjumeau
  10. Charles Edward Stuart mit'n Spitznauman Bonnie Prince Charlie woittat in Thon vom Kinireich vom Kenich Georg II. z'ruckearoban, is owa mit seine Hochlaund-Schott'n-Clans g'scheitat
  11. Franz H. Mautner (Hrsg.): Johann Nestroys Komödien. S. 358.
  12. Louise Adey Huish: Johann Nestroy; Stücke 16/I. S. 22.
  13. Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signaturen I.N. 33.335, 33.334, 3231, 2566.
  14. Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Signaturen MH 746.
  15. Louise Adey Huish: Johann Nestroy; Stücke 16/I. S. 108–130 (füa's gaunze Kapit'l Zeidungskritik)
  16. Der Humorist, Zeitschrift für Scherz und Ernst, Kunst, Theater, Geselligkeit und Sitte, Herausgewa Moritz Gottlieb Saphir von 1837 bis 1862.
  17. Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig ich mich nicht. S. 212–216. (für den gesamten Absatz „Werksgeschichte“)
  18. Otto Rommel: Nestroys Werke. S. LV.
  19. Franz H. Mautner: Nestroy. Heidelberg 1974, S. 241–246.
  20. Jürgen Hein: Spiel und Satire in der Komödie Johann Nestroys. Bad Homburg/Berlin/Zürich, 1970.
  21. Jürgen Hein: Johann Nestroy. (Sammlung Melzer, Band 258) Stuttgart 1990, S. 77–79, 82.
  22. Louise Adey Huish: Johann Nestroy; Stücke 16/I. S. 1.